Bombenkoffer

Bisher kein Hinweis auf Terrorismus

Waren es Täter mit kriminellen Motiven?

Waren es Täter mit kriminellen Motiven?

02. August 2006 Die beiden Bombenkoffer in Dortmund und Koblenz sind nach Ansicht des Terrorismusforschers Kai Hirschmann nicht von professionellen Terroristen deponiert worden. „Die Vorgehensweise und die Machart der Bomben deuten auf einen semiprofessionellen Hintergrund hin“, sagte der Terrorismusexperte vom Institut für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik (IFTUS) am Mittwoch. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Bombenfunden sei aber dennoch sehr wahrscheinlich. Die Deutsche Bahn rief ihre Mitarbeiter nochmals zu erhöhter Aufmerksamkeit auf.

Wie die Bundesanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, waren sowohl der Inhalt der beiden Koffer als auch die Gepäckstücke selbst vergleichbar. „Von außen besehen, sind die Koffer ähnlich“, sagte Behördensprecher Ullrich Schultheis. Zudem sei der am Koblenzer Bahnhof abgegebene Koffer - ebenso wie im Dortmunder Fall - in einem Regionalzug gefunden worden. Genauere Erkenntnisse über Herkunft und Bauart der Funde erhoffen sich die Ermittler von der kriminaltechnischen Untersuchung. „Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren“, sagte Schultheis.

Parallele Ereignisse nähren Terrorverdacht

Bombenfund: Gesperrter Dortmunder Bahnhof

Bombenfund: Gesperrter Dortmunder Bahnhof

Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen unbekannt wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Es ist jedoch weiter unklar, ob es sich bei den Vorfällen um einen geplanten Terroranschlag oder um eine geplante Erpressung der Bahn handeln könnte. Schultheis machte deutlich, daß der Anfangsverdacht auf einen terroristischen Hintergrund der Vorfälle nach wie vor allein auf der auffälligen „Parallelität“ der beiden Funde beruhe. Weitere Erkenntnisse in diese Richtung gebe es bisher nicht.

Terrorismusforscher Hirschamm wertet die Tatsache, daß kein professioneller Sprengstoff verwendet wurde und daß die Koffer nicht versteckt waren als Hinweise auf einen Hobbybastler. Auch sei wohl nicht versucht worden, die Bomben tatsächlich zu zünden. „Herrenlose Koffer von der Größe fallen auf und werden schnell entdeckt“, so Hirschmann. Das deute daraufhin, daß weniger ein Zerstörungs- als vielmehr ein Schockeffekt beabsichtigt gewesen sei.

Terrorexperte: Eher Werk eines Einzeltäters

Politische Terrororganisationen zeichneten sich durch gezieltere Vorgehensweisen und professionellere Sprengsätze aus. So würden kleinere Sprengsätze eingesetzt und möglichst vor ihrer Entdeckung gezündet. Er gehe davon aus, daß es sich eher um einen verwirrten Einzeltäter handele. Erpressung, Rache an der Bahn oder Streben nach Aufmerksamkeit, nannte Hirschmann als mögliche Motive. Doch: „Das ist bisher aber noch alles Spekulation, da es noch keine Bekennung gibt.“

Der Bundesanwaltschaft zufolge enthielten beide Koffer je eine Propan-Gasflasche, mehrere mit Benzin gefüllte Flaschen, Zündvorrichtungen und Batterien. Beide Sprengsätze waren am Montag aufgetaucht. Ein Koffer wurde in einem Regionalzug zwischen Aachen und Hamm gefunden. Das zweite, erst am Dienstag im Koblenzer Bahnhof geöffnete Gepäckstück hatten Unbekannte im Regionalexpreß zwischen Mönchengladbach und Koblenz abgestellt.

Die Deutsche Bahn rief unterdessen ihre Mitarbeiter noch einmal zu erhöhter Aufmerksamkeit auf. Ein Bahnsprecher erinnerte daran, daß nach dem versuchten Anschlag im Dresdner Hauptbahnhof 2003 eine Vielzahl von unbeaufsichtigten Koffern gemeldet wurde. Als Folge mußten mehrmals Bahnhöfe gesperrt werden.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa, AP
Bildmaterial: ddp, dpa

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