14. Mai 2007 Die Eltern der in Portugal entführten Madeleine wollen so lange nicht nach England zurückkehren, bis ihre Tochter gefunden wurde. Ich könnte nicht einmal in Erwägung ziehen, nach Hause zu fahren, sagte die Mutter Kate McCann am Montag vor Reportern. Die Eltern wollen zudem einen öffentlichen Fonds auflegen, in den Spenden für die Suche nach ihrer vierjährigen Tochter fließen sollen. Rechtsanwälte arbeiten derzeit die Details aus.
Vater Gerry McCann betonte, sie glaubten, dass Madeleine noch am Leben sei. Bis es keinen Beweis für das Gegenteil gibt, glauben wir, dass Madeleine sicher ist, und dass sich jemand um sie kümmert. Das Kind war am 3. Mai in einer Ferienanlage an der portugiesischen Algarve-Küste entführt worden. Seitdem fehlt jede Spur von dem Mädchen.
Mehrere Hypothesen, aber keine heiße Spur
Wie der britische Rundfunksender BBC berichtete, wurden zehn Briten abermals zu dem Fall verhört, darunter auch die Eltern und deren Freunde. Einige Zeugen sollen im Laufe dieser Woche nochmals aussagen. Ihre Angaben sollen für mögliche künftige Prozesse auf Video aufgenommen werden. Am Sonntag hatte die portugiesische Polizei bekannt gegeben, es gebe bisher keine konkreten Verdächtigen. Es würden drei Hypothesen verfolgt, aber keine sei konkret. Die Spekulationen reichen von Tätern aus dem Freundeskreis der Familie bis zu einem internationalen Menschenhändler- oder Pädophilenring.
Aus Polizeikreisen verlautete, dass sich die Suche auf weiße Lieferwagen konzentriere. Es gab Berichte, dass ein Mann mit einem solchen Fahrzeug am Tag der Entführung vor dem Ferienappartement der McCanns gesehen worden sei.
Unterstützung aus der ganzen Welt
Das Schicksal der kleinen Madeleine aus dem mittelenglischen Rothley hat in der Heimat der Familie eine Welle der Anteilnahme ausgelöst. Es sind herzzerreißende Bilder, die Tag für Tag im Fernsehen laufen. Ein kleines, blondes Mädchen lacht mit Kulleraugen in die Kamera. Der englische Fußballstar David Beckham bat im Fernsehen um Hinweise, bitte, bitte helfen Sie uns. Auch der portugiesische Fußballer Cristiano Ronaldo, der für Manchester United spielt, wandte sich an die Öffentlichkeit. Hunderte Motorradfahrer versammelten sich mit Maddy-Postern in Portugal, um sich auf die Suche nach dem Mädchen zu machen.
In Rothley, dem Heimatort der McCanns, liegen Blumen, Postkarten und Stofftiere. Pinke Luftballons mit Botschaften steigen in den Himmel, gelbe Bänder sollen Optimismus vermitteln. Niemand will die Hoffnung aufgeben: Wir hoffen, dass Madeleine zurückkommt, und dann wird es eine Party geben, sagt Madeleines Großonkel Brian Kennedy am Sonntag, dem Geburtstag des Kindes. Wir haben enorme Kräfte durch die Unterstützung aus der ganzen Welt bekommen, will Vater Gerry McCann noch nicht aufgeben. Geschäftsleute haben zudem vergangene Woche rund 3,7 Millionen Euro als Belohnung für Hinweise auf den Verbleib Madeleines ausgesetzt.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP, Reuters