Ermittlungen in Bayern

Alles alter Käse

Abgesperrt: Eine Molkerei in Woringen wird untersucht

Abgesperrt: Eine Molkerei in Woringen wird untersucht

05. Juli 2008 Der sogenannte Gammelkäse-Skandal scheint nun doch keiner zu sein, so jedenfalls klingt die aktualisierte Fassung, die italienische Behörden nun verbreiten lassen. Alles sei schon zwei Jahre her und somit herrsche für den Verbraucher keine aktuelle Gefahr. Dieser Hinweis gehe aus Informationen hervor, die inzwischen in Deutschland über das europäische Schnellwarnsystem eingegangen sind.

In Bayern war am Freitag ein Betrieb untersucht worden - und es ist zunächst weiter unklar, ob die Firma in Verbindung mit dem „Skandal“ steht. Die in dem Betrieb in Woringen (Allgäu) entnommenen Proben wurden in der Nacht zum Samstag in ein Labor gebracht, wie ein Polizeisprecher in Kempten mitteilte. Das Ergebnis der Untersuchungen werde Mitte nächster Woche erwartet. Der Betrieb, in dem unter anderem Schmelzkäse produziert wird, war am Freitag aufgrund von Berichten über verdorbenen Käse durchsucht worden. „Der erste optische Eindruck war nicht negativ“, sagte der Polizeisprecher. Die Behörden könnten die Vorwürfe gegen die Firma „momentan weder bestätigen noch dementieren“.
Langwierige Ermittlungen

Die italienische Zeitung „La Repubblica“ hatte am Freitag berichtet, dass in Europa 11.000 Tonnen Gammelkäse mit frischen Produkten vermengt und in den Handel gebracht worden seien. Dies hätten Ermittlungen ergeben, die von der italienischen Polizei 2006 aufgenommen worden seien. Das Bundesverbraucherministerium in Berlin bestätigte am Samstag auf Anfrage, dass das Verfahren in dem Lebensmittelskandal nach Auskunft italienischer Stellen bereits zwei Jahre alt ist.

Laut „Repubblica“ spielten in dem Skandal vier Firmen eine Schlüsselrolle, drei davon mit Standort in Italien, eine mit Standort im bayerischen Woringen. An diese Firmen hätten rund 40 Molkereien aus Italien, Deutschland, Österreich und Großbritannien verdorbene Produkte geliefert. Dieser Käse, der teils Würmer, Mäusekot oder Rückstände wie Plastik oder Farbe von Etiketten enthalten habe, sei vor allem zu Mozzarella, Gorgonzola oder Schmelzkäse verarbeitet und verkauft worden.

Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe

Das Geschäft mit dem verdorbenen Käse lief dem Bericht der „Repubblica“ zufolge über vier Firmen eines Sizilianers, drei davon mit Standort in Italien, eine mit Standort in Deutschland. Sie machten demnach Umsätze in zweistelliger Millionenhöhe. An diese Firmen lieferten rund 40 Molkereien in Italien, Deutschland, Österreich und Großbritannien ihre verdorbenen Produkte. Einige von ihnen hätten die zu Frischware umgewandelten Waren auch wieder zurück- und dann weiterverkauft.

Der Konzern Galbani, dessen Name in ersten Meldungen mit den Panschereien in Verbindung gebracht worden war, teilte in Mailand mit, von dem Skandal um Ekel-Käse „in keiner Weise“ betroffen zu sein. Die Produkte von Galbani enthielten „keinerlei Inhaltsstoffe der beschuldigten Firma“. Galbani verwies auf strenge Kontrollen zu jedem einzelnen Produktionsschritt: von der Beschaffung der Milch bis hin zum Vertrieb der Endprodukte, damit die umfassende Rückverfolgbarkeit der Produkte und die Einhaltung der sehr strengen Qualitätsstandards gewährleistet werde.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa

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