Neues von der Art Cologne

Der Stand der Dinge

Von Swantje Karich und Thomas W. Kuhn

11. April 2008 So kurz vor Beginn der Art Cologne, die vom 16. April an ihre Pforten öffnen wird, herrscht in Köln eine Stimmung angespannter Erwartung, wie sich die Ernennung des Galeristen Daniel Hug aus Los Angeles zum neuen Direktor auswirken wird. Für die 42. Ausgabe der Traditionsmesse muss sich Hug noch nicht verantworten; denn offiziell tritt er sein Amt erst am 1. Mai 2008 an. Die Art Cologne befindet sich also in einem Zwischenzustand, der weiterhin viel Geduld verlangt, nach diesem Krisenjahr, an dessen Ende die Absage der Zweitmesse Art Cologne Palma de Mallorca stand und schließlich das Scheitern von Gérard Goodrow als Direktor. Im Oktober 2007 hatten zehn Kölner Galerien in einem offenen Brief an die Koelnmesse ihrem Unmut über den Bedeutungsverlust der Art Cologne Luft gemacht und neue Konzepte für Köln gefordert - das Ergebnis: Ein internationaler Galeristenbeirat soll nun die gezielte Auswahl der Teilnehmer garantieren. Versprochen wurde außerdem der Umzug in neue Hallen im Jahr 2009.

Die Art Cologne ist jetzt also wieder da angekommen, wo sie 2003 schon einmal stand: mit einem neuen Leiter, der "Innovation" und "Internationalität" bringen soll, jedoch mit einem Teilnehmerfeld, das mittlerweile noch schwächer besetzt ist als vor fünf Jahren. Goodrow hatte versucht, mit der Verschiebung des Termins vom traditionellen Herbst ins Frühjahr der Konkurrenz mit der Frieze Art Fair in London zu entgehen, die seit 2003 den internationalen Wettbewerb mächtig anheizt. Im April angekommen, konkurrierte die Art Cologne dann 2007 mit der Fine Art Fair Frankfurt, der Art Brussels und der neugegründeten Düsseldorfer dc-Messe. In Düsseldorf hat man sich jedoch direkt selbst wieder erledigt: Nach der Premiere im vergangenen Jahr ist die dc für 2008 abgesagt. Der Gruner + Jahr Expomedia-Event-Gesellschaft verging ihr Subventionswille offenbar plötzlich wieder; seither herrscht Schweigen über die Gründe dafür. Auch der Frankfurter Messe waren nur zwei Ausgaben beschieden.

Namenswechsel über Namenswechsel

Nach der Übernahme der Art Cologne durch Daniel Hug ist auch das Schicksal der bisher ebenfalls von Goodrow verantworteten Schwestermesse Cologne Fine Art ungewiss: Mitte März annoncierte die Koelnmesse, dass diese Kunst- und Antiquitätenmesse von nun an unter dem Namen Cologne Fine Art & Antiques firmieren wird; das ist ihr zweiter neuer Name innerhalb von zwei Jahren: Erst 2006 war aus der KunstKöln, der Westdeutschen Kunstmesse und der Antiquariatsmesse Köln die Cologne Fine Art gebildet worden. Die Leitung der Cologne Fine Art & Antiques übernimmt Heinz Schnock, der Produktmanager der Koelnmesse. Unter seiner Führung ist eine Spezialisierung auf Alte Kunst, Kunsthandwerk und antiquarische Bücher geplant; die Messe findet in dieser Form zum ersten Mal vom 19. bis zum 23. November statt. Die Sektionen Fotografie und Multiples fallen weg; die ausgestellten Objekte müssen vor 1980 entstanden sein.

Was ist von der Art Cologne 2008 zu erwarten? An Bedeutung wird noch einmal der "Open Space" gewinnen, der von der Kölner Agentur Neumann & Luz entwickelt wurde und gern als Innovation der Art Cologne gefeiert wurde, obwohl das Unternehmen von vornherein unabhängig von der Messe organisiert war - mit eigener Jury und eigener Website. In diesem Jahr wird der "Open Space" um 500 weitere Quadratmeter auf 3000 Quadratmeter vergrößert, während die eigentliche Kunstmesse erneut um vierzig Galerien auf 150 Teilnehmer schrumpft: Monika Sprüth, 2007 noch bei Open Space und Art Cologne dabei, kommt nicht, wie auch Forsblom aus Helsinki oder Leo König aus New York; Bleich & Rossi aus Wien, Gimpel Fils aus London sind ebenfalls nicht mehr auf der Liste zu finden.

Daniel Hug ein letztes Mal als Teilnehmer

Ihre Teilnahme am Open Space angekündigt haben insgesamt fünfzig Galerien, darunter Carl Freedman aus London, Hammelehle und Ahrens aus Köln, The Happy Lion aus Los Angeles, Hauser & Wirth aus Zürich, Hohenlohe aus Wien oder Anton Kern aus New York. Nicht zu vergessen die eigene Galerie von Daniel Hug, die mit diesem Auftritt ihren Abschied vom Markt feiern wird. Die Kölner Christian Nagel und Johnen + Schöttle und Krobath Wimmer aus Wien sind die einzigen Aussteller, die neben dem Open Space einen Stand auf der Art Cologne beziehen. Als Mitglied der Jury für den Open Space hat Hug bereits über die Auswahl der Teilnehmer dort mitentschieden. Eine weitere Personalie kann den Einfluss des Open Space auf die gesamte Veranstaltung stärken: Kathrin Luz soll künftig den neuen Direktor auch bei Kommunikation und Akquise unterstützen.

Außerdem wird der Architekt Detlef Meyer-Voggenreiter in das "Leitungsteam" der Art Cologne 2009 aufgenommen. Für diesmal bleibt es auf der Art Cologne bei den bekannten Sektionen "New Contemporaries", "New Talents" und "Hidden Treasures" (wobei man fragen darf, wer Norbert Kricke, Ulrike Rosenbach oder gar Fritz Winter für "verborgene Schätze" halten mag). Ob sich endlich die Art Cologne inzwischen sogar mit der Art Karlsruhe messen muss, darüber wird das Angebot an Klassischer Moderne Auskunft geben; denn in dieser einstigen Domäne Kölns hatte die jüngste Ausgabe der Karlsruher Schau stark aufgerüstet.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: koelnmesse

 
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