20. Juli 2004 Im Auftrag des Vatikans soll der österreichische Bischof Klaus Küng den Skandal im Priesterseminar St. Pölten untersuchen. Papst Johannes Paul II. ernannte Küng am Dienstag zum so genannten Apostolischen Visitator für die Diözese. Küng sprach von einer delikaten und diffizilen Aufgabe. Er wolle die Arbeit in St. Pölten unverzüglich aufnehmen, erklärte der Feldkircher Bischof.
Die österreichische Staatsanwaltschaft hatte am Montag gegen einen Studenten des Priesterseminars Strafantrag wegen Besitzes von Kinderpornografie gestellt. Auf der Festplatte des 27jährigen sei eine Vielzahl von pornografischen Darstellungen mit Unmündigen entdeckt worden, hieß es. Insgesamt hatte die Polizei bei Ermittlungen im Priesterseminar St. Pölten rund 40.000 pornografische Bilder und zahlreiche Filme sichergestellt. Die Aufnahmen zeigen auch homosexuelle Handlungen zwischen Seminaristen und ihren Vorgesetzten.
Mit der Einsetzung Küngs als Visitator ist das Mandat der von Bischof Kurt Krenn benannten internen Untersuchungskommission erloschen. Kirchenintern wird der Schritt des Vatikans als Paukenschlag gewertet. Kardinal Christoph Schönborn erklärte, Rom habe schnell gehandelt. Er sprach von einer außergewöhnlichen Maßnahme. Ein Apostolischer Visitator wird vom Vatikan ernannt, wenn der Papst schwere Mißstände in einem Bistum vermutet.
Küng sagte, zunächst wolle er sich ein möglichst objektives Bild der Lage verschaffen. Danach müsse er die zuständigen Vatikanischen Kongregationen entsprechend informieren und geeignete Maßnahmen vorschlagen. Küng gilt als konservativ, er ist Mitglied der umstrittenen katholischen Bewegung Opus Dei. Bischof Krenn und die Diözese St. Pölten begrüßten die Einsetzung des Apostolischen Visitators. Küng werde Diözese und Priesterseminar einer umfassenden, sorgfältigen und objektiven Prüfung unterziehen, hieß es auf Krenns Webseite. Damit sei in allen betreffenden Fragen eine Wende zum Guten eingeleitet.
Krenn selbst ist wegen des Skandals im Priesterseminar unter Druck geraten. Die Rufe nach seiner Ablösung rissen auch am Dienstag nicht ab. Krenn und alle anderen Personen seines Dunstkreises, die für die Mißstände im Priesterseminar St. Pölten zuständig sind, müßten sofort ihrer Ämter enthoben werden, forderte die Laien-Organisation Wir sind Kirche. Der Verein Aktiva Austria, der sich um sexuell mißhandelte Kinder kümmert, kritisierte, es sei unerträglich, wie Bischof Krenn mit den aktuellen Vorwürfen umgeht. Krenn sorgte unter anderem für Empörung, weil er im Zusammenhang mit dem Skandal von Buben-Dummheiten sprach.
Text: AP
Bildmaterial: AP