Kommentar

Was hat das nur zu bedeuten?

Von Lisa Zeitz

21. Juli 2008 Die Frick Collection in New York ist ein Hort der Ruhe, eine überschaubare Kunst-oase an der Fifth Avenue, anheimelnd untergebracht in der ehemaligen Villa des Industriellen Henry Clay Frick, der vor hundert Jahren ein Vermögen mit Koks und Stahl verdient und für Kunstwerke von Rembrandt, Vermeer und Tizian ausgegeben hat. Heute sind sie dort vor holzvertäfelten Wänden zwischen seinen Möbeln und Teppichen zu bewundern, darunter berühmte Gemälde wie Hans Holbeins Bildnis des Sir Thomas Moore oder Giovanni Bellinis "Heiliger Franziskus in der Wüste", zauberhafte italienische und französische Bronzen und englische Malerei vom Feinsten.

Doch jetzt plötzlich ist in die hehre Welt des Museums der Kunstmarkt eingebrochen. George Wachter, der stellvertretende Vorsitzende von Sotheby's in Nord- und Südamerika und einer der Direktoren von Sotheby's aus der Abteilung Alter Meister, ist in den Beirat der Frick Collection gewählt worden. Was hat das nun zu bedeuten? Dass die Kundenkartei von Sotheby's geschäftsträchtig mit den Freunden der altehrwürdigen Museumssammlung durchgeschüttelt wird? Dass das unbestrittene Prestige der Frick Collection für die Transaktionen des Auktionshauses herhalten muss? Dass Ankäufe der Sammlung zum finanziellen Gewinn von Sotheby's beitragen? Diese Vermischung von Kunst und Kunstmarkt in der Sphäre der Museen hat einen unappetitlichen Beigeschmack.

Lisa Dennison als Vorbild

Doch sind Kunsthandel und Museum wirklich unvereinbare Lager? Vor einem Jahr löste die Direktorin des Guggenheim Museums, Lisa Dennison, Empörung aus, als sie das Lager wechselte und mit all ihrem Wissen über Künstler, Sammler und reiche Kunstfreunde bei Sotheby's eine neue Karriere startete. Nun liegt der Fall anders. Wachter ist ehrenamtlich in den Kreis des Beirats der Frick Collection gewählt worden und hat als Kenner Alter Meister und als Kenner des Kunsthandels nur beratende Funktion. Wie geschmackvoll die Grenzen der beiden Institutionen gewahrt werden, wird sich weisen.

Die eloquente Bloggerin Lee Rosenbaum, die unter dem Pseudonym "CultureGrrl" täglich bissige Kommentare zur Museumsszene ins Netz stellt, ist zwar nicht sicher, ob sie George Wachter in seinem neuen Amt bei der Frick Collection an sich verwerflich findet, doch die Presseerklärung des Museums geht ihr gegen den Strich: Denn hier werden berühmte Sammlungen aufgezählt, an deren Versteigerung Wachter beteiligt war: die Nachlässe von Peter Jay Sharp und Walter Chrysler, die Sammlungen der Grafen Guy du Boisrouvray und von Jaime Ortiz Patino. Nur ein Meilenstein von Wachters Karriere wird ausgelassen - der umstrittene Verkauf von Altmeistergemälden aus der Sammlung der New York Historical Society im Jahr 1995, einer New Yorker Institution, die sogar ein Jahrhundert älter ist als die Frick Collection. Die Auktion hat Wachter zwar hohes Ansehen innerhalb seiner Firma verschafft, doch im Museumslager gilt die Zerstreuung der Werke als höchst bedauerlich.



Text: F.A.Z.

 
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