
In diesem mit reichlich Verziehrung und Pomp versehenen Palast darf sich der Reisende sein Flugzeug zwischen den Krawatten und Anzügen suchen gehen. Meistens sieht der Reisende es von einem Luxus-Restaurant aus, kommt aber nur hinein, wenn er an mindestens drei Edel-Boutiquen vorbeigehezt wurde. Der Reisende wird taktisch zur Langsamkeit gezwungen, damit er Umsatz macht. Das Ziel des Reisenden ist aber nicht der Flughafenkönigspalast, es liegt meist 40km (oder mehr) ausserhalb. Manchmal interessiert sich der Reisende auch gar nicht für die fürstliche Arena oder sonstwelche Prunkbauten in nächster Nähe sondern ist einfach nur auf dem Weg in eine Weltstadt.
Aber wo der König in seinem Palast thront, da wird der Reisende in die Demut dessen gezwungen, der diesen Königspalast betritt. Moderne Flughäfen sind die Königspaläste der Neuzeit. Mit Subventionen finanziert präsentiert sich die Schickeria standesgemäß (mit welchem Recht?).
Logitisch aber ist dieser Flughafen eine einzige Katastrophe. Als Vielflieger meide ich diesen Platz wann immer möglich. Die Umsteige- und Check-In Zeiten sind katastrophal schlecht. Die Wege sind zu lang. Das Personsal überwiegen unfreundlich. Von der Stadt ist er sowieso zu weit weg.

Als Vielflieger von München aus habe ich mich schon oft gewundert, warum man im neuen Terminal 2 so weit laufen muß, während man beim gut zehn Jahre älteren Terminal 1 innerhalb weniger Minuten vom Auto oder S-Bahn am Gate ist, einschließlich Sicherheitskontrolle. Wenn die Planer wissen, wie es geht, warum machen sie es dann so falsch?
Jetzt ist klar: Die Funktion als Flughafenterminal ist nur ein Vehikel für den Einzelhandel. Der Hauptzweck der Passagiere ist, in den teuren Läden einzukaufen, und dafür muß man die Herde an möglichst vielen vorbeitreiben (und gleich am Eingang mitten durch einen hindurch, wie im Artikel erwähnt). Wenn man dann abgehetzt gerade noch rechtzeitig an einem der äußeren Gates ankommt, darf man dort oft in den Bus steigen, um zu einer Maschine auf dem Vorfeld gekarrt zu werden. Der könnte auch gleich hinter dem Eingang starten, widersinniger geht es kaum. Auch für mich ein weiterer Grund, Lufthansa und Konsorten in Zukunft wenn möglich zu meiden und die Airlines zu bevorzugen, die in Terminal 1 starten.

Solch Artikel liest sich wie eine Werbebroschüre des Münchener Flughafenbetreibers. Das Lufthansa Terminal 2 ist m.E. zwar baulich recht gut gelungen und insb. hab ich mich über die sehr gute SushiBar Mangostin gefreut, aber so toll sind die typischen "Luxus"- Läden doch wirklich nicht. Sie gleichen dem öden Clonstyle der Labelstores , die es in jeder Stadt gibt und eben auch an jedem grösseren Flughafen.

... ich empfinde das Lufthansaterminal in München als unerträgliche Zumutung, werde ich doch als Reisender dazu gezwungen, kilometerweit zu marschieren (besonders lustig, wenn man knapp dran ist und beim Laufen viel Gepäck schleppen muß), weil die Laufwege im T2 nicht auf Effizienz angelegt sind, sondern die Reisenden an möglichst vielen der von Ihnen so gerühmten Geschäfte vorbeiführen sollen. Übrigens der einzige Grund, warum ich - trotz des mittlerweile sehr schlechten Service - nach wie vor dba/airberlin fliege: gerade im Vergleich zum T2 zeigt das früher viel gescholtene Terminal 1 seine unnachahmlichen Qualitäten. Man kann das Auto davor stehen lassen, reingehen, und steigt auf der anderen ins Flugzeug in. Die Laufwege sind in der Regel ein Viertel bis Drittel dessen, was man in T2 aufgebrummt bekommt. Nur Berlin Tegel ist vom Konzept her ähnlich clever angelegt.
lgmg

wie dieser Text (handelt es sich um einen redaktionellen Beitrag - oder eher um eine Werbeanzeige?) wirken die beschriebenen manipulativen Praktiken (speziell kaufrauschanfällige Chinesen werden durch die Ladengassen getrieben, abends legen die Flugzeuge vor dem Rolex-Laden an, von den Herrentoiletten geht es direkt in den Sexshop ...).
Der Passagier wird als Ware betrachtet, deren Nutzen für Flughafenbetreiber u.ä. zu maximieren ist - ob er will, oder nicht.
Honi soit qui mal y pense!