02. Mai 2008 Im Inzest-Fall von Amstetten hat die Polizei das Doppelleben des geständigen Täters Josef F. weiter Stück für Stück zusammengefügt. Es hätten sich einige Zeugen gemeldet, sagte Chefermittler Franz Polzer am Freitag. Die Polizei beschäftigt die Frage, wie der Verdächtige die Eingekerkerten von seiner Umgebung unbemerkt versorgen konnte.
Wir wissen, dass Josef F. in großen Supermärkten große Mengen Nahrungsmittel einkaufte, sagte Polzer. Wir haben auch gehört, dass er manchmal die Nacht im Keller verbrachte - da überprüfen wir noch die Einzelheiten. Die Ermittler riefen frühere Bewohner des Hauses auf, sich zu melden. Im Lauf der Jahre sollen etwa hundert Personen als Mieter in dem Mehrfamilienhaus gelebt haben.
Als ob Gegenstände fallengelassen würden
Ein ehemaliger Mieter im Haus des österreichischen Inzest-Täters Josef F. hat nach eigenen Angaben mehrmals verdächtige Geräusche aus dem Kellergeschoss gehört. Er habe gelegentlich Klopfen vernommen und Geräusche, als ob Gegenstände fallengelassen würden, sagte Alfred Dubanovsky am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP. Josef F. habe ihm auch einmal gesagt, das Haus werde eines Tages noch Geschichte schreiben.
Der Mann wohnte von 1995 bis zum vergangenen Jahr im Erdgeschoss des Hauses im niederösterreichischen Amstetten, in dem F. seine Tochter und drei mit ihr gezeugte Kinder im Keller eingekerkert hatte. Er habe F. gefragt, ob die Geräusche von einer Gasheizung im Keller kämen, und dieser habe mit Ja geantwortet, sagte Dubanovsky.
Paparazzi und Katastrophentouristen
Das Krankenhaus, in dem Elisabeth und fünf ihrer Kinder behandelt werden, verstärkte seine Sicherheitsvorkehrungen. Zuvor hatten Fernsehteams und Fotografen versucht, zu der Familie vorzudringen. Für das erste Foto sollen hohe Summen geboten werden. Österreichische Medien berichteten, die Klinik setze nachts Wärmebildkameras ein, um Fotografen aufzuspüren, die auf Bäume am Rande des Klinikgeländes kletterten.
Der Inzest-Fall lockt inzwischen auch Katastrophentouristen nach Amstetten. Für die Stadt sei dies erschreckend, sagte Vizebürgermeisterin Ursula Puchebner am Freitag der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Reisende aus Deutschland würden die Autobahn extra verlassen, um einen Blick auf das Horror-Haus zu werfen, sagte Puchebner. Die Motivation, die dahinter steht, ist nicht nachvollziehbar.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: afp, dpa
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