08. August 2007 Der Prozess gegen den 17 Jahre alten Marco aus Uelzen (Niedersachsen) wegen sexuellen Missbrauchs einer 13 Jahre alten Britin ist am Mittwoch nach etwa zweistündiger Verhandlung vertagt worden. Das Verfahren werde am 6. September fortgesetzt, erklärten die Anwälte des Jugendlichen im türkischen Badeort Antalya. Bis dahin müsse ihr Mandant in Untersuchungshaft bleiben. In der Verhandlung hatte ein Gutachter erklärt, die 13-Jährige sei nicht vergewaltigt worden.
Nach seiner Vernehmung in dem nicht öffentlichen Prozess sagte der Krankenhausarzt Levent Hekim am Mittwoch vor Journalisten, er habe das Mädchen noch in der Nacht untersucht und keine Anzeichen für eine Vergewaltigung entdeckt. Es habe auch keinen Geschlechtsverkehr gegeben. Allerdings habe er Spermaspuren gefunden. Mit dieser Aussage entlastete er Marco.
Seit Ostern in Untersuchungshaft
Der Schüler aus dem niedersächsischen Uelzen sitzt bereits seit Ostern in Untersuchungshaft. Er hatte ausgesagt, dass es mit der Engländerin im Einvernehmen zu Zärtlichkeiten gekommen sei. Diese Version bestätigte der Arzt. Seine Frage an das Mädchen, ob Marco ihr Gewalt angetan habe, habe sie verneint, sagte Hekim. Im Gegenteil, das Mädchen habe ihm gesagt, sie habe Marco eingeladen. Mutter und Schwester seien aber sehr aufgeregt gewesen, als sie ihn auf Anraten des Hotelarztes aufgesucht hätten. Die Mutter habe Angst vor einer möglichen Schwangerschaft der 13-jährigen Charlotte gehabt.
Marco und das Mädchen hatten sich im Badeort Side kennengelernt und waren nach einem Discoabend mit anderen Jugendlichen im Hotelzimmer der 13-Jährigen gelandet. Die Initiative zu den Zärtlichkeiten sei von dem Mädchen ausgegangen, das sich als älter ausgegeben habe.
Der inhaftierte Marco befindet sich nach Angaben seines Anwalts Jürgen Schmidt in schlechter Verfassung. Es sei unverhältnismäßig, dass die Untersuchungshaft für den Jugendlichen nun bereits fast vier Monate andauere. Seine Eltern waren zu dem Prozess erneut angereist. In einem NDR-Fernsehinterview appellierte Marcos Vater am Mittwoch an die Eltern der Britin, ihre Anzeige zurückzuziehen. Die Bild- Zeitung veröffentlichte einen Brief der Mutter, in dem sie über ihre Sorgen und Ängste schreibt. Das britische Mädchen wird nach Angaben des Arztes vom Mittwoch zurzeit psychologisch betreut.
Text: FAZ.NET mit Material von dpa
Bildmaterial: dpa, reuters