Dalai Lama

Sein letzter Kampf für Tibet?

Von Petra Kolonko

„China-Feind”: Der Dalai Lama

„China-Feind”: Der Dalai Lama

17. März 2008 Die Hoffnung, dass er eines Tages zurückkehren könnte in seine Heimat, kann man nun wohl ganz aufgeben. Die chinesische Regierung hat den Dalai Lama als Verursacher der antichinesischen Ausschreitungen ausgemacht. Und der Dalai Lama beschuldigt Peking eines Terror-Regimes und des kulturellen Völkermordes. Dass die Demonstrationen und Ausschreitungen in Tibet einen Schatten auf die Olympischen Spiele werfen, wird man ihm in Peking noch darüber hinaus vorhalten.

Die chinesische Führung führt den Dalai Lama nicht nur in der Kategorie der „China-Feinde“. Sie weiß, wie beliebt er in Tibet ist. Käme er zurück, müsste die chinesische Regierung wirklich Angst vor einer Unabhängigkeitsbewegung haben.

Die Forderung nach Unabhängigkeit hat er fallenlassen

Seit der Dalai Lama im Jahr 1959 nach einem missglückten Aufstand gegen die chinesische Herrschaft aus Tibet geflohen ist, hat er als religiöses Oberhaupt der Tibeter für die Erhaltung der tibetischen Religion und Kultur unter chinesischer Herrschaft gekämpft.

Die Forderung nach einer Unabhängigkeit Tibets hat er vor Jahren fallenlassen; nun wirbt er überall für wahre Autonomie und fordert die Herrschenden der Welt, die alle Chinas Oberhoheit über Tibet anerkennen, dazu auf, die chinesische Regierung zu einer Änderung ihrer Tibet-Politik zu bewegen.

Lange zeigte er Geduld

Außerhalb der Volksrepublik China ist der Dalai Lama einer der beliebtesten Religionsführer überhaupt. Sein einnehmendes, bescheidenes Wesen, sein gewinnendes Lachen und seine Botschaft der Gewaltlosigkeit und Toleranz machen ihn auch für jene akzeptabel, die sonst über Religion nur Kritisches zu sagen haben. Er dürfte auch der einzige Religionsführer sein, den man ohne weiteres mit „Seine Heiligkeit“ anredet, auch wenn man nicht seiner Religion anhängt.

Lange Zeit hat der Dalai Lama Geduld gezeigt, hat seine Hoffnungen auf Verhandlungen mit China gesetzt und erwartet, dass seine Zugeständnisse akzeptiert würden. Doch China hat die Schwelle für eine Einigung mit ihm immer höher gesetzt.

Der Dalai Lama darf nur zurückkehren, wenn er anerkennt, dass Taiwan und Tibet Teil des chinesischen Territoriums sind, hieß es zuletzt. Zudem will die chinesische Regierung nicht seine Hoheit über jene Tibeter akzeptieren, die in anderen Provinzen Chinas leben.

Wiedergeburt bestimmt nicht in China

Der Dalai Lama ist jetzt 72 Jahre alt. Mit der ihm eigenen Gelassenheit spricht er über sein Ableben und plant die Zukunft. Politisch brauche Tibet die Institution des Dalai Lamas nicht mehr, sagte er vor kurzem. Ob diese Institution bestehen bleibe, werde vom tibetischen Volk abhängen.

Nach der religiösen Überlieferung kann sich der Dalai Lama als Verkörperung des Bodhisatva Avalokitheshvara aussuchen, wo er wiedergeboren wird. Das werde aber nicht im Gebiet der Volksrepublik China sein, hat er angekündigt. Vielleicht werde es bald zwei Dalai Lamas geben. Einen, den die Tibeter im Herzen tragen, und einen anderen von Pekings Gnaden.

Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa/dpaweb, picture-alliance/ dpa, picture-alliance/ dpa/dpaweb, REUTERS

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