30. April 2008 Die österreichische Polizei geht davon aus, dass der Inzest-Täter Josef F. einen Mitwisser in seiner unmittelbaren Umgebung gehabt haben muss. Der Leiter des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Franz Polzer, sagte: Irgendjemand aus dem (familiären) Umfeld musste das wissen. Diese Person habe die Polizei vermutlich in der vergangenen Woche vertraulich darüber informiert, dass F. zusammen mit seiner Tochter Elisabeth und deren zwei Söhnen die todkranke Tochter in der Klinik von Amstetten besuchen würde. Dort wartete nach dem anonymen Hinweis jedoch schon die Polizei.
Wie Polzer im ORF-Fernsehen am Dienstagabend erläuterte, gibt es Hinweise, dass der 73-Jährige die Gefangenschaft seiner Tochter schon vor Monaten beenden wollte. F. habe seiner Tochter offenbar zur Jahreswende 2007/08 einen Brief an seine eigene Familie diktiert, in dem er sie ankündigen ließ, sie wolle in diesem Sommer mit ihren Kindern nach Amstetten zurückkehren.
Er ließ sie einen Brief schreiben
Unterdessen wurde bekannt, dass der Keller des Hauses, in dem Josef F. seine Tochter eingesperrt hatte, 1999 feuerpolizeilich kontrolliert worden ist, ohne dass die Prüfer das Verlies entdeckten. Nach Angaben der Gemeinde vom Mittwoch sei bei der Überprüfung nur ein Kessel in einem eigenen abgeschlossenen Heizraum kontrolliert worden. Die massive Tür aus Stahlbeton, die dazu elektronisch gesichert war, befinde sich aber in einem anderen Raum, sagte Amstettens Bürgermeister Hermann Gruber.
F., der ein umfassendes Geständnis abgelegt hat, werde in dieser Woche nicht mehr verhört, teilte die Staatsanwaltschaft St. Pölten am Mittwoch mit. Nach Angaben der Nachrichtenagentur APA sei eine Befragung des 73-Jährigen erst wieder in der kommenden Woche geplant. Sein Verteidiger hatte am Mittwoch erklärt, er habe seinem in Untersuchungshaft sitzendem Mandanten geraten, vorläufig keine Aussage mehr zu machen. F. wird beschuldigt, seine heute 42 Jahre alte Tochter Elisabeth 24 Jahre lang in ein Kellerverlies eingesperrt und sexuell missbraucht zu haben.
Lichtermeer in Amstetten
In Amstetten haben am Dienstagabend mehrere hundert Menschen mit einem Lichtermeer ihre Solidarität mit den Opfern der Verbrechen ausgedrückt. Der 73-jährige Josef F. hat im Polizeiverhör gestanden, dass er die eigene Tochter als Gefangene in seinen Keller sperrte und mit ihr sieben Kinder zeugte. Drei der Kinder im Alter von 19, 18 und fünf Jahren zwang der Rentner, mit der heute 42-jährigen Elisabeth in den fensterlosen Zellen zu leben, die er unter seinem Haus eingerichtet hatte. Diese Kinder hatten bis vor wenigen Tagen den Keller nicht verlassen dürfen oder jemals Tageslicht gesehen. Die Mutter war 24 Jahre eingekerkert.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AP, dpa