Aus der Untersuchungshaft entlassen

Marco W. nach Deutschland zurückgekehrt

15. Dezember 2007 Marco W. ist nach acht Monaten türkischer Haft wieder in Deutschland. Ein Privatjet brachte den 17 Jahre alten Schüler in der Nacht zum Samstag von Antalya nach Nürnberg. Dort wurde er von der Öffentlichkeit abgeschirmt an einen unbekannten Ort gefahren.

Auf der Besucherplattform des Flughafens beobachteten Journalisten, wie die Maschine um 1.27 Uhr landete. An Bord des zweistrahligen Flugzeugs befanden sich nach Angaben von Flughafensprecher Reto Manitz acht Personen. Nach der Passkontrolle bestieg Marco W. eine schwarze Limousine, die den Flughafen durch ein entlegenes Tor verließ und an einen unbekannten Ort fuhr.

Marco sehnt sich nach Ruhe

Marco W. soll nach Angaben des Familienanwalts Matthias Waldraff zunächst von der Öffentlichkeit abgeschirmt werden und auch nicht sofort nach Uelzen zurückkehren. „Marco und seine Familie werden bis auf Weiteres der Öffentlichkeit nicht zur Verfügung stehen“, sagte Waldraff. Der Anwalt Michael Nagel sagte am Freitagabend in Antalya, der Schüler sehne sich jetzt vor allem nach Ruhe. Er habe den Wunsch geäußert, sich eine Woche ins Bett zu legen und sich von seiner Mutter pflegen zu lassen.

Der Jugendliche aus Uelzen wurde am Freitag aus der Haft entlassen, nachdem das Gericht in Antalya den Prozess auf den 1. April nächsten Jahres vertagt hatte. Wegen der langen Dauer ordnete der Richter eine Haftverschonung an. Marcos Anwälte hatten sich mit Hinweis auf die Strapazen der Haft dafür eingesetzt, dass der Jugendliche Weihnachten mit seiner Familie in Uelzen feiern kann.

„Das war überfällig und höchste Zeit

Dem Schüler wird vorgeworfen, sich während eines Osterurlaubs in der Türkei an einem 13-jährigen Mädchen aus England vergangen zu haben. Der Anwalt des Mädchens, Ömer Aycan, kündigte an, er werde am Montag Beschwerde gegen Marcos Freilassung einlegen. „Unserer Meinung nach sollte er während der Dauer des Prozesses in Haft bleiben“, sagte er. Dies erfordere die Beweislage. Aycan dringt auf eine Verurteilung wegen Vergewaltigung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich erleichtert über die Freilassung. Sie freue sich, „dass Marco erst einmal frei ist, dass er nach Hause kann“. Auch die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth begrüßte die Freilassung des 17-jährigen. Zugleich kritisierte sie in der „Passauer Neuen Presse“ die türkische Justiz: „Das war überfällig und höchste Zeit.“ Der stellvertretende Unionsfraktionschef Wolfgang Bosbach sagte der Zeitung zufolge: „Acht Monate Untersuchungshaft waren nach rechtsstaatlichen Prinzipien nicht zu rechtfertigen.“

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff reagierte erleichtert auf die Freilassung Marcos. Die nächsten Monate müssten genutzt werden, um zu entscheiden, ob der Prozess in Deutschland fortgeführt werden könne, sagte der CDU- Politiker. Das deutsche Strafrecht gilt unabhängig vom Recht des Tatorts auch für eine ganze Reihe von Taten, die im Ausland begangen werden. Darunter fallen auch Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Die Staatsanwaltschaft Lüneburg ermittelt ohnehin gegen Marco. „Wir haben sämtliche Unterlagen der türkischen Justiz angefordert. Noch ist aber nicht alles angekommen und übersetzt“, sagte Behördensprecher Manfred Warnecke. Anschließend werde der Fall geprüft. Jetzt müssten der Schüler und seine Familie aber erstmal zur Ruhe kommen.



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, ddp, dpa

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