Von Rüdiger Soldt, Ludwigshafen
04. März 2008 Der Wohnungsbrand in Ludwigshafen hat aller Wahrscheinlichkeit nach keinen fremdenfeindlichen Hintergrund. Brandbeschleuniger oder pyrotechnische Rückstände konnten am Brandort nicht nachgewiesen werden. Das ist das Ergebnis eines mündlichen Zwischenberichts, den die Staatsanwaltschaft Frankenthal am Dienstag unter Beteiligung eines Vertreters des türkischen Innenministeriums in Ludwigshafen vorlegte.
Der Staatsanwalt sagte, es gebe keinerlei Anhaltspunkt für eine fremdenfeindliche Attacke und keinerlei Anhaltspunkt für eine Brandlegung. Ein Anschlag sei allerdings nicht mit hundertprozentiger Sicherheit auszuschließen, wahrscheinlich sei das Feuer durch ein wie auch immer geartetes fahrlässiges Verhalten entstanden. Wir haben keine schlüssige Brandursache in Form einer Punktlandung, sagte der Staatsanwalt. Nur ein technischer Defekt könne vollkommen ausgeschlossen werden. Eine brandauslösende Wärmequelle hätten die Ermittler nicht finden können; es gebe ein offenes Feld von Möglichkeiten, wie sich das Feuer entwickelt haben könnte.
118 Zeugen vernommen
Die Staatsanwaltschaft hat 118 Zeugen vernommen und zugleich an Feuerwehrleute und Bürger Fragebögen verschickt. Wir werden die Akte nicht schließen, die brandtechnischen und psychologischen Gutachten liegen noch nicht in schriftlicher Form vor, sagte ein ermittelnder Kriminalinspektor.
Die Staatsanwaltschaft teilte auch mit, dass die zwei minderjährigen Mädchen ihre Aussage, ein älterer Mann habe im Hausflur abgestellte Kinderwagen angezündet, zurückgenommen hätten. Die Mädchen seien vom Brandgeschehen und dem Tod einiger Verwandter traumatisiert gewesen. Sie hätten ihre Aussagen zunächst vor laufenden Kameras gemacht. Der Staatsanwalt zitierte den Kernsatz aus dem psychologischen Gutachten: Die Mädchen haben für sich eine Erklärung gebraucht. Bei dem Brand waren am 3. Februar neun türkischstämmige Bürger, darunter fünf Kinder, getötet worden. Die Erinnerung an die fremdenfeindlichen Anschläge auf Wohnhäuser von türkischen Familien in Mölln und in Solingen hatte in Ludwigshafen zu teilweise hysterischen Reaktionen geführt.
Große Zufriedenheit
Feuerwehrleute waren persönlich attackiert worden, den Rettungskräften war von türkischen Medien und Betroffenen vorgeworfen worden, zu spät am Brandort gewesen zu sein. Der Vertreter des türkischen Innenministeriums, Tüzel, sagte, über die Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden gebe es auf türkischer Seite große Zufriedenheit.
Es gibt keinen konkreten Hinweis, dass es sich um einen Brandanschlag gehandelt haben könnte, andererseits laufen die Ermittlungen weiter, sagte Tüzel, der zugleich die Leistungen der deutschen Rettungskräfte ausdrücklich lobte.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa