Von Tilo Richter
06. Juni 2009 Jetzt steht das Programm der Galerien für die Art Basel fest. Auch 2009 gab es wieder den üblichen Ansturm auf die begehrten Stände. Insgesamt werden Kunstwerke von rund 2500 Künstlern die Kojen füllen, vorgestellt von mehr als dreihundert Galerien aus aller Welt. Traditionell am stärksten vertreten sind die Vereinigten Staaten mit 75 Ausstellern, gefolgt von Deutschland mit 56 und der Schweiz mit 33. Neun Galerien präsentieren sich zum ersten Mal, sechs sind Rückkehrer. Die meisten von ihnen haben Bewährtes eingeplant und meiden die Experimente. Ausnahmen gibt es aber: Der Zürcher Bruno Bischofberger bringt einen gigantischen Andy Warhol mit.
Das 1979 produzierte Big Retrospective Painting vereint auf knapp 22 Quadratmetern Fläche die Kernmotive aus Warhols Schaffen. Es ist die einzige Arbeit, die Bischofberger in Basel zeigen wird. Der Werbeeffekt dieser Weniger-ist-mehr-Schau ist unumstritten, auch wenn das Ziel sicher lautet, das achtzig Millionen Franken teure Gemälde nicht nur zu zeigen, sondern es auch zu verkaufen. Daniel Blau aus München bringt Gemälde von Baselitz, Lüpertz, Penck und Meese mit, Karsten Greeve aus Köln wird Lucio Fontana, Cy Twombly und Jannis Kounellis präsentieren. Eine Verknüpfung von Galeriealltag und Messeauftritt erhofft sich Rodolphe Janssen aus Brüssel, der einige Werke aus dem seit 2005 laufenden Schaufenster-Kunstprojekt Sorry, we're closed im Gepäck hat, darunter sind symbolhafte Gemälde von Dana Frankfort und plakative Werke von Gert und Uwe Tobias.
Sieben Mal Wolfgang Tillmans
Urs Meile aus Luzern und Peking wird seine asiatischen Trümpfe ausspielen: Neben Ai Wei Wei gehören dazu die collageartigen Gemälde von Li Songsong. Die Bochumer Galerie m kündigt neben Richard Serra auch neue Arbeiten des deutschen Fotografen Thomas Florschuetz und Videoloops des Niederländers Ger van Elk an. Noch breiter gefächert zeigt sich das Portfolio in Jay Joplings Londoner White Cube. Damien Hirst und Marc Quinn versammeln sich hier neben Havekost, Kiefer und Enim. Wolfgang Tillmans' Kunstwerke sind gefragt, gleich sieben Aussteller zeigen ihn in Basel. Die Unikate Sunset Reflected bei Juana de Aizpuru aus Madrid und Freischwimmer 131 bei Buchholz aus Köln dürften ihre Abnehmer finden.
Freunde der Klassischen Moderne werden in Basel natürlich auch wieder mit Spitzenwerken bedient. Zwei Kirchner-Akte, 1908 mit farbigen Kreiden gezeichnet, bietet St. Etienne aus New York an. Die Marlborough Gallery verspricht ein großartiges Selbstporträt von Francis Bacon aus dem Jahr 1972. Eine Bronze dreier schreitender Männer von Alberto Giacometti wird man bei den kanadischen Händlern Alice und Robert Landau entdecken können. In der Box von Krugier & Cie. soll Picassos Minotaurus-Gouache von 1936 die anderen Werke überstrahlen; sie steht jedoch nicht zum Verkauf. Der Berliner Kunsthändler Jörg Maass bietet Erich Heckels Männerbildnis für 125.000 Euro an, Moeller Fine Art aus New York/Berlin Paul Klees Zeichnung Vor- und nachmachen für 145.000 Euro.
Werke auch außerhalb der Messe
Die erwarteten rund 60.000 Besucher der Art Basel werden traditionell schon vor den Messehallen mit Kunst konfrontiert: Die Public Art Projects bespielen in diesem Jahr unter anderem Valentin Carron mit seinem elf Meter hohen Kreuz und Mark Handforth mit seiner überdimensionierten Ankerkette Platz. Im Jahr 2000 startete das Experiment Art Unlimited, das sich bis heute nicht nur bewährt hat, sondern unter der Ägide des Schweizers Simon Lamunière zu einer der wichtigsten Plattformen rund um die Kernmesse geworden ist.
Sigmar Polkes in dieser Form erstmals gezeigte Cloud Paintings sind der Beitrag der Galerie von Michael Werner aus New York/Berlin. Das Programm von Art Film ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Ein Höhepunkt dieses Jahrgangs wird mutmaßlich Picasso & Braque Go to the Movies von Arne Glimcher. Die Krise taucht bislang nur im Rahmen der Art Basel Conversations auf, wo sich Kurator Sir Norman Rosenthal mit dem Künstler Jeff Koons über Chancen und Gelegenheiten des Kunstmarkts in schwierigen Zeiten unterhält.
Wild entschlossen und gegen Widerstände vor Ort hat sich die Scope Art Show direkt neben die Art Basel gesetzt; sie schlägt ihre Kunstzelte mit knapp hundert Ausstellern auf dem Rasen des Landhof-Stadions auf. Der Eintritt am Vortag der Art-Eröffnung ist für VIPs reserviert und für Gäste, die am Eingang hundert Dollar bar bezahlen. Zum Standardprogramm gehört wieder ein Abstecher zur von Peter Bläuer geleiteten Basler Liste, The Young Art Fair, die seit ihrem Debüt 1996 viel mehr ist als ein Trittbrett der Art Basel, nämlich ein Sprungbrett für junge Galerien und Künstler.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Galerie Bischofberger, Galerie Daniel Blau, Galerie St. Etienne, Marlborough
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