09. Juni 2005 Deutschland ist nach den Worten von Bundesinnenminister Schily (SPD) ein sicheres Land. Kriminelle haben es hier nach seiner Auffassung schwerer als je zuvor. Denn mehr als 54 Prozent aller zur Anzeige gebrachter Straftaten würden aufgeklärt. Das sei, sagte Schily am Donnerstag in Berlin bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalitätsstatistik, die höchste Aufklärungsquote, die bisher erreicht wurde.
Der Abschreckungseffekt dieser Zahlenangabe hält sich allerdings in Grenzen: Nach Auskunft der Kriminalitätsstatistik wurden im vergangenen Jahr nicht weniger Straftaten begangen als 2003. Besonders lohnend ist offenbar der Betrug mit Kreditkarten und im Internet. Hier stellt die Statistik eine abermalige Steigerung der angezeigten Fälle um 4,8 und 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr fest.
Weniger Straßenraub und Einbrüche
Diesen modernen Formen des Betrugs und des Diebstahls steht ein Rückgang beim klassischen Straßenraub (minus 2,1 Prozent), bei Wohnungseinbrüchen und beim Diebstahl von Fahrzeugen (6,8 Prozent weniger) gegenüber. Schily und der baden-württembergische Innenminister Rech (CDU) wiesen bei der Vorstellung des Berichts darauf hin, daß inzwischen viele Wohnungseinbrüche an den Schutzmaßnahmen scheitern, die von den Mietern oder Besitzern ergriffen würden.
Zu den bedenklichen Entwicklungen rechnen die Innenminister die Zunahme von Gewaltdelikten und die Tatsache, daß immer häufiger Kinder und Jugendliche Straftaten begehen. Als besondere Tätergruppe wurden von Schily und Rech junge Aus- und Übersiedler bezeichnet, die oft Integrationsschwierigkeiten hätten.
Mehr Körperverletzungen - oft in der Familie
Auf mehr als 139.000 Fälle stieg die Zahl der gefährlichen und schweren Körperverletzungen. Das sei eine Zunahme um 5,4 Prozent. Viele Gewalttaten würden im persönlichen Umfeld begangen, oft in der Familie. Schily wies darauf hin, daß Gesetze der rot-grünen Bundesregierung zum Schutz - vor allem der Frauen - vor häuslicher Gewalt zu einer größeren Bereitschaft geführt habe, diese Taten anzuzeigen.
Ähnlich erklärt der Innenminister auch den weiter enormen Anstieg von Anzeigen wegen Besitzes oder Verbreitung von Kinderpornographie. Hier seien gegenüber 2003 die Zahl der Fälle von Besitz um 68 Prozent und die Zahl der Fälle von Verbreitung von Kinderpornographie um 30 Prozent gestiegen. Aufklärungskampagnen der Bundesregierung hätten hier ebenfalls das Anzeigeverhalten der Bürger positiv beeinflußt.
Schily dankte in diesem Zusammenhang den Mitarbeitern der Zentralstelle Kinderpornographie des Bundeskriminalamts und ähnlicher Dienststellen der Länder. Insgesamt ist der sexuelle Mißbrauch von Kindern im Vorjahr leicht gesunken. Bei Tötungsdelikten wurde ein leichter Rückgang auf 2480 Delikte verzeichnet. Die Aufklärungsquote lag bei 96 Prozent.
Text: pca., Frankfurter Allgemeine Zeitung
Bildmaterial: REUTERS