Triathlon-Olympiasieger Jan Frodeno im Interview über seinen Sprint zur Goldmedaille, die besondere Vorbereitung auf das Rennen in Peking, den Vorteil des Außenseiters und das Ende seiner Lebensplanung.
Das war das Rennen meines Lebens. Ich bin wie in einem Tunnel gelaufen, das habe ich mir immer gewünscht. Ich habe noch nie ein großes Rennen gewonnen, und jetzt gleich Gold bei Olympia, das ist Wahnsinn. Ich bin das Rennen so oft in meinem Kopf durchgegangen, habe so oft schon das Zielband in meinen Händen gesehen.
Nach Kilometer fünf beim Laufen wusste ich, dass es heute ein ganz großer Tag für mich werden würde. Als wir am Ende nur noch zu dritt waren, wusste ich, dass ich eine Medaille sicher hatte, aber ich wollte Gold. Ich habe daran gedacht, dass ich von diesem Augenblick immer geträumt habe. Dann bin ich losgerannt, das war wie ein Automatismus. Ich hatte überhaupt keinen Druck. Mich kannte ja kaum jemand, das war vielleicht mein Glück.
Ich habe versucht, nicht an die großen Namen zu denken, und mich auf mein eigenes Rennen zu konzentrieren. Ich hatte überhaupt keinen Druck. Mich kannte niemand, das war vielleicht mein Glück. Ich habe gedacht, Sieg oder Sibirien, probier' alles. Ausruhen kann man sich später.
Ich bin viel auf hügeligen Kursen gelaufen. Ich habe gewusst, dass es das härteste 10-Kilometer-Rennen aller Zeiten werden würde. Ich wollte meine Energie für den richtigen Zeitpunkt aufsparen und bei der Hitze nicht vorher verbrauchen. Deswegen bin ich auch bei der Attacke in der zweiten Laufrunde nicht mitgegangen. Und wir haben gewusst, dass die Entscheidung im Endspurt fallen kann, deswegen haben wir sehr viele Sprints trainiert. Bisher habe ich viele Rennen sehr knapp verloren, aber ich habe meine Lektion bis zum richtigen Zeitpunkt gelernt.
Wir haben im Vorfeld viel zusammengearbeitet. Daniel Unger ist mein Vorbild und mein Trainingspartner, aber heute musste jeder für sich kämpfen.
Ich habe auch in diesem Punkt viel von Daniel Unger gelernt, sein Leben hat sich nach seinem Weltmeistertitel sehr verändert. In Deutschland ist es knallhart, es zählt nur Platz eins. Ich weiß nicht, wie das bei mir sein wird, ich habe das noch gar nicht so realisiert, dass ich jetzt Olympiasieger bin. Meine Lebensplanung endete mit diesem Rennen. Das war schon immer mein Motto: Es gibt keinen Plan B, Plan A muss funktionieren. Aber ich habe ein paar ganz gute Prämien ausgehandelt.
Nein, höchstens Traum A.
. . . man denkt an den ganzen Weg bis zu diesem Zeitpunkt. Es war ein langer harter Weg. In diesen Sekunden ist noch einmal mein ganzes Leben an mir vorbeigezogen.
In diesem Jahr müssen es bisher rund 1.100 Kilometer Schwimmen, 12.500 Kilometer Radfahren und 4.400 Kilometer Laufen gewesen sein. Das sind vier bis acht Stunden jeden Tag.
Mein erster Sport in Südafrika, wo ich aufgewachsen bin, war Wellenreiten. Mit Sechzehn habe ich dann angefangen zu schwimmen, und meinen ersten Triathlon habe ich mit Neunzehn gemacht. Da war ich sofort vom Triathlonvirus angesteckt.
Aufgezeichnet von Cai Tore Philippsen, Peking
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: AFP, AP, dpa, REUTERS