02. Juli 2009 Rentenfonds, die ihren Anlageschwerpunkt auf Staatsanleihen legen, kommen in schwieriges Fahrwasser. Das liegt an der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und dem rapiden Verfall der Renditen am langen Ende.
In den vergangenen zwölf Monaten ist die Verzinsung zehnjähriger Bundesanleihen um gut ein Viertel auf zuletzt 3,4 Prozent gefallen. Damit liegt sie schon wieder spürbar über dem historischen Tiefstand von 2,89 Prozent, der am 15. Januar dieses Jahres erreicht wurde.
Hohe Kupons werden selten
Zwei Jahrzehnte sinkender Zinsen liegen hinter dem deutschen Anleger. Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung im Jahr 1990 lag das Zinsniveau noch bei 9 Prozent und ging seitdem Jahr für Jahr zurück. Es hat sich für Fondsmanager ausgezahlt, eine ruhige Hand zu bewahren und Anleihen lange im Portefeuille zu behalten - ihr Wert stieg nahezu unweigerlich, je mehr die Zinsen fielen.
Doch nun müssen die Fondsmanager zusehends niedrig verzinste Staatspapiere in ihre Fonds legen - und das drückt auf die Rendite. So weist das beste Produkt in unserer Rangliste der Rentenfonds mit stabilem Ertrag, der Thames River Global Bond Euro, eine Rendite von ansehnlichen 30,6 Prozent auf drei Jahre aus. Doch im abgelaufenen Halbjahr erhöhte sich der Anteilspreis gerade einmal um kümmerliche 0,5 Prozent.
Auch Unternehmensanleihen sind nicht immer die Lösung
Mit Staatsanleihen ist auch auf absehbare Zeit keine überbordende Rendite zu erzielen. Das trifft die institutionellen Investoren - Pensionskassen oder Lebensversicherer - noch mehr als private Anleger. Denn diese müssen gegenüber ihren Kunden häufig Zusagen über eine Mindestverzinsung einhalten.
Auch Fonds, die in Unternehmensanleihen investieren, sind nicht immer die Lösung. Die Fondsgesellschaft Lupus Alpha untersuchte die Wertentwicklung von 255 Unternehmensanleihenfonds, die seit mindestens fünf Jahren in Europa zum Vertrieb zugelassen sind. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur 18 Prozent der Corporate-Bond-Fonds konnten im Fünf-Jahres-Vergleich den Vergleichsindex schlagen, sagte Ralf Lochmüller, Geschäftsführer von Lupus Alpha.
Kreative Konzepte
Jetzt müssen die Fondsmanager Kreativität zeigen. Die Aufgabe besteht darin, eine höhere Rendite zu erreichen, ohne dass sich das Risiko gegenüber Staatsanleihen nennenswert erhöht. Die Lösung kann komplex ausfallen, wie ein neues Produkt von Lupus Alpha zeigt.
Was den Institutionellen noch mehr als der niedrige Zins zu schaffen macht, ist die Furcht vor steigenden Renditen, sagte Egbert Sauer, Experte für Absolute-Return-Konzepte und Rentenfonds bei Lupus Alpha. So hat er ein Konzept für einen Unternehmensanleihenfonds entwickelt, bei dem er das Zinsänderungsrisiko über Terminmarktgeschäfte ausschaltet, so dass in dem Fonds als Risiko nur der Renditeabstand zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen verbleibt.
Der Kampf gegen die Indexfonds
In diesem Zinsaufschlag gegenüber Bundesanleihen spiegelt sich das Risiko, dass ein Teil der Unternehmensanleihen unter Umständen nicht voll getilgt wird, weil das Unternehmen in der Zwischenzeit Insolvenz angemeldet hat. Da man an den Terminmärkten auf fallende Kurse wie auch auf steigende Kurse setzen kann, soll der Lupus Alpha LS Duration Corporates Invest an beidem verdienen: an einer Ausweitung des Renditeabstands und an einer Verringerung.
Der neue Lupus-Fonds zeigt, wie sich die Fondsgesellschaften von den börsengehandelten Indexfonds absetzen wollen, die gar nicht erst eine bessere Wertentwicklung als an den Rentenmärkten erzielen wollen, sondern stur dem Zinstrend folgen. Denn auch im Anleihenbereich haben sich die Indexfonds in unserer Rangliste fest etabliert, wie die hohe Plazierung der Produkte von i-Shares und dem State-Street-Ableger SSGA zeigen.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.