Mordfall Wachtel

Sechs Jahre Haft für 19-Jährigen

Verurteilt - der jugendliche Täter

Verurteilt - der jugendliche Täter

30. April 2001 Die Nachricht von dem besonders grausamen Mord erschütterte im März 1998 die Nation. Durch eine Reihe von Sexualmorden an jungen Mädchen ohnehin sensibilisiert, reagierte die Öffentlichkeit mit Entsetzen: die Leiche eines 13-jährigen Jungen fand sich in einem Kiesbett im niedersächsischen Peine-Stederdorf - zerstückelt in sechs Teile.

Bis heute ist kaum zu verstehen, wie Streitereien unter Jugendlichen derart grausam enden konnten. Traurige zusätzliche Berühmtheit erlangte der Fall, weil Unbekannte das Grab des jungen Opfers Markus Wachtel schändeten, und den Kopf der Leiche entwendeten. Die Grabschänder sind bis heute nicht bekannt. Einen Zusammenhang mit dem Mord gibt es nach derzeitigen Erkenntnissen der Polizei aber wohl nicht.

Kein Zweifel an Täterschaft

Diesen hat nach Auffassung des Hildesheimer Landgerichts jener 19-jährige Tatverdächtige begangen, der am Montag zu sechs Jahren Jugendhaft verurteilt wurde. „Der Angeklagte nahm das Urteil ernst und mit leichtem Kopfschütteln hin“, berichtete Gerichtssprecher Michael Meyer-Lamp über die Reaktion des zur Tatzeit 16-jährigen Verurteilten. Dieser hat die Tat stets bestritten, außerdem gibt es keine direkten Zeugen, weshalb die Verteidigung für Freispruch aus Mangel an Beweisen plädierte und nach der Urteilsverkündung Revision ankündigte. Das Gericht sah jedoch „keine vernünftigen Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten“, wie der Sprecher betonte.

„Wollte nicht, dass er tot ist“

Ihre Sicherheit zogen die Richter vor allem aus drei Indizien: die außergewöhnliche Gewaltbereitschaft des Jungen, die räumliche Nähe sowie zwei der Tat vorangegangene Treffen. Außerdem habe sich der Junge in Gesprächen mehrfach selbst belastet. „Es tut mir leid, ich wollte nicht, dass er Tod ist“, soll er gesagt haben. Vollkommen unklar ist allerdings, wer die Leiche etwa zwei Stunden nach der Tat zerstückelt hat, und wo dies geschehen ist. Auch gibt es bisher keinerlei Hinweise darauf, dass der 19-Jährige daran beteiligt war.

Eltern blieben Prozess fern

Mit dem Urteil folgte die Kammer vielmehr der Forderung der Staatsanwaltschaft. Der 19-jährige wurde der Körperverletzung mit Todesfolge schuldig gesprochen. Während des fast ein Jahr andauernden Prozesses wurden 64 Zeugen befragt - zum Teil mehrfach. Sechs Sachverständige erstellten insgesamt 19 Gutachten. Die Eltern des Opfers blieben dem Prozess fern - mit Ausnahme des Termins, an dem sie selbst ihre Aussagen machten.

Speicheltest ergebnislos

Den Täter hatten die Ermittler erst eineinhalb Jahre nach dem Mord festnehmen können. Zuvor hatte auch ein Speicheltest bei mehr als 2000 Männern aus dem Peiner Stadtteil Stederdorf nicht zu Michael Wachtels Mörder geführt.

Text: @dho, mit Material von dpa und Reuters
Bildmaterial: dpa

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