China und Nepal

Pekings Agenten in Nepals Straßen

Von Jochen Buchsteiner

Nach dem Machtwechsel in Nepal könnte China einen Punktsieg gegen Indien landen

Nach dem Machtwechsel in Nepal könnte China einen Punktsieg gegen Indien landen

29. Mai 2008 Nepal und China teilen sich den höchsten Berg der Welt, aber von einem partnerschaftlichen Verhältnis sind die beiden ungleichen Staaten weit entfernt. Eher geduckt verfolgen die nicht einmal 30 Millionen Nepaler, was sich nördlich des Mount Everest im Reich der Chinesen bewegt. Dass sich da nicht nur Gutes entwickelt, verkünden die schon die 2000 bis 3000 Tibeter, die jedes Jahr über die Grenze fliehen und immer häufiger nach Indien weitergeschleust werden.

Erst nach der Annexion Tibets rückte die Volksrepublik an die nepalische Grenze. Seither versucht Peking, seine Position stetig auszubauen. China wünscht sich für Nepal - ähnlich wie für Burma - „Stabilität“, die es mit größtmöglichem chinesischen Einfluss zu erreichen sucht. Das wiederum besorgt die Inder, deren Einflüsse in dem mehrheitlich hinduistischen Bergstaat traditionell stärker sind; die Grenze im Süden kann sogar ohne Pass überquert werden.

Chinas Agenten in Katmandus Straßen

Nepal leitet daraus eine Pflicht zur Äquidistanz ab, die die wechselnden Regime in Katmandu in den vergangenen Dekaden mehr recht als schlecht erreicht haben. Ein Gutteil der nepalischen Politik wird aus den Botschaften Chinas und Indiens mitgesteuert. Mit welcher Selbstverständlichkeit sich Peking einmischt, zeigt sich seit den Protesten der 20.000 Exil-Tibeter in Nepal.

Der Regierung in Katmandu sei schlicht beschieden worden, dass China „das Problem selbst lösen“ werde, wenn es die nepalischen Sicherheitskräfte nicht in den Griff bekämen, weiß der Politikwissenschaftler Dev Raj Dahal zu berichten. An die 500 Geheimdienstmitarbeiter sollen sich allein auf den Straßen Katmandus bewegen, heißt es.

An der Seite des Königs

Inwieweit die Machtübernahme der Maoisten die Beziehungen zu China verändert, ist ungewiss. Obwohl sich die früheren Rebellen auf den großen Fuhrmann Mao Tse-tung beziehen, wurden sie von Peking nie unterstützt. Im Gegenteil: Als König Gyanendra den Kampf gegen die Rebellen verschärfte, stand die Volksrepublik an seiner Seite.

Gleichwohl vermuten viele, dass sich Peking nun zu einem guten Verhältnis zu den neuen Machthabern durchringen wird. China könnte damit sogar einen weiteren Punktsieg über Indien landen, das wegen seiner eigenen maoistischen Rebellen - dort nennen sie sich Naxaliten - der neuen Führung in Katmandu mit Misstrauen begegnet.

Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP

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