Eklat zum Prozessauftakt

Fourniret: „Ohne geschlossene Türen Mund zugenäht“

27. März 2008 Das Verfahrens gegen den geständigen Serienmörder Michel Fourniret und seine Frau Monique Olivier in der Ardennenstadt Charleville-Mézières hat am Donnerstag mit einem Eklat begonnen. Der Angeklagte stellte Bedingungen für seine Kooperation in dem Verfahren. Wegen des großen Medienandrangs und der scharfen Sicherheitsvorkehrungen hatte der Prozess mit einer halben Stunde Verspätung begonnen.

Nach der Aufforderung des Richters, sich zu identifizieren, hielt Fourniret, der sieben Entführungen und Vergewaltigungen in den Jahren 1987 bis 2001 zugegeben hat, lediglich einen Zettel an den Glaskasten, in dem er saß. „Ohne geschlossene Türen Mund zugenäht.“ Er stellte damit offensichtlich die Forderung nach dem Ausschluss der Öffentlichkeit; anderenfalls werde er nicht aussagen. Anschließend überreichte er eine Papierrolle mit einer Erklärung, die der Richter verlesen sollte, was dieser zunächst ablehnte. Fournirets Anwälte erklärten, er lehne die Verteidigung durch sie ab.

Erklärung für die Familien der Opfer

Laut seinem Verteidiger Philippe Jumelin wollte sich Fourniret in der Erklärung an die Familien der Opfer wenden. In ihrem Interesse fordere er den Ausschluss der Öffentlichkeit. Auch das Schicksal seiner Frau Monique Olivier mache im Sorge, sagte Jumelin der Zeitung „Figaro“. „Er wird weiterhin bekräftigen, dass er der Schuldige ist und dass sie ihm nur gelegentlich geholfen hat. Er hat auf keinen Fall die Absicht, die Schuld auf sie zu schieben.“

Der Prozess ist einzigartig in der Geschichte Frankreichs: Zum ersten Mal ist ein Ehepaar wegen einer derartigen Mordserie angeklagt. Die 59 Jahre alte Monique Olivier half ihrem Mann, seine Opfer in die Falle zu locken. „Die Teufel vor Gericht“, titelte die Zeitung „Le Parisien“ am Donnerstag. Ihr jüngstes Opfer war zwölf Jahre alt. Insgesamt gilt die Verbrechensserie in Frankreich und Belgien als die schlimmste der letzten Jahrzehnte (siehe dazu: Serienmörder Fourniret vor Gericht: Der Förster auf Mädchen-Jagd).

„Verhöhnung der Opfer“

Im Gegensatz zu den meisten anderen Triebtätern brüstete sich der hoch intelligente Fourniret, der ein Doppelleben als Maurer, Waldarbeiter oder Kantinenangestellter im französisch-belgischen Grenzgebiet führte, bislang mit seinen Verbrechen. „Ich bin schlimmer als Dutroux“, schüchterte er eines seiner Opfer mit dem Hinweis auf den belgischen Serien-Kinderschänder ein. In Zeitungen wird er „das Monster der Ardennen“ genannt.

Dass er das Verfahren wie angekündigt boykottiert, macht die Angehörigen der getöteten Mädchen und Frauen wütend. „Eine weitere Verhöhnung für die Opfer“, sagte Marie-Noëlle Bouzet, Mutter eines von ihm vergewaltigten Mädchens, vor Prozessauftakt. Fournirets Komplizin Olivier will sich dagegen bei den Familien entschuldigen, wie ihr Anwalt Jacques Delandes am Donnerstag ankündigte.

Ermittlungen in 30 ungeklärten Fällen

Olivier hat ihrem Mann zwei weitere Morde vorgeworfen, wegen denen ein weiterer Prozess ansteht. Insgesamt wird in mehr als 30 ungeklärten Fällen auf eine Beteiligung Fournirets ermittelt. Dass der Franzose, der schon 1966 wegen sexueller Belästigung Minderjähriger verurteilt wurde, jemals wieder in Freiheit leben wird, ist unwahrscheinlich. Er muss mit einer Verurteilung zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung rechnen. Auch für seine Frau fordert die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft. Das Urteil wird in zwei Monaten erwartet.



Text: FAZ.NET mit Material von AP
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS

 
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