10. Januar 2007 Das 14 Jahre alte Missbrauchsopfer Stephanie aus Dresden wird in der ersten Februarhälfte eine weitere Delphintherapie erhalten. Wie Thomas Kämmer, ein Mitarbeiter des Anwalts der Familie, laut Sächsischer Zeitung mitteilte, werden die Kosten mit Spendengeldern finanziert. Noch im Dezember hatten die Familie und ihre Rechtsbeistände den Freistaat Sachsen ultimativ aufgefordert, die Kosten für die in Fachkreisen für Trauma-Opfer umstrittene Maßnahme zu begleichen. Zur selben Zeit wie Stephanie wird nach Angaben der Nachrichtenagentur ddp auch der 13 Jahre alte Kevin aus Pömmelte in Sachsen-Anhalt an der Delphintherapie teilnehmen. Er war vor einem Jahr Opfer eines brutalen ausländerfeindlichen Überfalls geworden und wird ebenfalls von dem Juristen Kämmer betreut, der in diesem Fall allerdings nicht dem Hannoveraner Anwalt Ulrich von Jeinsen, sondern dem Berliner Anwalt Stephan Maigne zugearbeitet hat.
Unterdessen sind neue Details über das Abrechnungsverhalten der Psychologin Stephanies bekannt geworden. Demnach hat Angelika Schrodt aus Radolfzell im Rahmen einer an die renommierte Hilfsorganisation Power-Child e.V. in München gerichteten Forderung vom 11. November 2006 (Gesamtvolumen 17.100 Euro) auch die Vorbereitung und psychologische Begleitung der ,Kerner'-Sendung mit 7,5 Stunden zu je 180 Euro in Rechnung gestellt. Bei der Kerner-Sendung im September hatte Frau Schrodt Stephanie nach eigener Aussage zum ersten Mal persönlich getroffen - davor hatte sie mit dem Mädchen nur telefonischen Kontakt. Anders als in dieser Zeitung bislang berichtet, ergibt sich für die Begleitung des Kindes zur ZDF-Talkshow nicht ein Rechnungsbetrag von 5400 Euro, sondern von 1350 Euro.
Stundensatz selbst für Krisenintervention zu hoch
Über 5400 Euro zuzüglich 504,58 Euro Spesen lautet dagegen eine ebenfalls an die Hilfsorganisation Power-Child e.V. gestellte Rechnung vom 22. November 2006 für den Zeitraum 8. November bis 10. November für psychologische Betreuung und Krisenintervention - Stephanie und Familie. Abgerechnet wurden hier drei Manntage a 1800 Euro. Allerdings kam Frau Schrodt laut Beleg am 8. November erst um 11.50 Uhr aus Friedrichshafen auf dem Dresdner Flughafen an. Am 10. November verließ ihre Maschine laut Beleg um 12.20 Uhr die sächsische Landeshauptstadt Richtung Bodensee. Auch der Stundensatz von 180 Euro gilt renommierten Psychologen und Psychotherapeuten selbst für eine Krisenintervention als stark überhöht. Das ist außerhalb jeder Gebührenordnung, sagt Joest Martinius, ehemaliger Ordinarius für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie an der Universität München.
Anders als die Begleitung des Kindes zu einem Fernsehauftritt hätte die Leistung zwischen dem 8. und dem 10. November auch über einen Kostenträger (Krankenkasse oder Unfallkasse) abgerechnet werden können - freilich in weit geringerer Höhe. Power-Child hat in dem Fall Stephanie bereits großzügig geholfen - wie auch bei der jetzt anstehende Delphintherapie. Der Organisation kann aber nicht zugemutet werden, fragwürdige Rechnungen zu begleichen, bei denen der Verdacht besteht, dass zumindest Teile der aufgeführten Leistungen nicht so oder gar nicht erbracht wurden, sagt Martinius, der für Power-Child als Berater tätig ist.
Text: F.A.Z., 11. Januar 2006
Bildmaterial: picture-alliance / dpa/dpaweb