Von Anne Reimers, London
18. Juli 2008 Dennis Buggins wäscht seine Hände in Unschuld. Seine mehr als zwei Jahrzehnte lang erfolgreich geführte Restaurierungswerkstatt mit dreißig Angestellten auf einem Bauernhof nahe dem englischen Canterbury ist zwar vorerst stillgelegt. Aber, so sagt er, schließlich sei er derjenige gewesen, der im April Reporter der Zeitung The Times zu sich eingeladen habe, um ihnen die Beweise vorzulegen. Denn Buggins behauptet, dass er nicht am Verkauf Hunderter von Möbeln beteiligt war, die in seinem Unternehmen entweder aus dem Gerippe oder dem Kadaver alter, unspektakulärer Stücke zusammengebaut wurden oder gleich neu gezimmert, im Stil von Meistern der Tischlerkunst des 18. und 19. Jahrhunderts.
Er selbst, Buggins, würde solche Teile ja als Erfindungen oder als Fälschungen beschreiben. Stattdessen bezichtigt er einen seiner besten Kunden des Betrugs, offenbar im Zuge finanzieller Streitigkeiten; nun ist ein Gerichtsverfahren anhängig: Der Londoner Antiquitätenhändler John Hobbs nämlich soll Buggins' Schöpfungen als Originale verkauft haben; deshalb wurde er aus der British Antique Dealer's Association ausgeschlossen. Daraufhin berichtete die New York Times von einer Menge aufgescheuchter Inneneinrichter von Manhattan bis Hollywood, die für ihre vermögenden Kunden bei Hobbs elegantes Mobiliar im Wert von Millionen gekauft hatten.
Gut zweihundert Jahre zu jung
Zu ihnen gehört auch der prominente Dekorateur Michael Smith aus Los Angeles, der zwei Mahagoni-Kommoden für 450.000 Dollar erwarb, ausgewiesen als ein feines Paar englischer Kommoden, ungefähr 1830. Tatsächlich - so jedenfalls Buggins, der auf seine Aufzeichnungen verweist - wurden die Möbel zwischen 2004 und 2006 entworfen und aus alten, attraktiv patinierten Kleiderschränken und einer Leinenpresse zusammengeschreinert - Kosten rund 55.000 Dollar. Einige nervöse Käufer sind mittlerweile auch bei den Experten von Christie's und Sotheby's vorstellig geworden, um die Echtheit ihrer, womöglich doch nicht mehr ganz so echten Stücke beglaubigen zu lassen.
Dabei haben die Experten der Auktionshäuser sich selbst schon hinters Licht führen lassen; denn Buggins hat inzwischen Objekte benannt, die - angeblich - in den Jahren 2005 und 2007 bei Christie's versteigert wurden. Derweil hat Sotheby's schon mal zwei Kommoden, beschrieben als deutsch, klassizistisch, um 1800, versehen mit einer Taxe um 300.000 Dollar, aus der Juni-Auktion in New York zurückgezogen: Buggins behauptet hier, er habe das Paar um 1993/94 aus vier oder fünf alten Schränken kreiert. Eine alte Kommode ist eine alte Kommode, ist eine alte Kommode - aber war sie immer schon, was sie ist?
Text: F.A.Z.
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