Mafia-Fehde erreicht Deutschland

Morde in San Luca, Rache in Duisburg

16. August 2007 Wohl im Kugelhagel der Mafia sind mitten in Duisburg sechs Italiener auf offener Straße erschossen worden. Italiens Innenminister Giuliano Amato sprach von einem Massaker. Sehr wahrscheinlich handele es sich um einen Racheakt für einen Mord im italienischen San Luca, sagte er in Rom. Unter den Duisburger Toten sei ein Verantwortlicher für das Verbrechen in Italien, das Teil einer Auseinandersetzung rivalisierender Clans aus Kalabrien gewesen sei.

Die Schüsse fielen nach einer Geburtstagsfeier für einen 18 Jahre alten Auszubildenden im Restaurant „Da Bruno“. Wie er standen nach Angaben der Polizei auch die anderen toten Männer zwischen 16 und 38 Jahren in Verbindung zu dem Lokal, vor dem sich der Mord ereignete. Die italienische Polizei erklärte, alle Toten stammten aus Kalabrien. Sie seien Mitglied des Clans Pelle-Romeo, der in San Luca mit der Mafia-Zelle des Clans Strangio-Nirta seit längerem verbissen um Einfluss kämpfe. Vier der Toten wohnten der deutschen Polizei zufolge im Ruhrgebiet, zwei weitere seien erst kürzlich aus Italien gekommen. Einige seien miteinander verwandt (Siehe auch: Video: Schießerei hatte Mafia-Hintergrund).

Wahllos in die Fahrzeuge gefeuert

Der oder die Täter hätten offenbar wahllos in zwei Autos mit den Opfern hineingeschossen, sagte der Chef der Duisburger Mordkommission, Heinz Sprenger. Es habe sehr viele Schussverletzungen gegeben. Die Untersuchung der Leichen werde noch Tage dauern. Alle Toten hätten Schussverletzungen im Kopf. Fünf der Männer waren den Angaben zufolge beim Eintreffen der Polizei schon tot, das sechste Opfer erlag wenig später seinen Verletzungen. Die Ermordeten saßen in einem gemieteten VW-Golf und in einem Opel-Lieferwagen des Restaurants.

Zum Tatzeitpunkt um kurz nach 2 Uhr nachts habe auf der Mülheimer Straße in der Nähe des Duisburger Hauptbahnhofs reger Verkehr geherrscht, sagte Sprenger. Die Polizei suche nun nach Hinweisen auf zwei Verdächtige, die nach der Tat schnell in Nebenstraßen gelaufen seien.

Erstmals Clan-Krieg außerhalb Italiens

Der nun in Duisburg erschossene Hintermann des Mordes in San Luca habe sich offenbar bedroht gefühlt und versucht, sich Waffen zu beschaffen, sagte Italiens Innenminister Amato. „Sehr wahrscheinlich wurde er von denen erwischt, die Rache nehmen wollten, bevor ihn die Polizei fand“, sagte er. Dass die Clans sich nun auch außerhalb Italiens bekriegten, gebe Anlass zu großer Sorge, sagte Amato. „Das hat es noch nicht gegeben.“ Italienische Ermittler würden nach Deutschland geschickt, um der deutschen Polizei zu helfen.

In Kalabrien bekämpfen sich seit Jahren zwei Mafia-Familienclans der 'Ndrangheta. Der Konflikt spitzte sich in jüngster Zeit zu. Seit 1991 wurden schon 15 Menschen zum Opfer der blutigen Auseinandersetzung. Italienischen Polizeikreisen zufolge sind diese Gruppen mittlerweile mächtiger als die sizilianische Cosa Nostra. Sie seien auch in Deutschland stark vertreten. Außerhalb Italiens operierten die Clans aber lieber im Verborgenen, um möglichst wenig Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Bringt Video einer Überwachungskamera Aufschluss?

Aufschlüsse über den Tathergang erhofft sich die Polizei durch die Auswertung von Video-Filmen, die an einem in der Nähe des Tatorts gelegenen Bürogebäude installierte Kameras aufgezeichnet haben. An den Ermittlungen in Duisburg beteiligten sich auch das Bundeskriminalamt und Experten des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen, sagte Landesinnenminister Ingo Wolf.

Die hohe Zahl der Opfer weckt Erinnerungen an den siebenfachen Mord von Sittensen. Im vergangenen Februar waren bei einem Raubüberfall in einem China-Restaurant in der niedersächsischen Stadt das Betreiber-Ehepaar und fünf Angestellte erschossen worden. Auch bei dieser Tat bestand der Verdacht eines Mafia-Mordes der chinesischen Triaden, der sich letztlich aber nicht bestätigte. (siehe: Polizei: Siebenfacher Mord in Sittensen aufgeklärt).



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, ddp, dpa, F.A.Z., REUTERS

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