Von Lisa Zeitz, New York
20. Oktober 2007 The International Fine Art and Antique Dealers Show ist New Yorks feinste Messe für Kunst und Antiquitäten. 64 Händler sind in diesem Jahr wieder vor allem aus London und New York, aber auch aus Chicago, Paris, Amsterdam und Freiburg in die Park Avenue Armory angereist, um ihre kostbaren Waren vor den verwöhnten Augen Manhattans auszubreiten. Die Objekte sind allesamt edel und gediegen, auch wenn sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Hier trifft das kykladische Marmor-Idol aus der Zeit um 2500 v. Chr. auf zeitgenössische chinesische Fotografie, ein Pastell von Adoph von Menzel hängt gegenüber einer bunten Federmaske aus Papua-Neuguinea, und ein Art-déco-Sessel steht gegenüber einer mittelalterlichen Ritterrüstung.
Wie schmelzende Eiscreme, so muss Capodimonte-Porzellan aussehen, erklärt Paul Crane von der Brian Haughton Gallery in London, die den prominentesten Stand gleich am Eingang der Messe bestückt. Dabei betrachtet er voller Bewunderung die weichen Formen eines kaum zehn Zentimeter hohen schwarzweißen Hündchens. Die kleine Möpsin sitzt würdevoll auf einem mit goldenen Quasten verzierten Kissen und säugt einen Welpen. Das Modell stammt von Giuseppe Gricci aus der Zeit um 1750 und kostet 17.500 Dollar. Etwas größer kommt am gleichen Stand zwischen kostbaren Teeservicen und Rokoko-Figurinen ein Meissner Löwenpaar von Johann Joachim Kaendler daher, das, um 1740 modelliert und haarfein bemalt, für 160.000 Dollar zu haben ist.
Der Gott in Affengestalt
Phoenix Ancient Art operiert von New York und Genf aus und ist zum ersten Mal auf der Messe vertreten. Eine ungefähr lebensgroße ägyptische Pavianskulptur aus schwarzem Diorit ist in die 22. Dynastie um 945 bis 713 v. Chr. zu datieren. Sie stellt Thoth, den affengestaltigen Gott des Mondes, der Magie und der Wissenschaft dar. Hieroglyphen verraten den Namen ihres königlichen Auftraggebers aus Hermopolis Magna und machen die Skulptur dadurch zu einer besonderen Seltenheit. Der Preis liegt bei 980.000 Dollar.
Das attraktivste Stück bei Phoenix Ancient Art ist die kaum dreißig Zentimeter hohe Bronzestatuette des Götterboten Hermes, eine hellenistische Kopie nach einer verlorenen Statue von Lysipp. Der solide Bronzeguss zeigt keinen heranwachsenden Jüngling, sondern einen ungewöhnlich männlich-athletischen Hermes, mit ausgeprägtem Brustkorb und fein modellierter angespannter Muskulatur. Der Körper ist bis auf einen Fuß und einen Unterarm vollständig (2,8 Millionen Dollar).
Schlacht der Amazonen
Colnaghi/Bernheimer/Bellinger stellen an ihrem Stand vor allem feine Zeichnungen und Gemälde von der Barockzeit bis zum 19. Jahrhundert aus. Ein originelles Türkisches Frauenbad vom französischen Neoklassizisten Jean-Jacques-François Le Barbier führt dem Betrachter viel Marmor und wenig Haut vor. Die Badenden lassen unter den üppigen Gewölben nur verschämt ihre Hüllen fallen, und auch der Maler scheint angesichts dieses Themas ganz schüchtern geworden zu sein (480.000 Euro). Feuriger ging der Österreicher Johann Georg Platzer ans Werk: Seine von Rubens inspirierte, dramatische Amazonenschlacht, die er Mitte des 18. Jahrhunderts sehr figurenreich auf Kupfer gemalt hat, soll 350.000 Euro kosten. Ein brillantes Tafelbild des Holländers Adam Willaerts aus dem 17. Jahrhundert zeigt in fein abgestuften Farbtönen das Wunder vom See Genezareth mit holländischen Zeitgenossen unter wolkenverhangenem Himmel (575.000 Euro).
Die Kentshire Galleries präsentieren ein exquisites Paar ovaler Spiegel, die um 1755 in der Manier von Thomas Johnson geschnitzt wurden. In ihre ausgreifenden goldenen Blattranken sind zwei Äsopsche Fabeltiere integriert. Über dem einen Spiegel schlürft der Fuchs aus einer flachen Schale, während sein Gast, der Storch, hungrig danebensteht. Auf dem anderen Spiegel hat er jedoch die Gelegenheit, es dem Fuchs heimzuzahlen, indem er seinen Schnabel genüsslich in eine langhalsige Flasche steckt. Der Blick in den Spiegel kann hier also nur mit einer moralischen Lektion geschehen: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg' auch keinem anderen zu (675.000 Dollar).
Vom Wind zerzaust
Bei Sampson & Horne aus London steht eine schwarze Basaltbüste von David Garrick mit dem Stempel Wedgwood & Bentley aus dem späten 18. Jahrhundert. Der Porträtierte wirkt schon dadurch dynamisch, dass seine Locken und sein Kragen vom Wind zerzaust sind (44.000 Dollar). Ein hochdekoratives Set von zwanzig Aquarellen mit der Darstellung verschiedener Vögel aus der Zeit um 1820 kostet 65.000 Dollar. Daneben hängt ein feines englisches Spitzentaschentuch mit einer figürlichen Szene, das für 29.000 Dollar angeboten wird.
Beim belgischen Antiquitätenhändler Axel Vervoordt lädt ein separater Raum zur ästhetischen Meditation ein. Er ist mit altem Walnuss- und Eichenparkett ausgelegt, während die Wände in stimmungsvollem pompeianischen Rot gehalten sind. Hier treffen antike und moderne Werke in wohliger Harmonie aufeinander. Weißgrundige Bilder von Lucio Fontana, Piero Manzoni und Günther Uecker treten mit hellen Steinobjekten der baktrischen, ägyptischen und griechischen Antike in Dialog. Ein minimalistisches Alabastergefäß aus der Zeit um 600 v. Chr. kostet 75.000 Dollar, für eine achrome Leinwand von Piero Manzoni aus dem Jahr 1959 erhoffen sich die Händler 1,8 Millionen Euro. Der linken Hand einer römischen Kolossalstatue fehlt der erhobene Zeigefinger, aber keineswegs der Charme (300.000 Dollar).
Des Teufels Zunge
Der kleine Stand der New Yorker David und Constance Yates bietet wieder eine Fülle an schweren Bronzegussmedaillen des 19. Jahrhunderts, ferner eine bronzene Kinderbüste von Jules Dalou aus dem Jahr 1878 (45.000 Dollar) und eine glasierte Katzenfigur aus Steingut von Hugo Lisberg (13.000 Dollar.) Die Katze balanciert ihren Körper auf einem schmalen Absatz, während sie mit einer Tatze aufgeregt nach einem unsichtbaren Gegenstand angelt. Das Ölbildchen eines Sonnenuntergangs von Albert Pinot, um 1900, ist nur halb so groß wie eine Postkarte und schon für 1500 Dollar zu erstehen.
Beim Hinausgehen bleibt der Blick noch an den funkelnden und glitzernden Waren des Londoner Juwelenhandels Wartski hängen. Hier streckt ein silberner Teufel mit langen Hörnern aus dem Hause Lalique die Zunge heraus und hält einen lila leuchtenden Amethyst als Anhänger. Eine goldene Schatulle aus dem Hause Fabergé prunkt mit dem kaiserlichen Doppeladler, und Suzanne Belperon hat um 1935 ein extravagantes Schulterornament aus 22 diamantbesetzten Platinsternen entworfen. Das lustigste Schmuckstück jedoch ist eine Brosche aus Gold und Diamanten, die C-3PO, den immer munter quasselnden Androiden aus dem Krieg der Sterne, darstellt. Trotz seiner nur acht Zentimeter Höhe trägt der kleine Roboter ein Preisschild von 30.000 Dollar.
Text: F.A.Z., 20.10.2007, Nr. 244 / Seite 50
Bildmaterial: A La Vielle Russie, Congo Blue/Axel Vervoordt, Wartski
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