22. Januar 2003 Die Sanftmut in Person - so sitzt Tori Amos am Flügel. Vor rund 2.500 Zuschauern in der Oberhausener Arena startete die Pianistin und Sängerin am Dienstagabend ihre Deutschland-Tournee.
Die Stimme gehaucht, nur selten sang die 39 Jahre alte Amerikanerin richtig druckvoll, die für Tori Amos typischen, ausgeprägten Atemzüge zwischen den Passagen - alles probat, bekannt und geliebt. Sogar ihre einzige Ansage des Abends, in der sie beiden Mitmusiker vorstellte, brachte sie sanft über die Bühne. Tori Amos brauchte nicht viel Begleitung: Nur ein Schlagzeuger und ein Bassist standen mit der Pianistin auf der Bühne. Genug für ein sattes, vollständiges Klangbild, das lediglich an manchen Stellen unter der Lautstärke des Schlagzeugs litt. Tori Amos' Stimme allerdings lag immer über dem gesamten Mix.
Musikalischer Theaterabend
Die Stücke aus Scarlet's Walk bildeten das Zentrum des Auftritts. Das im Oktober veröffentlichte Album versammelt als eine Art musikalisches Road-Movie Erlebnisse und Begegnungen während einer Reise durch die vereinigten Staaten im Oktober 2001. Auch älteres Material von den Alben Little Earthquakes oder Strange Little Girls brachte Tori Amos zu Gehör. Nach der Hälfte des Konzerts verließen schließlich die beiden Musiker die Bühne, die Arena gehörte fortan der Sängerin und ihrem Flügel ganz allein - was weder der Stimmung noch der musikalischen Intensität einen Abbruch tat.
Ich höre nie Musik, ich habe auch keine eigene Plattensammlung, sagte Tori Amos einmal in einem Interview. Um einen eigenen Stil zu entwickeln, sollten sich Musiker lieber von anderen Künstlern inspirieren lassen, als den Kollegen zuzuhören und sie unabsichtlich zu kopieren. Vermutlich besucht die Sängerin auch keine Konzerte. Ihr Auftritt in Oberhausen war dementsprechend auch kein übliches Rock-Konzert, sondern eher ein musikalischer Theaterabend. Aber die Musik von Tori Amos lädt auch weniger zum Feiern ein als zum Zuhören.
Weitere Konzerte im deutschsprachigen Raum:
Donnerstag, 23. Januar: CCH2, Hamburg
Samstag, 25. Januar: Philharmonie, München
Donnerstag, 30. Januar: Gasometer, Wien, Österreich
Samstag, 1. Februar: ICC, Berlin
Mittwoch, 5. Februar: Jahrhunderthalle, Frankfurt am Main
Text: @kue
Bildmaterial: dpa
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