Elmyr de Hory

Nachempfinden statt fälschen: Elmyrs Manier

Von Clementine Kügler

Dieser Picasso ist ein de Hory: Kleine Tuschzeichnung für 1200 Euro.

Dieser Picasso ist ein de Hory: Kleine Tuschzeichnung für 1200 Euro.

24. April 2006 Niemals wird man erfahren, wie viele Werke von Picasso, Matisse, Modigliani und anderen Meistern der Moderne in Museen und Privatsammlungen hängen - und in Wirklichkeit von Elmyr de Hory stammen, dem Kunstfälscher.

Ein Begriff freilich, gegen den er sich wehrte: Er fälschte nicht, er schuf „in der Manier von . . .“ Dennoch brachte es dem Ölmilliardär Meadows nicht nur Ruhm, sondern einen veritablen Skandal ein, die größte Privatsammlung perfekt imitierter Meisterwerke von der Hand Elmyr de Horys zu besitzen.

Zeichnung von Elmyr de Hory, inspiriert von Matisse

Zeichnung von Elmyr de Hory, inspiriert von Matisse

Der vor hundert Jahren (er selbst gab gern 1911 als Geburtsjahr an) in eine österreichisch-ungarische Diplomaten- und Bankiersfamilie in Budapest geborene de Hory - eigentlich Joseph Elementer Dory Boutlin - studierte Kunst in seiner Heimatstadt, in München und in Paris bei Fernand Léger. Im Zweiten Weltkrieg verlor er seine Eltern und den Familienbesitz, war mutmaßlich in eine Spionageaffäre verwickelt und inhaftiert; er konnte aus einem Gefängniskrankenhaus fliehen und nach Frankreich entkommen.

Zweifellose Begabung

Von 1946 an begannen er und schlaue Agenten, viel Geld zu verdienen mit Zeichnungen und Ölbildern, die auch von Experten für echte Werke Picassos, Chagalls oder de Vlamincks gehalten wurden: Nicht nur Maurice de Vlaminck hielt später ein von de Hory gemaltes Bild für ein eigenes Werk, was tatsächlich für das Talent des Nachahmers spricht. Es waren die zweifellose Begabung, sein Einfühlungsvermögen, die hohe Qualität und die Sorgfalt bei der Verwendung originaler Materialien, die es den Experten schwermachten, de Horys Urheberschaft zu entdecken. Im Jahr 1961 zog er sich angesichts juristischer Schwierigkeiten nach Ibiza zurück.

Mitte der siebziger Jahre kam Orson Welles' Film „F For Fake“ in die Kinos, der sich an Clifford Irvings Buch über Elmyr de Hory orientierte. Der amerikanische Schriftsteller Irving, der wegen der von ihm verfaßten, gefälschten Memoiren des exzentrischen Howard Hughes eine Gefängnisstrafe verbüßte, hatte 1969 Elmyr de Horys Biographie geschrieben und wurde, kaum hatte er das Gefängnis verlassen, von einem im Buch beleidigten Kunsthändler verklagt.

Wahrheit und Erfindung

Orson Welles gelangte an das Filmmaterial über den Fall Irving und an Interviews mit de Hory vom Ende der sechziger Jahre auf Ibiza. Er entwarf gemeinsam mit Irving und der Schauspielerin Oja Kodar ein Vexierbild über Wahrheit und Erfindung, Fälschung und Original. De Hory stellt darin seinen Stolz auf sein Können heraus und fordert die Kunstexperten auf, ihm ein „echtes“ von einem „gefälschten“ Bild zu unterscheiden. Im Dezember 1976 starb Elmyr de Hory an einer Überdosis Schlaftabletten auf der Baleareninsel.

Espacio Tribeca, eine neue Galerie an der Madrider Kunstmeile um das Museum Thyssen-Bornemisza, den Prado und das Reina-Sofía-Museum, zeigt unter dem Titel „Inspiriert von . . .“ rund fünfzig Tuschzeichnungen und Aquarelle, die mit „Elmyr“ signiert sind (bis 6. Mai). Es sind kleinformatige Werke, die sehr anmutig Picasso, Matisse, Modigliani, Léger und Toulouse-Lautrec nachempfinden. Sie stammen aus den siebziger Jahren und kosten zwischen 800 und 1200 Euro

Mit meisterlicher Strichführung zieht de Hory klare Frauenakte à la Modigliani nach, mit Humor Picassos Minotaurus. Der recht eigenwillige Imitator lehnte es ab zu kopieren: Alle seine Fälschungen sind eigene Schöpfungen - und er meinte, bisweilen hätte er die Vorbilder durchaus verbessert.

Text: F.A.Z., 22. April 2006
Bildmaterial: Espacio Tribeca

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