
Julia Voss stellt uns „die unheimlichste Rezeptionsgeschichte der Evolutionstheorie“ vor. Darwins Lehre habe erst Ende der fünfziger Jahre durch ein Kinderbuch von Michael Ende die Chance erhalten, ideologiefrei rezipiert zu werden. Denn: „Der Nationalsozialismus hatte die Evolutionstheorie zum ideologischen Kern seiner rassistischen Weltanschauung erklärt“. Darf ich die bescheidene Frage stellen, wo er das getan hat? Ich glaube nicht, dass man dafür leicht einen Beleg finden kann. Denn die „Rassenkunde“ des Dritten Reichs verband biologische und psychologische Annahmen über ein Volk zu einer politischen Deutung seines „Blutwerts“ (Hitler). Aus der Harmonie des Bluts erwachse eine kulturelle Leistung, und an dieser lasse sich der Wert seiner „Rassenseele“ (Rosenberg) erkennen. Die Nazis sahen in der Geschichte einen Kampf der Rassenseelen, nicht ein biologisches Naturschauspiel ohne Charakter. Der missverstandene Ahne dieses Denkens war nicht Darwin, sondern Arthur Comte de Gobineau. Er hatte sechs Jahre vor der „Entstehung der Arten“ seinen „Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen“ veröffentlicht. Darin begründete er die Überlegenheit der „arischen“ Rasse und ihre Bestimmung, über alle anderen zu herrschen.

Jetzt muss Jim Knopf schon für den Irrtum des Jahrhundert hinhalten. Es gibt auch eine geistige Evolution die aus Lehre der Evolutionstheorie stammt. Sie heißt Nationalsozialismus denn ohne Darwin gäbe es kein Hitler.

"Jim Knopf rettet die Evolutionstheorie" - der Titel ist Unsinn! Hitlers Rassiisten und seine Vorfahren in katholischen und protestantischen Partien und Kirchen und ideologischen und biologischen Herschaftsgebäuden haben die Evolutionstheorie nicht "weitergedacht", sondern sich ihr Bisschen Denken geschenkt - und die rassistischen und militärischen Vorteile (durch Militanzen aller Art und Kapitalien...), die sie sich ausgekungelt hatten und finanziert kriegten, per Täuschung, Geschrei und Krieg durchgezogen habaen. Wie viele Deutsche da Widerstand geleistet haben...? Die meisten waren Juden und/oder Intellektuelle (Priester, deren Draht zur ewigen Warheit oder am Sukzessionsdraht zum Pontifex nach Rom direkt angebunden - bitter wenige!), ja. Und in der FAZ muss man fünfzig Jahre warten, um mit Gedöns den Michael Ende seiner Jugend (de damals über zwanzig verlag anschreiben musste, bis Thienemanns zugriff, ganz vorsichtig; erst mal ein Buch mit der Hälfte des Textes...) aufgebrüht zu bekommen: geschwollen und rechthaberisch. Michael Ede hat (nicht nur mit seinem "Jim Knopf") hat die einfachen sym- und empathischen Regeln der Humanität mit Phantasie erfüllt und aktiven, jungen Lesern geschenkt, die ... zu Senilitäten "reiften".

Ich bin fasziniert. Wenn man einmal genauer gelesen und nachgedacht hätte... Ein wirklich toller und interessanter Artikel.

was für ein interessanter und informativer Artikel. Vielen Dank Frau Voss!

vielen Dank für Ihre frappierende, überzeugende Interpretation und die fundamentale Neudeutung dieses wunderbaren und jetzt doppelt faszinierenden Buchs! Ralf Finger

Sie sollten lesen: Nick Hazelwood - Der Mann, der für einen Knopf verkauft wurde. Eine faszinierende und wahre Geschichte. Viel Spaß!

Die Nationalsozialisten kamen nicht als erste auf die Idee, Darwins Theorie als wissenschaftliche Rechtfertigung für Rassismus, Zwangssterilisationen und die Ausmerzung unwerten Lebens zu gebrauchen. Von Anfang an haben linke wie rechte politische Intellektuelle Darwins Theorie in diesem Sinne verstanden und entsprechende gesellschaftliche Reformen gefordert. 1907 unterzeichnete der Gouverneur des US-Staats Indiana das erste Gesetz zur Zwangssterilisation, "um die Fortpflanzung von Gewohnheitskriminellen, Idioten, Geistesschwachen und Sexualverbrechern zu unterbinden". Wie dieser Weg unter deutschen Intellektuellen verlief, das beschreibt der amerikanische Historiker Richard Weikart in seinem 2004 erschienenen Buch "From Darwin to Hitler: Evolutionary Ethics, Eugenics, and Racism in Germany".

Ein sehr schöner und informativer Artikel, der neue Perspektiven auf das Buch eröffnet. Gerade wenn man sich die Komentare zu auch heute erschienenen Artikel "Mehr Demokratieförderung, weniger Neonazis?" durchliest, wünscht man sich die schreibenden Herrschaften hätten Jim Knopf auch so verstanden. Die "Saat" steckt noch in den Köpfen und wird leider immer noch verbreitet

tut sich hier auf. Das ist faszinierend. Ich habe Jim Knopf nur als Kind gelesen. Muss ich unbedingt wiederholen. Ich liebe diese Horizontverschmelzungstheorie. Eine Frage treibt mich aber doch um: Darwin schreibt von Jemmy Button in einem seiner Reiseberichte und ein zweiter Autor schreibt über den Erwachsenen. Gab es diesen Jemmy Button? Und warum war er so bedeutend, dass er gleich zwei (mit Ende drei) Autoren als Figur diente?

Dass Lukas und Jim Knopf Endes Hauptwerk sind, war mir schon immer klar. Um die Bücher auf diese Weise zu lesen, muss man allerdings wissen, was Ende wusste; das war als Kind nicht zu machen. Nebenbei ist es Lukas, der Jim zuraunt: "Das sieht ja aus wie eine Schule!" und Jim, der noch keine kennt: "Ojemine! Is' Schule immer so?" Auch Nepomuks Schande bezieht sich zuerst auf seinen erloschenen Ofen.

Im Kommentar zu einem der vorherigen Artikel führe Herr Ödgan Ücgür ein paar Zitaten aus Darvins Werken auf. Ich erlaube mir an dieser Stelle, die Zitaten wiederzugeben. Die Aussagen von Darwin selbst entlarven ihn und seine Lehre am besten. Jim Knopf hilft da nix :-) Also, hier die Zitaten. "Beide Geschlechter sollten sich der Heirat enthalten, wenn sie in irgendeinem besonderen Grade an Körper oder Geist minderwertig („inferior“) wären. [...] Alles was uns diesem Ziele näher bringt, ist von Nutzen. [...] Wenn die Klugen das Heiraten vermeiden, während die Sorglosen heiraten, werden die minderwertigen (im englischen Original: „inferior“) Glieder der menschlichen Gesellschaft die besseren zu verdrängen streben“. "Es muss für alle Menschen offene Konkurrenz bestehen, und es dürfen die Fähigsten nicht durch Gesetze oder Gebräuche daran gehindert werden, den größten Erfolg zu haben."

... war ja immer Baby Huebner, der zur Oper wollte. Wie kann man dem Scheinriesen nur so dermassen auf den Leim gehen. Trist.