Von Leonhard Kazda
03. Juni 2008 60:79 verloren die Frankfurt Skyliners am Dienstag überraschend klar das vierte Spiel des Play-off-Halbfinales der Basketball-Bundesliga bei den Baskets Bonn. Damit müssen die Hessen wie schon im Viertelfinale über die volle Distanz in der Serie best of five. Die Entscheidung im Kampf um den Einzug ins Endspiel fällt nun am Donnerstag in der Frankfurter Ballsporthalle (18.30 Uhr).
Als in der mit 3700 Fans ausverkauften Hardtberghalle von Bonn das Schlusssignal ertönte, war die Enttäuschung den etwa 400 aus Hessen angereisten Anhänger der Skyliners deutlich anzusehen. Groß waren die Hoffnungen auf einen Erfolg, der die Mannschaft zum dritten Mal nach 2004 und 2005 ins Finale gebracht hätte. Nun müssen die Skyliners weiter bangen. Bei ihrer schwachen Vorstellung waren Jimmy McKinney und Derrick Allen (jeweils 11 Punkte) die besten Schützen.
Freiwurf einen Meter am Korb vorbei
Die Partie in der Hardtberghalle war am Montag innerhalb von zwanzig Minuten ausverkauft gewesen. Es war der letzte Auftritt der Baskets in dieser Sportstätte. In der kommenden Saison werden die Bonner Profis in einer neuen Arena antreten, die in unmittelbarer Nähe der alten Halle gelegen ist und 6000 Zuschauern Platz bietet. Wir haben schon oft genug bewiesen, dass wir zurückkommen können, hatte Michael Koch vor der Partie gesagt. Der Bonner Trainer hatte am Montag viel Wert darauf gelegt, dass seine Mannschaft nach den drei auch wegen der Temperaturen hitzigen Spiele ausreichend regenerieren.
Auch bei den Skyliners war dies ein wichtiges Thema. Wir müssen die kurze Zeit, die uns nur zur Regeneration bleibt, sinnvoll nutzen, hatte Dominik Bahiense de Mello gesagt. Die Chancen, in der als schier uneinnehmbar geltenden Hardtberg-Halle zu gewinnen, schienen für Frankfurt gut zu stehen. Auch weil mit Ronald Burell ein wichtiger Spieler ausfiel. Der Forward hatte sich eine Schulterverletzung zugezogen und fiel deshalb für das wichtige Aufeinandertreffen aus.
Airball, airball
Aber dieser Eindruck täuschte. Wieder einmal hatten die Hessen heftige Startschwierigkeiten. Die Baskets zogen so vehement weg, dass dies der Zuversicht der Frankfurter alles andere als förderlich war. 12:3 lagen sie zurück, als Roller per Distanzwurf für die ersten Frankfurter Punkte gesorgt hatte. Viel besser kamen die Skyliners während der ersten zehn Minuten nicht mehr ins Spiel. Fehlpässe und Fehlwürfe am laufenden Band, und als Maksym Shtein kurz vor dem Ende des ersten Spielabschnittes einen Freiwurf einen Meter am Korb vorbei warf, schien die Talsohle erreicht. 17:26 lagen die Hessen da zurück.
Tatsächlich wurde ihr Spiel im zweiten Viertel etwas besser. Ilian Ewtimow erzielte das 20:26, doch das spornte die Baskets wieder an. So hatte auch das zweite Viertel einen Tiefpunkt, als Jimmie Hunt mehr als einen Meter am Korb vorbei warf und die Bonner Fans spöttisch skandierten: Airball, airball - indessen sprintete Winsome Frazier mit dem Ball zum Frankfurter Korb und wuchtete ihn mit einem Monsterdunk von oben in den Ring. 51:33 stand es da, und die Halbzeitsirene hatte in diesem Fall sicher etwas Erlösendes für die Skyliners.
Weder Kraft noch Konzentration reichten
18 Punkte Rückstand nach der ersten Hälfte - das Team von Trainer Didin stand vor einer überaus anspruchsvollen Aufgabe. Die Wahrscheinlichkeit, an einem fünften Spiel in der Serie vorbeizukommen, war nicht gerade hoch. Was den Hessen in der ersten Hälfte gefehlt hatte, war ein überragender Schütze, so wie John Bowler, der für die Baskets in den ersten 20 Minuten 16 Punkte erzielt hatte. Sechs Würfe, sechs Treffer - der 115 Kilogramm schwere Amerikaner hatte als Erfolgsfaktor Gewicht.
In der zweiten Halbzeit hatten die Baskets Pech. Ausgerechnet Bowler fiel aus, nachdem er unglücklich aufgekommen war und sich eine Verletzung am ohnehin schon badagierten linken Knie zugezogen hatte. Den ganz großen Profit konnten die von nun an unter gellenden Pfeifkonzerten spielenden Skyliners nicht daraus ziehen. Nach dem dritten Viertel lagen sie 48:62 zurück. Für eine Aufholjagd reichten aber im letzten Viertel weder Kraft noch Konzentration - und Bonn war wieder gleichauf im Kampf um den Einzug ins Finale. Am Donnerstag sieht man sich in Frankfurt zur Entscheidung wieder.
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: dpa