Familiendrama in München

„Eine schreckliche Tragödie“

Auf offener Straße schoss der Mann vier Mal auf die Frau

Auf offener Straße schoss der Mann vier Mal auf die Frau

29. Januar 2008 In einer belebten Wohnstraße mit kleinen Supermärkten und Obstläden hat sich an diesem Dienstag in München ein Familiendrama ereignet. Eine 24 Jahre alte Mutter und ihre fünf Jahre alte Tochter wurden dort von einem 45-Jährigen niedergeschossen, ehe dieser die Waffe gegen sich selbst richtete.

„Ich habe es aus dem Fenster gesehen“, berichtete eine Zeugin, die schon kurz nach den Schüssen am Tatort eintraf. Die niedergeschossene Frau habe blutend auf dem Bürgersteig gelegen, dann habe der Täter sich selbst mit dem Revolver in den Kopf geschossen und sei zusammengesackt. „Schlimm, ganz schlimm“, so die Zeugin kopfschüttelnd. „Eine schreckliche Tragödie.“

Mädchen außer Lebensgefahr

Ersten Erkenntnissen zufolge war die getötete 24-Jährige mit ihrer Tochter um kurz vor 8 Uhr auf dem Weg zum Kindergarten, als ihr in der Nähe ihrer Wohnung der Onkel ihres früheren Ehemannes auflauerte. Ohne ein Wort zu sagen, feuerte er viermal auf die Frau - selbst dann noch, als sie schon am Boden lag. Die 24-Jährige starb wenig später am Tatort. Danach drehte sich der 45-Jährige zu dem Kind um und drückte abermals ab, ehe er die Waffe auf Kinnhöhe gegen sich richtete und sich eine Kugel in den Kopf feuerte.

„Das Mädchen liegt im Krankenhaus, ist aber außer Lebensgefahr“, sagte ein Polizeisprecher. Die Sanitäter hätten am Tatort von der Verletzung des weinenden Kindes zunächst nichts bemerkt, hieß es. Doch dann entdeckten sie das Blut am Rucksack. Der Brustkorb der Kleinen war von einer Kugel durchdrungen worden, sie musste notoperiert werden. Der Schütze starb rund eine Stunde nach der Tat in einem Krankenhaus. Opfer und Täter stammen beide aus der Türkei.

Tatmotiv wahrscheinlich Eifersucht

Als Motiv der Bluttat vermutet die Polizei verschmähte Liebe oder Eifersucht. „Wir gehen nicht von einem Ehrenmord aus“, sagte ein Polizeisprecher. Den Ermittlungen zufolge soll der Täter der getöteten Frau schon seit einiger Zeit nachgestellt haben. Er habe behauptet, eine Affäre mit ihr gehabt zu haben. Doch die Frau bestritt dies stets, angeblich habe sie ihn abblitzen lassen.

Die Frau war vier Jahre lang mit einem heute 27 Jahre alten Türken verheiratet, gemeinsam mit ihrem Kind lebten sie in Wuppertal. Geschieden wurde das Paar im Jahr 2005. Schließlich zog sie vor einem Jahr mit ihrem Kind nach München. Hier hatte sie einen neuen Freund, ebenfalls türkischer Nationalität. Die Polizei vermutet, dass der Täter von der neuen Beziehung erfahren haben könnte und deshalb die Schüsse aus Eifersucht abgab.

Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AP

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