Von Rose-Maria Gropp
28. Juni 2008 Für den 15. und 16. September kündigt Sotheby's in London ein nie dagewesenes Ereignis an. Unter dem poetischen Titel "Beautiful Inside My Head Forever" kommen neue Werke Damien Hirsts zur Auktion, ohne zuvor in den Händen seiner Galeristen Jay Jopling und Larry Gagosian gewesen zu sein. Hauptstück wird "The Golden Calf" sein, ein in Formaldehyd konservierter Bulle mit Hörnern und Hufen aus Gold und mit einer goldenen Scheibe auf dem Hirn - Schätzung acht bis zwölf Millionen Pfund. Das hat schon was! Doch die eigentliche Pointe ist der von Sotheby's gleich mitgelieferte Kommentar seines amerikanischen Händlers, des schier allmächtigen Larry Gagosian: "Als Damien Hirsts langjährige Galerie erwarten wir das Unerwartete. Er kann sicher auf uns zählen, wir werden mit einer Bieternummer in der Hand im Saal sein."
Diese Grenze ist gefallen
Noch vor wenigen Jahren hätte nur die Vermutung dieses Vorgehens ein unwilliges Dementi hervorgerufen, als eine nachgerade anstößige Unterstellung. Man erinnere sich an den "Saatchi Sale" 1998 bei Christie's in London, als zum ersten Mal Werke der "Young British Artists" um Damien Hirst in 130 Losen auf den Auktionsmarkt geworfen wurden. Damals galt allein die Frage, ob da nicht Leute des englischen Sammler-Tycoons im Raum verteilt seien - für den Fall eben, eines der Werke würde nicht ohne Nachhilfe den erwünschten Preis erzielen -, als degoutant. Inzwischen ist diese Praxis der Kohabitation von Auktion und Handel im Namen der Hochpreisgestaltung für eine Handvoll zeitgenössischer Künstler zur unkaschierten Regel geworden, in New York zumal.
So betrachtet erweist sich Damien Hirst - der Mann, der vor genau zwanzig Jahren mit der von ihm inszenierten "Freeze"-Schau in London antrat, den in der Kunst dominierenden Formalismus mit seiner kadaverversessenen Impertinenz genialisch abzudanken - nur einmal mehr als das, was er im Kern ist: als Konzeptkünstler von Graden, ein Solitär im Betriebstaumel. Hirst weiß dem Wiederholungszwang die ihm zugrundeliegende Wahrheit abzugewinnen, die Lust, seine Lust. Der aktuelle Kunstmarkt ist dafür der geeignete Spielplatz, auf den das global streunende Geld als Dritter im Bunde herzlich eingeladen ist.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Reuters
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