07. April 2008 Die beiden Galeristen haben eine Tranche der Krefelder Sammlung Lauffs erworben: Wie stehen sie zur Zerschlagung einer solchen Kollektion?
Herr Zwirner, was ist das Besondere an der Sammlung Lauffs?
Die Sammlung Lauffs ist eine der bedeutendsten Sammlungen des 20. Jahrhunderts in Europa. Sie steht an der Schnittstelle zwischen europäischer Avantgarde und junger amerikanischer Kunst und ist in ihrer Art vielleicht nur noch mit der Sammlung Sonnabend vergleichbar. Es wurde mit den Augen eines absoluten Profis eingekauft, nämlich durch Paul Wember, einen hochintellektuellen Typus mit kunsthistorischem Hintergrund, der sich nicht von modischen Trends ablenken ließ. Wember war ein visionärer Museumsdirektor, er hat Künstler eingeladen und zum Beispiel Arbeiten direkt von Yves Klein gekauft, aber auch bei Alfred Schmela, Heiner Friedrich, Paul Maenz und Rudolf Zwirner (David Zwirners Vater). Damals war es auch möglich, direkt von der Documenta weg zu kaufen. Die Provenienzen sind wie aus einem Kunsthändlermärchen.
Ist es nicht bitter, wenn auf einmal so viele Werke aus einem Museum abgezogen werden? Man denke etwa an den Fall Bock und das Museum für Moderne Kunst in Frankfurt?
ANTWORT: Es gibt einen Riesenunterschied zum Frankfurter MMK. Denn es war ein Geheimnis, dass die Werke im Museum Privatbesitz von Dieter Bock waren - bei den Lauffs nicht. Es war immer klar, dass es sich in Krefeld um eine Privatsammlung handelt, und die Arbeiten waren ja auch vierzig Jahre lang im Museum. Walther Lauffs hat zu seinen Lebzeiten nichts verkauft.
Herr Wirth, bedauern Sie es denn überhaupt nicht, wenn eine solche Sammlung zerschlagen wird?
ANTWORT: Nein - dazu bin ich zu sehr mit dem Aufbau von Sammlungen beschäftigt. Es ist wie mit dem Wasser. Letztendlich fließt alles ins Meer, alle Werke landen am Schluss an der richtigen Stelle, dort, wo sie hingehören. Gerade eben habe ich zum Beispiel mit einem ganz bedeutenden europäischen Museum telefoniert.
Herr Zwirner, finden Sie die Zerschlagung der Sammlung Lauffs auch nicht traurig?
Traurig? Die Sachen werden ja nicht zerstört! In den nächsten Monaten werden sehr viele Leute die Werke in New York und Zürich sehen, und ich bin sehr optimistisch, dass viele der Werke und sogar ganze Werkgruppen wieder in Museen landen werden. Wir als Galeristen können Werkgruppen vermitteln, das geht bei Auktionen nicht. Wir bieten zum ersten Mal ein echtes Alternativprogramm zum Auktionsverkauf. Für die Mehrheit der Künstler ist der Privatverkauf effektiver.
Die Fragen stellte Lisa Zeitz.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Zwirner & Wirth/Hauser & Wirth/Grant Delin