Pascal-Prozeß

Hauptbelastungszeugin widerruft alle Aussagen

Andrea M. widerruft alle Angaben

Andrea M. widerruft alle Angaben

31. August 2006 Überraschend hat die Hauptbelastungszeugin und Mitangeklagte im Pascal-Prozeß alle Aussagen zu Mißbrauch und Mord an dem Jungen widerrufen. „Es hat gar nichts davon gestimmt“, sagte die 42jährige Andrea M. am Donnerstag vor dem Saarbrücker Landgericht. Sie ist die einzige Zeugin in dem Prozeß um das spurlose Verschwinden des fünfjährigen Pascal im September 2001, die den Tatverlauf detailliert geschildert hatte. Die Anklage stützt sich auf ihre Angaben.

Andrea M. hatte in der Vergangenheit schon mehrfach ihre Aussagen revidiert, war im Kern aber immer bei einer Version geblieben: Am Tattag sei Pascal in der Saarbrücker Bierkneipe „Tosa-Klause“ von mehreren Männern mißbraucht worden. Dabei sei er gestorben. Sie sei dabei gewesen und habe den schreienden Jungen beruhigen wollen, hatte sie bislang in dem bereits seit zwei Jahren laufenden Prozeß ausgesagt. Sie behauptete unter anderem, dem Jungen ein Kissen auf das Gesicht gedrückt zu haben, bis dieser nicht mehr lebte.

„Habe unter Psychodruck gestanden“

Den Widerruf all ihrer Aussagen konnte Andrea M. am Donnerstag nur schwer erklären. „Ich habe unter Psychodruck gestanden seitens der Polizei“, sagte die 42jährige. Sie habe daher gesagt, was die Vernehmungsbeamten hören wollten. Ein Beamter habe sie angeschrieen. Andrea M. hat ihren Willen zu dem jetzigen Widerruf bekundet, nachdem sie sich am vergangenen Montag mit mehreren Mitangeklagten sowie zwei Verteidigern getroffen hatte. Sie beteuerte: „Es hat mich keiner beeinflußt, das kommt von mir.“

Andrea M. sagte, es gehe ihr auch um ihren Sohn, der ein Spielkamerad von Pascal war und heute in einer Pflegefamilie lebt. In mehr als 20 Vernehmungen bei der Polizei und vor Gericht hatte sie immer wieder berichtet, wie ihr Sohn von mehreren Männern mißbraucht worden sei. Er sei auch dabei gewesen, wenn sie Geschlechtsverkehr gehabt habe. Warum sie ihre Aussagen nicht früher widerrufen hat, konnte sie nicht sagen. Erst vor einigen Wochen hatte eine Zeugin ausgesagt, Andrea M. habe ihr im Gefängnis berichtet, daß keine ihrer Angaben im Pascal-Prozeß stimme. Andrea M. hatte dies bestritten.

Angeklagte befinden sich auf freiem Fuß

Wegen Mißbrauchs und Mordes an Pascal beziehungsweise Mithilfe zu diesen Taten sind insgesamt zwölf Männer und Frauen angeklagt. Alle befinden sich inzwischen auf freiem Fuß, weil das Gericht eine Verurteilung wegen Mordes nicht mehr für wahrscheinlich hält. Weder die Leiche Pascals wurde bislang gefunden, noch gibt es irgendwelche Spuren der Taten. Die Zeugenaussagen sind widersprüchlich.

Text: dpa
Bildmaterial: dpa

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Sie möchten Zuschuss zur Ihrer neuen Brille? Vergleichen Sie jetzt online einfach und bequem verschiedene Krankenzusatzversicherungen und sparen Sie bares Geld!

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche