Von Lisa Zeitz
08. Oktober 2007 Die mehr als dreißig Jahre alte Galerie Salander-O'Reilly bewohnt seit wenigen Jahren ein riesiges Gebäude auf New Yorks Upper East Side, unweit der Frick Collection. Das prächtige Gehäuse, das es mit vielen Museen aufnehmen könnte, hat seither unzähligen Meisterwerken vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert als Kulisse gedient, romanischen Madonnen, marmornen Renaissance-Heiligen, bronzenen Barockplastiken und Ölbildern verschiedener Epochen - darunter auch sensationelle Werke Alter Meister wie Botticelli, Tizian, Bernini und Rembrandt. Doch der Inhaber der Galerie, Lawrence Salander, steckt allem Anschein nach in massiven finanziellen Schwierigkeiten und sieht sich mit einer ganzen Reihe von Klagen konfrontiert, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg jetzt meldet. Unter den mindestens fünfzehn Klägern ist auch sein Vermieter, der allein 1,7 Millionen Dollar an Miete einfordert - bei einer Monatsmiete von rund 200 000 Dollar kommt dieser Betrag schnell zusammen. Ein anderer Kläger ist der Tennisspieler und Kunstsammler John McEnroe, der vor einem halben Jahr, so Bloomberg, 162 500 Dollar in die Galerie investiert hat und dem die Verdoppelung seines Einsatzes zugesichert wurde. Der Hedge-Fonds-Manager Roy Lennox will 4,6 Millionen Dollar zurückhaben, die er investiert hat, und klagt außerdem auf zehn Millionen Dollar Schadensersatz; Lennox wirft Salander vor, ein illegales Schneeballsystem in Gang gebracht zu haben.
Von der Ausstellung zur Versteigerung
Dass irgendetwas im Argen liegt, ließ sich schon länger ahnen: Es kam manch einem seltsam vor, dass der Galerist zu Ausstellungen mit wertvollen Gemälden Alter Meister einlud, von denen dann manche nicht viel später ausgerechnet bei dem Auktionshaus Heritage in Dallas aufgerufen wurden. Die texanische Institution ist vor allem für die Versteigerung von Sport- und Filmmemorabilia bekannt. Niemand bestreitet, dass Salander, der selbst Künstler ist, von echter Leidenschaft für die Kunst durchdrungen ist. Und die nächste Ausstellung in seiner Galerie, die am 17. Oktober beginnen soll, könnte die Lösung all seiner Probleme bringen: Unter den Kunstwerken aus fünf Jahrhunderten sind auch sechs Gemälde, die Caravaggio zugeschrieben werden. Das Preisschild für den "Apoll als Lautenspieler" - der im Jahr 2001 noch als "Umkreis von Caravaggio" bei Sotheby's für 110 000 Dollar den Besitzer wechselte - ist ganz klar von Damien Hirst inspiriert; denn hundert Millionen Dollar soll das gute Stück kosten, wie jüngst Hirsts mit Brillanten besetzter Schädel. Insgesamt könnte die Ausstellung, die Salander zusammen mit der Londoner Galerie Whitfield Fine Art präsentiert, seiner Meinung nach gar 750 Millionen Dollar einspielen. Jedenfalls, so lässt er verlauten, soll sie seine letzte Ausstellung sein.
Text: F.A.Z., 06.10.2007, Nr. 232 / Seite 49
Bildmaterial: Whitfield Fine Art
Das Pariser Grand Palais entdeckt den deutschen Expressionisten Emil ![]()
Die Weltwirtschaftskrise als Chance: Blick in amerikanische Zeitschriften:
Nicht nur im Vorgarten der Geschichte: der deutsche Historikertag in Dresden
Ein Besuch der Dreharbeiten zu dem Katastrophenfilm Der Vulkan