16. März 2004 Im dänischen Freistaat Christiania, wie die Bewohner der Hippie-Kommune ihr Areal nennen, wurden bei einer Drogenrazzia 48 Personen festgenommen. Obwohl die ansonsten sehr toleranten und liberalen Dänen eines der letzten Überbleibsel aus der Hippie-Zeit, die Kommune Christiania in Kopenhagen, bisher sehr nachsichtig behandelten, waren in letzter Zeit Pläne über die Auflösung der anarchistischen Gegend laut geworden.
Zwar wurde aus dem Vorhaben Christiania zu einem normalen Stadtteil umzufunktionieren dann doch nichts, aber immerhin wurde bewirkt, daß Haschischverkäufer ihre Verkaufshütten abbauten. Die Forderungen der Regierung, daß Bewohner Pachten für die bewohnten Grundstücke bezahlen und ihre Häuser gemäß der Bauordnung instandsetzten müßten, waren die Voraussetzung für den Erhalt des Hippie-Eldorado.
Rauschendes Zusammenleben
Doch anscheinend hinderten die geänderten Pläne die Regierung nicht daran, eine Drogenrazzia in der Kommune durchzuführen. Im Vordergrund stand dabei eine Eindämmung des offenen Verkaufs von Haschisch, wie ein Polizeisprecher sagte. Obwohl der Handel mit den weichen Drogen in Dänemark verboten ist, wurde der fröhlich-freizügige Umgang und Verkauf des Rauschmittels in Christiania weitgehend toleriert.
Die Überprüfung der Zustände, die Teil eines seit Monaten durchgeführten Programmes ist, fand um fünf Uhr morgens statt und schloß die alternativen Wohnviertel sowie Privatwohnungen in Kopenhagen mit ein. Das Hauptinteresse der Razzia, so Flemming Munch von der Kopenhagener Polizei, sei es gewesen, den offenen Haschisch-Verkauf zu stoppen und einschlägig bekannte Haschisch-Dealer dingfest zu machen.
Die Groß-Razzia, die Ergebnis von neunmonatiger Arbeit war, wird den offen propagierten Handel mit Haschisch auf dem Alternativ-Gelände eindämmen. Zwar gehören zu den Lebensmaximen der circa 1.000 Christianitter auch der Verzicht auf Autos und Staatsgewalt, aber die Sicherstellung von 865 Tonnen Haschisch im vergangenen Jahr läßt vermuten, daß sich das Zusammenleben von Überlebenden der Hippie-Ära, Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern um einiges einfacher gestalten läßt mit der einen oder anderen bewußtseinserweiternden Droge.
Text: @chla mit Material von AP, dpa
Bildmaterial: AP