Dortmund und Koblenz

Bombenkoffer in Bahnhöfen - Terrorverdacht

In diesem Trolley steckte eine Bombe

In diesem Trolley steckte eine Bombe

02. August 2006 Bombenalarm in zwei deutschen Bahnhöfen: Nach Sprengstoff-Funden in Dortmund und Koblenz ermittelt die Bundesanwaltschaft gegen unbekannt wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Zunächst war jedoch unklar, ob es sich um einen geplanten Terroranschlag oder um eine geplante Erpressung der Bahn handelte.

In Dortmund war am Montag ein Koffer geöffnet worden, der unter anderem eine Gasflasche und Benzin enthielt. Einen Tag später wurde auch am Koblenzer Bahnhof in einem herrenlosen Koffer eine Propangasflasche und nach ZDF-Angaben auch eine komplette Zündvorrichtung entdeckt. Zumindest in Dortmund schloß die Polizei nicht aus, daß eine Detonation vermutlich etliche Reisende in den Tod gerissen hätte. Wegen des engen zeitlichen Zusammenhangs übernahm die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen, wie die Behörde am Dienstag mitteilte.

Gepäckstück mit Propangasflasche

In diesem Regionalzug wurde der Dortmunder Koffer entdeckt

In diesem Regionalzug wurde der Dortmunder Koffer entdeckt

Beim Fundbüro des Dortmunder Hauptbahnhofs war demnach am Montag abend der Koffer mit Sprengstoff abgegeben worden, den ein Zugbegleiter in einer Regionalbahn in Richtung Hamm entdeckt hatte. Am gleichen Tag sei auch im Bahnhof Koblenz ein „Gepäckstück mit Propangasflasche“ abgegeben worden. Geöffnet wurde er nach Polizeiangaben jedoch erst am Tag darauf. Die näheren Umstände dieses Fundes bedürften „noch der Aufklärung“, hieß es in Karlsruhe. Die Sperrung des Bahnhofs Koblenz ist am Dienstag abend nach einer Stunde wieder aufgehoben worden. Es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung, sagte eine Polizeisprecherin. „Die Gefahr ist gebannt.“

Die Ermittlungen richteten sich „gegen unbekannt wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“, erklärte die Bundesanwaltschaft. Anhaltspunkte, wann und unter welchen Umständen eine Zündung habe erfolgen sollen, gebe es noch nicht.

Herrenloser Rollkoffer

In der Regionalbahn zwischen Aachen und Hamm hatte ein Zugbegleiter am Montag nach mittag gegen 14.40 Uhr einen herrenlosen Rollkoffer gefunden. Laut Bundespolizei übergab der Zugbegleiter das Gepäckstück nach Eintreffen des Zuges im Dortmunder Hauptbahnhof einem Servicemitarbeiter, der ihn an der Fundstelle abgab. Dort wurde in dem Koffer der Sprengsatz entdeckt. Laut Bundesanwaltschaft enthielt er unter anderem eine Propangasflasche, drei mit Benzin gefüllte Flaschen, eine Zündvorrichtung sowie drei Monoblöcke. Unklar blieb zunächst, wann der Täter den Koffer in dem Zug abstellte. Der Zug war seit 4.40 Uhr zwischen Aachen und Hamm gependelt.

Eine Explosion hätte nach Einschätzung der nordrhein-westfälischen Polizei „enormen Schaden“ anrichten können. Einem Spezialisten der Bundespolizei gelang es am Montag abend, den Wecker mit einem Schuß zu zerstören und den Sprengsatz damit funktionsuntüchtig zu machen. Wegen des Bombenalarms waren Teile des Dortmunder Hauptbahnhofs vorübergehend gesperrt worden; zahlreiche Züge waren verspätet. Die Behörden suchen dringend nach Zeugen, die sich in dem betroffenen Zug befunden und möglicherweise etwas bemerkt haben.

Erinnerungen an Dresden

Nach den Sprengstoff-Funden in Nordrhein-Westfalen und Koblenz hat die Bahn alle Mitarbeiter auf den Bahnhöfen zu erhöhter Aufmerksamkeit aufgerufen. „Und die ist ohnehin schon sehr hoch“, sagte ein Bahnsprecher am Dienstag abend in Berlin. Der Appell richte sich an alle Mitarbeiter in allen Bahnhöfen, nicht nur in Großstädten. Nicht nur für Sicherheitspersonal, auch für Zugbegleiter und Kundendienstpersonal gelte der Appell zu erhöhter Aufmerksamkeit. Der Bahnsprecher sagte auch: „Die Bahn arbeitet bei solchen Fällen besonders eng mit den Behörden zusammen und wird dies auch weiter tun und rasch und umfassend informieren.“

Der Dortmunder Koffer

Der Dortmunder Koffer

Die Fälle wecken Erinnerungen an den Fund einer funktionsfähigen Bombe im Dresdner Hauptbahnhof vor gut drei Jahren. Der Sprengsatz war damals nur wegen eines Defekts nicht explodiert. Eine DNA-Spur brachte die Dresdner Ermittler auf die Spur eines Immobilienkaufmanns, der von der Deutschen Bank eine dreistellige Millionensumme erpressen wollte. Der 64jährige wurde im Juli 2005 wegen Mordversuchs, schwerer räuberischer Erpressung und mehrerer Waffendelikte zu zwölf Jahren Haft verurteilt.

Text: FAZ.NET mit dpa, AFP, ddp
Bildmaterial: AP, dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Verliebt, verlobt, verheiratet!Für alle die mehr suchen als einen Flirt - www.faz.net/partnersuche

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche