18. August 2007 Nach mehr als vierstündigem Nervenkrieg ist eine Flugzeugentführung in der Türkei ohne Blutvergießen zu Ende gegangen. Die beiden Luftpiraten ergaben sich auf dem Flughafen von Antalya den Behörden, nachdem alle 142 Insassen freigekommen waren.
Die Männer hatten die Maschine der türkischen Fluggesellschaft Atlas-Jet am Samstagmorgen auf dem Weg von Nordzypern nach Istanbul in ihre Gewalt gebracht und verlangten, in den Iran geflogen zu werden. Ihre vermeintlichen Bomben stellten sich später als Attrappen heraus.
Piloten flüchteten durchs Fenster
Die Landung im Badeort Antalya sollte dem Auftanken dienen. Die Piloten verließen die Maschine jedoch heimlich durch das Cockpit-Fenster, nachdem sie die Klimaanlage abgestellt hatten. Dadurch wurde die Luft im Passagierraum so schlecht, dass einige Menschen in Ohnmacht fielen. Die Entführer gestatteten daraufhin die Öffnung einer vorderen Tür und erlaubten Frauen und Kindern, das Flugzeug zu verlassen. Diesen Moment nutzten zahlreiche Fluggäste, um durch den hinteren Notausgang zu fliehen.
Zuletzt befanden sich aber immer noch einige Passagiere und Besatzungsmitglieder in der Gewalt der Luftpiraten, bis diese schließlich aufgaben. Das Abenteuer, dass heute früh begonnen hat, hat ein gutes Ende gefunden, erklärte der Vorstandschef von Atlas-Jet, Tuncay Doganer.
Motive der Hijacker unklar
Das türkische Verkehrsministerium teilte später mit, einer der Entführer sei Türke, der andere vermutlich ein Palästinenser mit syrischem Pass. Sie hätten sich beim türkischen Volk für die Kaperung des Flugzeugs entschuldigt.
Zunächst hatte es in Medienberichten geheißen, bei den Männern handele es sich um Iraner, die gegen Amerika protestieren wollten. Während eines ersten Verhörs erklärten die beiden Luftpiraten, sie hätten versucht, das Cockpit zu stürmen, wie der Gouverneur von Antalya, Alaaddin Yüksel, mitteilte. Den Passagieren hätten sie gesagt, dass sie zum Terrornetzwerk Al Kaida gehörten und Plastiksprengstoff bei sich hätten. Später stellte sich jedoch heraus, dass es sich dabei um Spielzeugknete handelte, wie der Fernsehsender CNN-Türk unter Berufung auf die Polizei berichtete.
Versprochen, dass niemand zu Schaden kommt
Die genauen Motive der Hijacker waren zunächst unklar. Fluggäste erklärten, die Männer hätten miteinander Arabisch gesprochen und sich als gläubige Muslime bezeichnet. Sie hätten den Flugbegleitern erlaubt, den Passagieren Wasser zu reichen, und versprochen, dass niemand zu Schaden kommen werde.
Die Republik Zypern im Süden der geteilten Mittelmeerinsel übte scharfe Kritik an den Sicherheitsvorkehrungen im türkischen Nordteil. In Ercan, dem Startflughafen der gekaperten Maschine, würden internationale Sicherheitsstandards und Vorschriften der Luftfahrtbehörden permanent ignoriert, erklärte das Außenministerium in Nikosia. Nordzypern, das nur von der Türkei anerkannt wird, wies diese Vorwürfe zurück.
Text: FAZ.NET mit AP
Bildmaterial: AP, dpa, REUTERS