Wie Phönix aus der Asche?

Die Ballade vom Larry Salander

Von Lisa Zeitz

22. Juni 2009 Die Ballade vom Kunsthändler Larry Salander, der auszog, um viel Geld zu verdienen, umfasste bislang vier Strophen: seinen Aufstieg vom unbedeutenden Künstler zum erfolgreichen Galeristen und dann zum Direktor der prächtigsten Galerie von ganz Manhattan. Vor zwei Jahren begann der Abstieg. Internationale Stars wie John McEnroe und Robert de Niro waren bis dahin seine Freunde und Geschäftspartner. Ein luxuriöser Palast auf der Upper East Side wurde der Rahmen für feinste Goldgrundmalerei, Skulpturen von der Romanik bis zum Barock, ein bronzenes Kruzifix von Bernini, Gemälde von Rembrandt und Courbet.

Aber die Unterkunft kostete im Monat 154.000 Dollar Miete. Salanders Reich zerstob an jenem Abend im Oktober 2007, als er Meisterwerke aus fünf Jahrhunderten präsentieren wollte und sich dadurch von allen Schulden zu befreien gedachte. Allein der Preis von Caravaggios „Apoll als Lautenspieler“ sollte in direkter Konkurrenz zu Damien Hirsts diamantbesetztem Totenschädel, der ihm zutiefst verhasst war, hundert Millionen Dollar betragen. Doch anstatt Champagner flossen dann die Tränen: Gläubiger holten kistenweise Kunst aus der Ausstellung ab, sein Palast wurde gerichtlich versiegelt.

„Madoff der Kunstwelt“

Die Bankrotterklärung folgte, Salander musste auch seine 35.000 Bände umfassende Kunstbibliothek verkaufen. Die nächsten Monate zeichneten ein Bild von Larry Salander, das ihn als „Madoff der Kunstwelt“ erscheinen lässt: Er hatte drei verschiedenen Investoren jeweils eine Hälfte von Stuart Davis' Gemälde „Brown Still-Life“ verkauft - dabei gehörte das Bild nicht einmal ihm, sondern dem Sohn des Künstlers. Angeklagt wegen Diebstahls in Höhe von insgesamt 88 Millionen Dollar, war Salander, der sich nicht schuldig bekannte, auf Fotos nicht mehr wiederzuerkennen:

Der einst stolze Mann war zu einem gebrochenen Menschen mit verwildertem Blick, Bart und Kapuzenjacke geworden. Die Ermittlungen laufen immer noch weiter. Doch inzwischen hat Salander wieder eine Wandlung durchgemacht und schreibt seine Ballade weiter: Kürzlich wurde er - in gebügeltem Hemd - in seinem Wohnort Millbrook gesichtet, einem Städtchen rund 150 Kilometer nördlich von New York.

Er hütete das Schaufenster eines bescheidenen Kunst- und Antiquitätenladens mit dem vielsagenden Namen „Phoenix Art“. Der Name lässt darauf schließen, dass zumindest Salander selbst daran glaubt, aus der Asche wiederaufzuerstehen. Wer weiß? Wenn nicht als Kunsthändler, dann vielleicht als Künstler. Unter anderem verkauft er dort auch kleine abstrakte Bilder, die er selbst gemalt hat, für hundert Dollar.

Text: F.A.Z.

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