07. Dezember 2005 Die Kulturnation Österreich ist an dieser Stelle in höchsten Tönen zu loben. Erstens weil sie die Fahne der schönen Künste hochhält und auf der Website ihres Fremdenverkehrsamtes (www.austria-tourism.at) unter der Rubrik "Berühmte Persönlichkeiten" keine Feldherrn, Fürsten oder Politiker aufführt, sondern fast nur Maler, Schriftsteller und Komponisten. Zweitens weil die Website vorbildlich ist. Sie gehört zu den Klassikern der virtuellen Tourismuswerbung, wurde oft weiterentwickelt und ist jetzt so ausgereift wie überzeugend. Die Seitenarchitektur ist klar, die Navigation logisch, es gibt keine Überfrachtung, dafür alle Elemente, die man sich auf einer Homepage wünscht: eine ausführliche Landeskunde und erschöpfende praktische Informationen für die Reiseplanung; nicht nur die Möglichkeit, Prospekte zu bestellen, sondern auch, sie herunterzuladen; viele Links, interaktive Karten, eine Hoteldatenbank, einen Veranstaltungskalender und ein paar Schmankerl wie ein Gewinnspiel oder ein Mozart-Spezial zum bevorstehenden Jubiläumsjahr inklusive eines Videos. Das einzige Manko ist das mitunter schleppende Tempo beim Seitenaufbau.
Ein weiterer Pionier des Netzes ist die Seite www.tiscover.com, die sich vom virtuellen Reiseführer zum Online-Reisebüro entwickelt hat. Hier kann man einzelne Hotels, aber auch Arrangements und Pauschalen vom Wellness-Urlaub bis zum Biathlon-Wettkampf buchen. Neben diesem Platzhirsch fallen die Konkurrenten ab. Ein reines Internet-Reisebüro mit einer recht breiten Palette von Angeboten bis hin zu romantischen Liebeskurzurlauben in "erotischen Hotelzimmern" samt aphrodisischer Literatur ist die Website www.urlaub.at. Ähnlich aufgebaut ist www.holiday.at mit Zugang zu Last-minute-Arrangements und Live Cams. Äußerst asketisch präsentiert sich www.tourism-db.co.at, eine Datenbank für Ferienwohnungen und Hotels.
Hobby-Schamanen in den Alpen
Ganz Österreich, und zwar in allen Facetten, findet man bei dem Webkatalog www.austrosearch.at. Er hat nicht nur Links zu touristischen Dienstleistern gesammelt, sondern auch zu Geschichte und Kunst, Lifestyle und Shopping. Man findet sogar Links, die man bisher nicht vermißt hat: zu einem genealogischen Studienprojekt im südlichen Waldviertel, zur Homepage der Gesellschaft iranischer Ingenieure in Österreich oder zur Vereinigung der Hobby-Schamanen in den Alpen.
Text: F.A.Z., 08.12.2005, Nr. 286 / Seite R4