Elf Tote in Finnland

Der Amokläufer tötete vor allem Frauen

Immer noch herrscht Fassungslosigkeit am Ort des Geschehens

Immer noch herrscht Fassungslosigkeit am Ort des Geschehens

24. September 2008 Nach dem blutigen Amoklauf an einer finnischen Berufsschule hat Ministerpräsident Matti Vanhanen die Eröffnung von Ermittlungen über ein mögliches Versagen der Polizei bekanntgegeben. Untersucht würden die „Ereignisse in den Tagen vor dem Amoklauf“, sagte Vanhanen am Mittwoch in Kauhajoki, wo am Vortag ein 22-Jähriger neun Mitschüler und vermutlich einen Lehrer an seiner Berufsschule erschossen hatte, bevor er sich selbst tötete. Wie später bekannt wurde, hatte die Polizei den Täter wegen mehrerer Gewalt-Videos auf YouTube verhört, ihm die Waffenlizenz aber nicht entzogen.

„Es scheint, als hätte die Polizei sofort reagiert und den jungen Mann vernommen, aber wir wissen nicht, über welche Informationen sie verfügte und warum seine Waffenlizenz nicht entzogen wurde“, sagte Vanhanen weiter.

Der Täter tötete gezielt Mitschüler aus seinem Jahrgang

Der Amokläufer in der finnischen Kleinstadt Kauhajoki hat acht Frauen und zwei Männer getötet. Das teilte die Polizei am Mittwoch einen Tag nach der Bluttat in der Berufsschule im Westen Finnlands mit. Eine schwer verletzte 21 Jahre alte Frau wird noch im Krankenhaus von Tampere behandelt.

Weiter gab die Polizei an, dass der Amokläufer offenbar gezielt ihm bekannte Mitschüler aus der eigenen Klasse oder dem eigenen Jahrgang getötet hat. Alle Opfer stammen aus der Region um das 350 km nördlich von Helsinki gelegene Kauhajoki. Die Namen und Angaben zum Alter der Opfer oder andere Einzelheiten wollte die Polizei nicht veröffentlichen. Die meisten Schüler an der Berufsschule für Tourismus, Haushaltslehre und das Restaurantgewerbe sind zwischen 18 und 25 Jahre alt.

Der Amoklauf wurde sechs Jahre lang vorbereitet

Der Mörder von zehn Mitschülern hat seinen Amoklauf sechs Jahre lang vorbereitet. Das ergab eine Durchsuchung des Zimmers des 22-jährigen Matti Saari in einem Studentenwohnheim der westfinnischen Kleinstadt. Man habe viel Material gefunden, mit dem der Schüler an der örtlichen Berufsschule seinen „grenzenlosen Hass auf alle Mitmenschen“ zum Ausdruck gebracht habe, gab ein Kripobeamter am Mittwochmorgen im Fernsehen an.

Neun Opfer seien in einem einzigen Klassenraum gefunden worden, teilte die Polizei mit. Das zehnte Opfer habe in einem Korridor gelegen. Der Amokläufer selbst sei in einem weiteren Gang am anderen Ende des Schulgebäudes gefunden worden. Saari hatte sich nach dem Massaker selbst in den Kopf geschossen und erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Zum Zeichen der Trauer sind am heutigen Mittwoch alle öffentlichen Gebäude in Finnland auf Halbmast beflaggt. Im ganzen Land herrschen Entsetzen und Trauer.

Der Täter brachte Sprengstoff mit in die Schule

Inzwischen wurde bekannt, dass der Amokläufer neben seiner halbautomatischen Pistole auch eine Tasche mit Sprengstoff in die Schule mitgebracht hatte, in der er am Dienstag das Blutbad anrichtete. Das bestätigte die Polizei in Kauhajoki. Zuvor habe er in zwei handschriftlichen Notizen Hass auf die Menschheit geäußert. Auf den Zetteln, die er im Schülerwohnheim hinterließ, erklärte der 22-Jährige nach Polizeiangaben außerdem, dass er die Tat seit 2002 geplant habe. Die Lösung sei eine Walther 22, schrieb er. Eine entsprechende 22kalibrige Pistole setzte er bei der Bluttat ein. Der Schüler habe in der Schule mehrere Feuer entzündet. Dazu verwendete er laut Polizeisprecher Jari Neulaniemi Brandbomben oder Molotow-Cocktails oder etwas ähnliches.

Der Täter soll nach offiziell nicht bestätigten Angaben der Zeitung „Ilta- Sanomat“ gezielt Mitschüler erschossen haben, bevor er die Waffe gegen sich selbst richtete. Die Identifizierung der Toten gestaltete sich schwieriger als zunächst angenommen, weil einige Körper durch den späteren Brand entstellt wurden.

Schärfere Waffengesetze gefordert

Finnlands Ministerpräsident Matti Vanhanen will an diesem Mittwoch nach Kauhajoki kommen. Er hatte schon am Dienstag eine Initiative zur Verschärfung der als ausgesprochen liberal geltenden Waffengesetze angekündigt. Die Leichtigkeit, mit der in Finnland Waffen zu bekommen seien, sehe er sehr kritisch, sagte Vanhanen. Seiner Ansicht nach gehörten derartige Waffen ausschließlich auf Schießplätze.

Der Amokläufer hatte vor einem Monat einen Waffenschein erhalten und war erst am Montag von einem Polizisten wegen seines Gewalt-Videos im Internet vorgeladen worden. Nach dem Gespräch sei „das Einziehen der Waffe erwogen“ worden, doch habe man schließlich keinen Grund zum Einschreiten gesehen, erklärte ein Sprecher.

„Computer, Waffen, Sex und Bier“

Der Berufsschüler interessierte sich offenbar für Waffen und Horrorfilme. In seinem Online-Profil nannte sich der 22-Jährige „Wumpscut86“ und stellte sich als „Mr. Saari“ vor. Sein Profil wurde inzwischen gesperrt, mindestens ein Video war am Abend aber weiterhin auf der Internetplattform Youtube zu sehen. Darin ist ein kurzhaariger junger Mann zu sehen, der im Freien mehrere Schüsse abgibt. Nach Angaben von Internetnutzern hatte er auf seiner Seite als Hobbys „Computer, Waffen, Sex und Bier“ angegeben. Außerdem interessierte er sich den Angaben zufolge für Heavy-Metal-Musik von Bands wie Rammstein und Metallica sowie Horrorfilme wie „Shining“ des Regisseurs Stanley Kubrick.

In Finnland kommen auf 100 Bürger 32 legal erworbene Waffen. Das Land liegt in der Statistik der Waffenbesitzer an dritter Stelle hinter den Vereinigten Staatem und Jemen. Im vergangenen November hatte ein 18 Jahre alter Abiturient im finnischen Jokela sechs Mitschüler, die Rektorin und die Schulkrankenschwester erschossen. Anschließend nahm er sich das Leben. In beiden Fällen hatten die jungen Amokläufer legal mit Waffenschein erworbene Waffen für die Morde benutzt.

Schulsystem wird in Frage gestellt

In ganz Finnland sind die Flaggen auf Halbmast, das Land trauert um die Opfer. In den Medien herrscht unterdessen eine heftige Debatte über die Gründe für das in Finnland relativ neue Phänomen. Neben den liberalen Waffengesetzen, der Gewalt im Internet und der zunehmenden Vereinzelung des Menschen stellen sie auch das Schulsystem in Frage. „Vielleicht streben wir zu sehr nach Leistung - auf Kosten der Gemeinschaft“, schrieb die führende Zeitung „Helsingin Sanomat“ am Mittwoch. „Haben wir vor lauter Bildungsvermittlung das Einfühlungsvermögen verloren?“



Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, Bernd Helfert, dpa, REUTERS, You Tube

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Trost für die Mitschüler“In liebevoller Erinnerung“Im ganzen Land herrschen Entsetzen und TrauerEr sagt: “You will die next“.Das Video wurde von You Tube inzwischen gesperrtDer Amokläufer benannte sich nach dem deutschen Musikprojekt  WumpscutAuf einem Schießplatz „trainierte” der MannBei dem Amoklauf in der Schule starben neun MenschenSchweres Geschütz konnte die Morde nicht verhindernFür die Anwohner war das Geschehen unfassbarBei dem Amokläufer soll es sich um einen 22 Jahre alten Mann handeln, der seine Tat zuvor im Internet ankündigte. Trauer und Entsetzten nach dem Amoklauf in KauhajokiAm Mittwoch werden alle öffentlichen Gebäude in Finnland auf Halbmast beflaggtBetreuung für SchülerSo sieht der Amokläufer aus: er stellte Videos von sich auf YouTubeDer Amokläufer kündigte eine „Massaker” anVorbild der Tat war wahrscheinlich der Amoklauf in JokelaHerra S. nannte sich Wumpscut86 und stellte seine Schießübungen in das Internet Polizisten umringten die Schule, als der Amokläufer das Feuer eröffnet hattePassanten beobachten die Schule aus sicherer EntfernungDie Feuerwehr versucht, den Brand in der Schule zu löschen Nun wird die Schule in Kauhajoki bewachtSchüler der Berufsschule nach dem AmoklaufGedenkgottesdienst für die Opfer in KauhajokiIn dem Video verabschiedet sich der junge Mann mit den Worten: “Good Bye“.Herra S. posierte mit seiner Pistole im Internet.Der Täter kaufte seine Waffe nach Polizeiangaben im August. Der Amokläufer stellte auch Poster seiner Waffe in das Internet.Die Straßen rund um die Schule wurden abgeriegeltDie Verletzten wurden in Krankenhäuser gebrachtNach Angaben der Polizei hat der Amokläufer neun Schüler erschossen.