„Jungfrauenmörder“

Fourniret-Prozess außer Kontrolle

28. März 2008 Der sogenannte „Jungfrauenmörder“ Michel Fourniret hat seine Haltung, das Verfahren gegen ihn zu boykottieren am zweiten Verhandlungstag im Gericht von Charleville-Mézières fortgesetzt. Er weigerte sich am Morgen, seine Zelle zu verlassen, und wurde von Polizisten einer Sondereingreiftruppe zwangsweise dem Richter vorgeführt. Anwälte nutzten die große Pressepräsenz zu einer Kundgebung gegen eine laufende Justizreform. Der Richter unterbrach daraufhin für mehrere Stunden den Prozess um die sieben Morde an jungen Frauen und Mädchen in Frankreich und Belgien.

Der geständige Serienmörder will nicht aussagen, solange die Öffentlichkeit in dem Verfahren zugelassen ist. In einem Brief an den Richter beschreibt er sich als „böse und jeglicher menschlichen Regung ledig“ und bezeichnet seine als Mittäterin angeklagte Frau Monique Olivier als unschuldig. Er habe Olivier manipuliert. Die 59 Jahre alte Ehefrau des Angeklagten wird verdächtigt, Fourniret in einem „Mordpakt“ Mädchen zugeführt und ihn sogar sexuell stimuliert haben, damit er sein Opfer vergewaltigen konnte. Sie gilt als hoch intelligent, aber scheu.

Anwälte protestieren gegen „Spektakeljustiz“

Fourniret hat die sieben Morde gestanden, um die es in dem Prozess geht. Weitere ihm zugeschriebene Bluttaten streitet er bisher ab. Den derzeit noch laufenden Ermittlungen zufolge könnte er 15 Frauen getötet haben.

Der Präsident der Anwaltskammer, Pascal Eydoux, verlas morgens im Gerichtssaal der Ardennenstadt eine Protestschrift gegen die Schließung von Gerichten, die Schwächung der Richterrolle und eine „Spektakeljustiz“. Das Gerichtsgebäude sei für 1,9 Millionen Euro umgebaut worden, aber eine der drei Stellen für Untersuchungsrichter werde gestrichen, sagte er.



Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: AFP, REUTERS

 
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