Cologne Fine Art & Antiques

Ein Tier auf dem Teller

Von Swantje Karich

Nigerianische Zwillingsfiguren der Yoruba aus dem frühen 20. Jahrhundert bei Aussereuropäische Kunst Dierking für 750 bis 37.000 Euro

Nigerianische Zwillingsfiguren der Yoruba aus dem frühen 20. Jahrhundert bei Aussereuropäische Kunst Dierking für 750 bis 37.000 Euro

21. November 2008 Sie wurde 2006 zusammengewürfelt aus der Westdeutschen Kunstmesse, der Kunst Köln und der Antiquariatsmesse und hieß fortan Cologne Fine Art. Dann verlor sie ihren Frühjahrstermin an die Art Cologne und wanderte in den Herbst. Nun hat sich die Messe, nach einer von den Teilnehmern vehement kritisierten Ausgabe 2007, in ihrer aktuellen Ausgabe noch einmal eine neue Form gegeben und den Namen entscheidend erweitert: Bei Cologne Fine Art & Antiques bleibt es nun hoffentlich. Anspruchsvoll, konzentriert und elegant präsentiert sich die Kunst- und Antiquitätenmesse, die nun ohne Fotografie und zeitgenössische Kunst ihren Auftritt hat und sich dadurch weiter von der Art Cologne emanzipieren will.

Auf achtzig Teilnehmer abgespeckt, mit Rosenbouquets in den großzügigen Gängen à la Maastrichter Tefaf, hat die neue Leiterin Ulrike Berendson die Messe herausgeputzt. Auch der Umzug in die bahnhofsnahe Halle 3.2. hat sich gelohnt. Jetzt muss nur noch das Vertrauen der Händler wiedergewonnen werden, von denen sich 2007 einige mit dem Versprechen verabschiedeten, so schnell nicht wieder teilnehmen zu wollen. Daher kommen nahezu alle Aussteller aus dem deutschsprachigen Raum. Schwerpunkt ist die Klassische Moderne, aber auch die Nachkriegskunst. Ebenso vertreten sind Händler mit Kunsthandwerk, Möbeln und Afrikana.

Ein Schalentier von Rolf Escher

Seiner Stadt treu geblieben ist Hubertus Melsheimer. Zur Begrüßung hat der Kölner Händler eine Wand mit Zeichnungen von Rolf Escher bestückt: Die karg wirkende „Hummer-Mahlzeit“ (6000 Euro) von 1983 zeigt neben dem Tier auf dem Teller rätselhafte Details. In der Koje dreht sich munter eine mit Nägeln behauene Lichtscheibe von Günther Uecker aus dem Jahr 1964 (125.000 Euro). Spitzenstück bei Salis & Vertes ist eine „Clematis“ von Nolde aus dem Jahr 1944 für 1,8 Millionen Euro.

An privilegierter Stelle formieren sich Utermann aus Dortmund, Thomas aus München, Ludorff aus Düsseldorf und Dagmar Holz aus Königswinter. Neben Campendonks Aquarell „Zwei Pferde in Berglandschaft“ (Preis nur auf Anfrage) von 1913 leuchten am Stand von Thomas farbenfrohe Werke von Kandinsky. Verblüffend für das Auge ist sein Frühwerk: Auf der ohne Zweifel kitschigen Gouache „Spazierendes Paar“ von 1905 erhält das Kleid der Dame seine Kontur nur durch die feinen Tupfen (445.000 Euro).

Ein Highlight von Emil Nolde

Dem teuersten Werk der gesamten Schau hat Margret Heuser aus Düsseldorf viel Raum gegeben: Noldes Blumenstrauß „Zinnien und Sonnenblumen“ von 1940 ist mit 2,65 Millionen Euro ausgezeichnet. Der Berliner „Wannseegarten“ von Max Liebermann rangiert ebenfalls im oberen Preissegment und soll bei Ludorff aus Düsseldorf eine Million Euro kosten. Der Händlerin für Porzellan, Dagmar Holz aus Königswinter, ist Aufmerksamkeit garantiert mit ihrer Wackelpagode aus Meissen, 1745 (88.000 Euro). Eine „Wand für junge Sammler“ lockt an den Stand von Vömel aus Düsseldorf: Hier sind kleinformatige Werke zu niedrigen Preisen zu erstehen.

Darunter ist eine Kaltnadelradierung von Renée Sintenis aus dem Jahr 1948 für 425 Euro zu finden: Die „zwei Spaniels“ warten auf einen Tierfreund. Die Pracht des Kirschbaum-Holzes führt Britsch aus Bad Schussenried vor: Ein Auszugstisch mit Maßen bis zu vier Metern aus dem Rheinland um 1870 soll 24.000 Euro kosten. Johannes Niessens Porträt in Kohle von Giacomo Orlando di Subiaco von 1847 hat Fichter aus Frankfurt schon für 4700 Euro verkauft. Einige Händler haben Stücke untereinander ausgeliehen; so ergeben sich beim Flanieren immer wieder schöne Überraschungen.

Rosenbouquets zeigen den Weg zur Cologne Fine Art & Antiques.
Rosenbouquets zeigen den Weg zur Cologne Fine Art & Antiques.

Bis 23. November, in der Koelnmesse Halle 3.2. Täglich geöffnet von 12 bis 20 Uhr. Der Eintritt und der Katalog kosten jeweils 20 Euro.



Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Ars Medievalis, Dierking, Galerie Thomas, Koelnmesse, Ludorff GmbH, Margret Heuser, Salis & Vertes, Schlichtenmaier

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Figurengruppe „Anna Selbdritt“ aus dem 15. Jahrhundert bei Ars Medievalis für 85.000 EuroWassily Kandinskys Aquarell „Spazierendes Paar“ von 1905 bei Thomas aus München für 445.000 EuroWilli Baumeisters Bild „Formen auf blauem Grund“ aus dem Jahr 1952 für 205.000 Euro bei Schlichtenmaier Emil Noldes Ölbild „Zinnien und Sonnenblumen“ von 1940 bei Margret Heuser für 2,65 Millionen EuroEmil Noldes „Clematis“ von 1944 bei Salis & Vertes für 1,8 Millionen EuroMax Liebermanns Gemälde „Sommer im Garten in Wannsee“ von 1927 bei der Galerie Ludorff für eine Million Euro