Kriminalstatistik 2006

„Die Kriminalität ist jung und männlich“

08. Mai 2007 Die polizeilich registrierte Kriminalität in Deutschland ist im vergangenen Jahr abermals zurückgegangen. Dies teilte Bundesinnenminister Schäuble (CDU) bei der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik 2006 mit. Verzeichnet wurden mehr als 6,3 Millionen Delikte, rund 1,4 Prozent weniger als 2005. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote im Vergleich zu 2005 um 0,4 Prozent auf 55,4 Prozent leicht an. Unter Berücksichtigung der allgemein bekannten globalen Rahmenbedingungen, die ständig höhere Anforderungen an eine effektive Verbrechensbekämpfung stellten, seien dies „wieder einmal beachtliche Erfolge,“ sagte Schäuble. Als „erfreulich“ bezeichnete er einen Rückgang bei den nicht-deutschen Tatverdächtigen um mehr als drei Prozent auf rund 503.000.

Getrübt wurde die Bilanz durch den Anstieg von Internetverbrechen und die sich weiter verschärfende Gewaltkriminalität auch bei 14- bis unter 21-Jährigen. „Die Kriminalität ist jung und männlich“, sagte der Vorsitzende der Konferenz der Innenminister, Berlins Innensenator Erhart Körting (SPD).

Erhöhte Bereitschaft junger Gewaltopfer

Die Ursachen der Entwicklung soll eine Studie zur Jugendgewalt in Deutschland klären

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Der Leiter des kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer, erklärt den Anstieg der polizeilich erfassten Gewaltdelikte Jugendlicher zum einen durch die erhöhte Bereitschaft junger Gewaltopfer, die Täter anzuzeigen, zum anderen aber sei eine tatsächliche Erhöhung der Gewaltbereitschaft von Jugendlichen erkennbar. Dafür verantwortlich sei unter anderem deren hohen Mediengenuss. Vor allem männliche und sozial schwache Jugendliche litten durch brutale Videospiele und Filme an Empathieverlust. „Jugendliche aus sozialen Randlagen, oft mit Migrationshintergrund und schlecht ins Bildungssystem integriert, haben den fast dreifachen Medienkonsum eines jungen Menschen aus der gesicherten Mittelschicht.“

Mit der Kriminalstatistik wurde auch die Liste der gefährlichsten deutschen Großstädte veröffentlicht. Frankfurt am Main führt nach wie vor die Liste an, während Berlin nur noch die fünftgefährlichste Stadt Deutschlands ist. Im Jahr zuvor lag die Hauptstadt hinter Frankfurt und Hannover noch auf Platz drei. Mit 14.632 registrierten Straftaten je 100.000 Einwohner wurde Berlin jetzt von Düsseldorf und Bremen überholt.

Als unzulänglich kritisierte der Bund Deutscher Kriminalbeamter die Aussagefähigkeit der Kriminalstatistik (BdK). Seit Jahren werde darin der Anstieg der Gewaltkriminalität festgestellt, ohne dass Maßnahmen ergriffen würden, sagte der BdK-Vorsitzende Jansen. Zur Verbesserung der Aussagekraft müsse etwa die ausländische Herkunft deutscher Tatverdächtiger berücksichtigt werden.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AP, dpa

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