Internet

Dialer-Betrug: Tausende sind betroffen

Dialer haben vielen Internet-Nutzern immense Rechnungen beschert

Dialer haben vielen Internet-Nutzern immense Rechnungen beschert

06. April 2005 Beim möglicherweise bisher größten Fall von Dialer-Betrug in Deutschland sind nach bisherigen Ermittlungen mindestens 50.000 Internet-Nutzer betroffen. Die Betroffenen mußten oft horrende Rechnungen zahlen, sagte Staatsanwalt Jürgen Lewandrowski am Mittwoch in Osnabrück und bestätigte damit entsprechende Zeitungsberichte. Die Opfer wurden mittels sogenannter Dialerprogramme beim Besuch von Internetseiten zu teuren Einwahlnummern umgeleitet. Der Gesamtschaden liegt bei 20 Millionen Euro.

Die Osnabrücker Staatsanwaltschaft hatte nach ersten Anzeigen das in ganz Deutschland angewandte Sammelverfahren übernommen, sagte Ankläger Jürgen Lewandrowski. Da allein für eine der 20 gebührenpflichtigen Nummern 850.000 Telefondaten gefunden wurden, sei wahrscheinlich sogar eine Zahl von mehr als 100.000 Geschädigten möglich.

Dialerschutzprogramme ausgeschaltet

„Erfahrungsgemäß erstatten Opfer meist erst bei einem höheren Betrag Anzeige.“ Bisher gingen erst rund 200 Anzeigen ein. „Der Schaden liegt im Schnitt bei 150 Euro, hat sich aber in Einzelfällen auch auf 1000 Euro summiert“, sagte Lewandrowski. Nach Angaben des Staatsanwalts boten die drei Hauptbeschuldigten pornografische Darstellungen im Internet an, die gegen eine erhöhte Telefongebühr über ein Dailer-Programm heruntergeladen werden konnten.

Zunächst ordnungsgemäß angezeigte Dialer-Programme hätten beim Herunterladen des ersten Bildes die Sicherheitseinstellungen des Computers so verändert, daß Dialerschutzprogramme ausgeschaltet worden und weitere Seiten mit hohen Gebühren nicht mehr erkennbar gewesen seien, erklärte Lewandrowski. Zugleich hätten die Programme eine kostenintensive Verbindung von 1,86 Euro pro Minute aufgebaut oder eine Art Grundgebühr von 45 Euro plus 95 Cent pro Minute kassiert.

Weitere Ermittlungen notwendig

Der mutmaßliche Haupttäter, ein 29 Jahre alter Deutscher, lebe mittlerweile in Lettland, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der Täter werde mit internationalem Haftbefehl gesucht, seine Auslieferung sei beantragt. Vor einer Anklageerhebung seien noch weitere umfangreiche Ermittlungen notwendig. Man habe erst vor kurzem aus Lettland einen Kleintransporter voller Computer als zusätzliches Beweismaterial erhalten.

Die Osnabrücker Polizei will am Donnerstag im Internet eine Liste mit den 20 betroffenen Dialernummern veröffentlichen (www.dialer-os.de.gg). „Ein Vergleich mit alten Telefonrechnungen kann sich lohnen. Viele wissen vermutlich noch nicht, daß sie Opfer geworden sind.“ Die Verdächtigen sollen von Anfang 2002 bis August 2003 aktiv gewesen sein.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa und AP
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb

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