Von Leonhard Kazda
09. Mai 2008 Nichts geht mehr – bei den Sykliners ist dieser Satz vor dem letzten Spiel in der Hauptrunde der Basketball-Bundesliga nicht unbedingt zutreffend. Aber ein Roulette wird die Begegnung bei TBB Trier für die Frankfurter doch werden. Murat Didin, der Trainer des Erstligaklubs, wirkt zur Zeit, als könne er sich nicht so recht entscheiden, ob er die Rolle des Croupiers übernehmen, oder doch lieber seine Jetons aufs Spiel setzen soll.
Genau genommen geht für die Hessen aktuell fast alles. Qualifiziert für das bereits in der kommenden Woche beginnende Play off in der Basketball-Bundesliga sind sie bereits – was nach zwei Jaren Abwesenheit von der Runde der besten acht Erstligateams schon ein Gewinn ist. In Trier dagegen steht es um die erstklassige Zukunft weniger gut. Eigentlich steht der TBB als Tabellenvorletzter hinter Jena bereits als Absteiger fest und hat am Samstag abend nach dem Spiel gegen Frankfurt (Tip off 19.30 Uhr) seine Fans schon zur Abschiedsparty geladen. Doch auch für das Team von der Mosel heißt das noch keineswegs rien ne va plus“; denn die Chance, dass Trier von der Basketball-Bundesliga eine wild card“ erhält, ist durchaus vorhanden. Nur Geduld ist gefragt, denn die Entscheidung, ob Absteiger Trier oder einer der drei Pro-A-Ligaklubs Mitteldeutscher BC, Kaiserslautern Braves und Bremen Roosters erstklassig spielen wird, fällt voraussichtlich erst am 10. Juni. Das Roulette dreht sich also auch für Trier weiter.
Lieblingsgegner Leverkusen
Gut möglich, dass die Frankfurter sich am Samstag in der Arena von Trier auf ein gewagtes Spiel einlassen. Denn Trainer Didin war jüngst deutlich anzumerken, dass er durchaus damit liebäugelt, das letzte Spiel der Hauptrunde taktisch anzugehen. Was bedeuten würde, dass die Skyliners betont locker gegen den TBB auftreten und die Partie deshalb vielleicht sogar verlieren könnten. Didin hat schon seit ein paar Tagen die Wahrscheinlichkeiten fast schon mathematisch ermittelt. Die Chance, dass wir auf Quakenbrück treffen, liegt bei etwa zehn Prozent“, glaubt der Frankfurter Headcoach. Auf den Plätzen fünf, sechs oder sieben können die Skyliners am Ende der Hauptrunde landen. Die möglichen Gegner: die Artland Dragons aus Quakenbrück, die aktuell Platz zwei belegen, wären der Gegner, wenn Frankfurt Siebter wäre und Quakenbrück den Platz halten würde. Auf den Rängen drei und vier folgen Leverkusen und Bamberg als die beiden weiteren potentiellen Gegner der Hessen beim Auftakt des Play-off-Viereltfinales, das wieder nach dem Modus best of five“ gespielt werden wird.
Didin macht keine Umschweife, wenn es um seinen Lieblingsgegner geht. Ich wäre glücklich, wenn es Leverkusen werden würde“, sagt der türkische Trainerfuchs. Der Grund für Didins Vorliebe ist klar: die Giants haben derzeit gigantische Personalprobleme. Nachdem sie sich im März bereits von dem Drogensünder Nate Fox trennen mussten, steht derzeit ein polizeiliches Ermittlungsverfahren gegen Eric Taylor an, der angeblich unter Drogeneinfluss in einen Verkehrsunfall verwickelt gewesen sein soll. Bestätigen wollen die Giants das nicht. Aber Trainer Achim Kuczmann gestand gegenüber der Frankfurter Rundschau“ ein: Zur Zeit plane ich nicht mit ihm für das nächste Spiel am Samstag in Oldenburg.“ Da fällt Didin die Wahl, wohin er seine Jetons am liebsten legen würde, doch ziemlich leicht. Ohne die beiden Großen“, sagt er und meint damit Fox und Taylor, wird es für Leverkusen sehr schwer.“
Verlieren die Skyliners absichtlich in Trier?
Also absichtlich verlieren in Trier? Man merkte Didin an, dass er die möglichen Begleiterscheinungen, die eine solche taktische Niederlage vielleicht hätte, keineswegs auf die leichte Schulter nimmt. Was hätte es für eine Auswirkung auf die Moral der Mannschaft, wenn sie in diesem Spiel abschenken würde, nur um auf einen vermeintlich leichteren Gegner zu treffen? Das Beste ist es vielleicht, einfach geradeaus zu gehen“, sagt Didin. Der neben ihm sitzende Sportdirektor Kamil Novak nickt bei diesen Worten und fügt schnell hinzu: Es gibt so viele Konstellationen für das Play off. Wir haben versucht, sie alle zu erfassen. Aber wir haben es dann irgendwann aufgegeben.“ So wird die Partie in Trier tatsächlich so etwas wie ein Roulette. Für alle Beteiligen gilt: Faites vos jeux!“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Wonge Bergmann
