Todesstrafe

Gehirnüberwachung während der Hinrichtung

21. April 2006 Willy Brown hatte vor 20 Jahren einen Verkäufer ermordet und wurde deshalb zum Tode verurteilt. In den Nacht zum Freitag wurde er durch eine tödliche Injektion hingerichtet, bei der eine umstrittene neue Methode angewendet wurde.

Ein Gericht in North Carolina hatte zuvor angeordnet, es müsse sichergestellt werden, daß der Verurteilte keinen Schmerz bei seiner Tötung verspüre. Ein Arzt und eine Krankenschwester überwachten deshalb die Hirnströme des Todeskandidaten während der Hinrichtung. Damit sollte sichergestellt werden, daß Brown bewußtlos war und keine Schmerzen verspürte, als ihm die lähmende und zum Herzstillstand führende Flüssigkeit gespritzt wurde.

Der Ethikrat äußert Kritik

In anderen Bundesstaaten wie Kalifornien und Florida wurden bereits Hinrichtungen aufgeschoben, weil auch dort Gerichte abwägen, ob durch die Injektion starke Schmerzen verursacht werden könnten.

Doch Ethikverbände kritisierten den jüngsten Einsatz von Ärzten bei Browns Hinrichtung scharf. Der Einsatz von Medizinern bei Exekutionen verstoße gegen den beruflichen Eid Leben zu retten, und schadeten dem gesellschaftlichen Ansehen der Ärzte, sagte Priscilla Ray, Leiterin des Ethikrates beim Amerikanischen Ärzteverband.

Amnesty International verurteilte das Festhalten der Vereinigten Staaten sowie anderer Staaten an der Todesstrafe. Zwar stellte die Menschenrechtsorganisation für 2005 einen leichten Rückgang bei Todesurteilen und Vollstreckungen fest. Doch trotz des Rückgangs wurden im vergangenen Jahr in 22 Ländern mindestens 2148 Menschen hingerichtet hieß es in dem am Donnerstag vorgelegten Bericht. Ein Jahr zuvor waren es noch 3797 Hinrichtungen in 25 Ländern.

Die Dunkelziffer ist höher

Allein in China wurden dem Bericht zufolge im Jahr 2005 etwa 1770 Menschen exekutiert. Die tatsächliche Zahl liege aber wohl deutlich darüber: Ein chinesischer Experte gab die Zahl der Hinrichtungen mit 8000 an. Im Iran wurden 2005 laut Amnesty International mindestens 94 Menschen hingerichtet, in Saudi-Arabien 86 und in den Vereinigten Staaten 60 Menschen.

In China drohe den Bürgern die Todesstrafe in 68 Tatbeständen, darunter auch Steuerbetrug oder Drogendelikte. Die chinesischen Behörden vollzögen Todesstrafen durch Erschießung oder tödliche Injektion. In Saudi-Arabien würden Verurteilte geköpft, im Iran gehängt oder gesteinigt. In den Vereinigten Staaten kämen Todeskandidaten auf den elektrischen Stuhl oder erhielten eine tödliche Injektion. Auf das Konto dieser vier Länder gingen 94 Prozent aller 2005 registrierten Hinrichtungen.

Mehr als 20.000 Menschen in Todeszellen

Die Menschenrechtsorganisation berichtet, daß 2005 weltweit 5186 Menschen zum Tode verurteilt wurden. 2004 betrug die Zahl noch 7395. Weltweit warteten mehr als 20.000 Menschen in Todeszellen auf ihre Exekution. Doch die Zahlen beruhten überwiegend auf Schätzungen, da Länder wie China keine offiziellen Angaben machten.

In Vietnam etwa hält die Regierung ihre Statistiken zur Todesstrafe als „Staatsgeheimnis“ unter Verschluß, wie Amnesty mitteilte. „Während sich die Welt weiter von der Todesstrafe abwendet, verhalten sich China, Iran, Saudi-Arabien und die Vereinigten Staaten mit ihrer extremen Anwendung dazu im krassen Gegensatz“, erklärte Amnesty-Generalsekretärin Irene Khan.

In 73 Staaten gilt die Todesstrafe

Nach Kenntnis der Organisation war der Iran aber das einzige Land, in dem auch 2005 noch Minderjährige hingerichtet wurden. Demnach seien mindestens acht Menschen in der Islamischen Republik für Straftaten zum Tode verurteilt und getötet worden, die sie noch als Jugendliche begangen hatten. Zwei von ihnen waren noch unter 18 Jahren, als sie exekutiert wurden. Amerika hatte im März 2005 die Todesstrafe für Minderjährige abgeschafft.

Mit Mexiko und Liberia hätten mittlerweile 86 Länder die Todesstrafe abgeschafft. In 73 Staaten gilt sie Amnesty zufolge weiter und wird auch vollstreckt. „Die Todesstrafe ist die ultimative und unumkehrbare Verleugnung der Menschenrechte, weil sie den menschlichen Werten zuwiderläuft“, erklärte Khan.



Text: FAZ.NET mit Material von AFP, Reuters, dpa
Bildmaterial: dpa, picture-alliance / dpa/dpaweb

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