Ohne Gnade für alte Fehler

Kein Comeback für Guy Loudmer

Von Angelika Heinick, Paris

Vor dem Pariser Justizpalast: Guy Loudmer im Jahr 2001

Vor dem Pariser Justizpalast: Guy Loudmer im Jahr 2001

30. Juni 2009 Der Name Guy Loudmer steht für einen begnadeten Auktionator und brillanten Einzelgänger im Pariser Auktionsgeschäft der achtziger Jahre - und auch für eine schillernde Persönlichkeit, deren spektakulärer Fall den Pariser Auktionsmarkt der neunziger Jahre in Atem hielt: Guy Loudmer wurde 2001 von einer Pariser Strafkammer wegen „schweren Vertrauensmissbrauchs“ und „Urkundenfälschung“ zu achtzehn Monaten Haft auf Bewährung und einer Geldstrafe von 500 000 Franc verurteilt. Das Urteil wurde drei Jahre später bestätigt. Loudmer konnte sich bis heute nicht als Auktionator rehabilitieren.

Nun hat das Pariser Berufungsgericht sein Gesuch abgewiesen, die Entscheidung des französischen Versteigerungsrats aufzuheben: Denn im Mai vergangenen Jahres verweigerte der Versteigerungsrat ihm die Zulassung als Auktionator für das Pariser Auktionshaus Enchères Rive Gauche, da er nicht die notwendigen „Garantien der Ehrenhaftigkeit“ biete. Das Gremium verwies auf Loudmers Verurteilung wegen Unregelmäßigkeiten bei der Auktion der Gemäldesammlung des Händlerehepaars Bourdon, die unter seinem Hammer im März 1990 den Pariser Rekordumsatz von 509 Millionen Franc erzielte.

Zwei Monate in Haft

Loudmer hatte einige Lose fiktiven Bietern zugeschlagen und den Einlieferern dafür eine Kommission berechnet; er hatte Geld aus seiner eigenen Firma veruntreut und die Bücher gefälscht, was im Jahr 1997 zum Konkurs des zweitgrößten Pariser Auktionshauses führte und ihn für zwei Monate hinter Gitter brachte. Doch seine langjährigen Kontakte zu namhaften französischen Sammlern hatten ihn schon im Dezember 2001 ins Rampenlicht zurückgeführt, als er auf der Auktion mit Stammeskunst der Sammlung René Gaffé bei Christie's als „Consultant“ auftrat; die Witwe Gaffés hatte ihn im Testament als Auktionator bestimmt.

Dank seiner Freundschaft mit Pierre und Claude Vérité konnte er im Juni 2006 mit Hilfe des bis dahin völlig unbekannten Auktionshauses Enchères Rive Gauche die Auktion einer anderen, historischen Stammeskunstsammlung ausrichten; ein vom Versteigerungsrat ins Hôtel Drouot beorderter Polizeibeamter sollte dabei sicherstellen, dass Loudmer während der Auktion nicht zum Hammer griff. Guy Loudmer hat gegen das Urteil des Berufungsgerichts Revision eingelegt, doch die Chancen, dass er mit 76 Jahren ein Comeback am Pult feiern kann, sind gering. Für die Versteigerung von rund hundert Werken ostasiatischer Kunst aus der Sammlung Vérité, die das Auktionshaus Enchères Rive Gauche für den 18. Oktober im Drouot angesetzt hat, wird die Entscheidung vermutlich zu spät kommen.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
Alle Rechte vorbehalten.
Vervielfältigungs- und Nutzungsrechte erwerben
Verlagsinformation

Seien Sie auch unterwegs bestens informiert mit dem mobilen Nachrichtenservice von FAZ.NET. Weitere Informationen unter www.faz.net/mobil

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche