Kommentar

Wer aber schuf die "315 Johns"?

Von Lisa Zeitz

06. Juli 2008 Schon wieder ein zweifelhafter Warhol, der einen schönen Namen ins Zwielicht rückt: Erst kürzlich wurden die Brillo-Boxen des legendären Museumsmanns Pontus Hultén als postume Repliken entlarvt, und nun trifft der Vorwurf, für viel Geld eine Fälschung verkauft zu haben, den Künstler John Chamberlain. Der Bildhauer, der für seine Skulpturen aus Teilen von Autokarosserien berühmt ist, soll vor acht Jahren "315 Johns" für drei Millionen Dollar einem anonymen Sammler verkauft haben. Für die Siebdrucke mit seinem Konterfei ließ Chamberlain sich damals eigens ein Zertifikat des gefürchteten "Andy Warhol Art Authentication Board" ausstellen. Außerdem ist "315 Johns" im Werkverzeichnis als echtes Werk Warhols aus dem Jahr 1967 gelistet.

Malanga fordert Rückgabe oder Schadensersatz

Doch derzeit beschäftigt die Transaktion das Landgericht in Brooklyn: Warhols ehemaliger Assistent Gerard Malanga behauptet, er selbst habe die Siebdrucke 1971 mit zwei Freunden abgezogen, und Warhol habe davon nichts gewusst und auch das Bild nie gesehen. Aber es kommt noch dicker: Nicht nur sei das Werk kein echter Warhol, sondern es gehöre auch gar nicht Chamberlain, sondern ihm, Malanga; er klagt auf Rückgabe oder 250 000 Dollar Schadensersatz. Chamberlain dagegen pocht darauf, dass Warhol persönlich ihm die Siebdruck-Serie im Austausch gegen ein oder zwei seiner Skulpturen gegeben habe. Er bestreitet nicht, dass die Ausführung vielleicht auf Malangas Konto geht, aber er beharrt darauf, dass die Idee von Warhol selbst stamme und das Resultat von ihm als authentisch anerkannt wurde.

Allerdings sind Chamberlains einzige Zeugen, Henry Geldzahler und Warhol selbst, schon gestorben. Die Juristen streiten sich nun um Details wie die Verjährungsfrist: Chamberlains Anwälte sagen, Malangas Anspruch sei verjährt, während Malangas Anwälte sagen, die Frist sei noch nicht abgelaufen, da die Uhr erst seit dem Verkauf im Jahr 2000 ticke. Wer sich noch nicht vor Gericht zu Wort gemeldet hat, ist der aktuelle Besitzer. Aber zu Malangas Unterstützung mischt sich Chamberlains Exfrau ein und verbreitet giftig, während ihrer Ehe habe er das Bild regelmäßig als "fake" und "phony" bezeichnet. In der "New York Times" wird sie so zitiert: Hätte es sich um einen echten Warhol gehandelt, dann hätte sie Chamberlain das Werk bei der Scheidung nie überlassen.



Text: F.A.Z.

 
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