Von Lisa Zeitz, New York
15. Mai 2007 Die dicken, abweisenden Backsteinmauern der 7th Regiment Armory an der Park Avenue verwandeln sich alljährlich für ein paar Tage in ein prächtiges Gehäuse für eine international bestückte Kunstkammer. Dann kann der Besucher der International Fine Art Fair wieder durch die blumengeschmückten Gänge wandeln und bei rund 60 Galerien Skulptur, Malerei und Druckgraphik vom Feinsten begutachten. Was macht sich besser über einem Sofa auf der Upper East Side? Eine goldgrundige Altartafel von Jacopo di Cione aus dem 14. Jahrhundert (von Moretti, Florenz) oder ein ganz und gar unheiliger später Picasso (von der Galerie Fabien Boulaka, Paris)? Das kommt wohl ganz auf die Tapete an.
Die New Yorker Galerie French & Company hat für jeden, natürlich sehr kostspieligen Geschmack etwas im Angebot. Ein klassisches Wendebild von Arcimboldo aus dem 16. Jahrhundert soll vier Millionen Dollar kosten. Der Obstkorb mit Nüssen, Früchten und Blättern wird auf den Kopf gestellt zum Kopf: Eine dicke Birne ist die Nase, Kastanie und Olive werden zu Augen, zwei runde Äpfel zu Backen, grüne Trauben zu den Haaren und der Korb selbst schließlich zum Hut - ein Kunst- und Konversationsstück ersten Ranges.
Zivilisation und Natur
Ebenfalls bei French & Company hängt eine idyllische Winterszene von Francis Guy aus der Zeit um 1820. Kaum vorzustellen, dass die schneebedeckten Holzhäuschen mit rauchenden Kaminen einst dort gestanden haben sollen, wo jetzt die Autobahnausfahrt des Brooklyn Queens Expressway in Richtung Manhattan abzweigt (2,5 Millionen Dollar). Weniger Zivilisation, aber mehr Natur und malerische Kraft liegt in der wuchtigen Winterlandschaft von Gustave Courbet an der Wand gegenüber - seine rote Signatur rechtfertigt den stolzen Preis von acht Millionen Dollar.
Die Düsseldorfer Galeristen Beck & Eggeling sind zum ersten Mal auf der Fine Art Fair vertreten. Sie haben starke Stücke ihres Hauskünstlers Emil Nolde mitgebracht. Herausragend ist ein aufgewühltes Seestück mit knallgelbem Wolkenhimmel und erstklassiger Provenienz (2,1 Millionen Euro). Es ist das letzte von vier Gemälden aus dem Noldemuseum im nordfriesischen Seebüll, das die Stiftung verkauft, um den Umbau des Museums zu finanzieren. Zu Noldes sogenannten ungemalten Bildern aus der Zeit des von den Nazis verhängten Malverbots stammt ein kleines Aquarell mit zwei Dampfern und blutrotem Himmel (280.000 Euro).
Drastische deutsche Künstler
Auch viele andere Galerien haben zwischen Alten Meistern, französischen Impressionisten und amerikanischer Malerei des frühen 20. Jahrhunderts deutsche Kunst aus der Zeit des Expressionismus ausgestellt. Lawrence Steigrad, der gerade eine Galerie nur wenige Blocks von der Armory entfernt bezogen hat, ist eigentlich auf holländische Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts spezialisiert, erzählt aber, dass ihn die Ausstellung Glitter and Doom im Metropolitan Museum inspiriert habe, zwei drastische Blätter deutscher Künstler zu kaufen, die seit Jahrzehnten Teil einer texanischen Privatsammlung waren: Rudolf Schlichters Bleistiftzeichnung Die Betrunkenen zeigt eine nur mit Stiefeln bekleidete Prostituierte am Boden. Über ihr hängt ein besinnungsloser Mann in Uniform, dahinter zwei weitere Opfer des Alkoholkonsums (40.000 Dollar).
Schlichters Schüler Karl Hubbuch hat 1925 eine noch quälendere Begebenheit skizziert: Hier kniet ein hässlicher Glatzkopf zwischen zwei ungepflegten leichten Mädchen und zählt verzweifelt sein Geld. Der Titel macht die Situation klar: Nich mal für eene reicht's (65.000 Dollar). Von ganz anderer Moral ist der Illustrator Norman Rockwell, der nur wenige Jahre zuvor in Grisailletechnik das Titelblatt einer Zeitschrift mit einer biederen Szene aus einem Jugendmilitärlager gemalt hat (150.000 Dollar).
Duftige Impressionisten
Debra Force Fine Art, ebenfalls von der Upper East Side, hat eine entzückende Eichentafel des amerikanischen Bildhauers Elie Nadelmann ausgestellt. Das ungefasste Relief mit zwei barbusigen Damen und Pudel weist schon ganz auf das Art déco hin und zeigt die gelängten Körperteile in fein stilisierter Eleganz (175.000 Dollar). Richard Green aus London zeigt imposante alte Meister und viele duftige Impressionisten wie Signac und Sisley. Die Mitte seines großen Standes dominiert die heilige Katharina von Alexandrien.
Simon Vouet hat sie 1626 als voluminöse, blasse Dame gemalt, deren Gewand mit viel Gelb und Blau und ein wenig Rot gekonnt den barocken Farbdreiklang anspielt. Noch einmal Deutsches findet sich bei Nathan Bernstein aus New York. Ein großformatiges Gemälde von Paul Kleinschmidt aus dem Jahr 1939 sieht aus wie mit Schlagsahne und Zuckerguss gemalt. Das passt: Dargestellt ist ein dickliches Paar vor süßen Konditoreiwaren. Sein Preis liegt um 400.000 Dollar.
Bis 16. Mai. Der Eintritt kostet 18 Dollar.
Text: F.A.Z., 12.05.2007, Nr. 110 / Seite 28
Bildmaterial: David & Constanze Yates
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