Internet-Bewertungen

Hast du mal 'n Hoteltipp?

Von Fabian von Poser

29. April 2008 An einem Junitag vor zwei Jahren stellte Pierre van Eck sein Leben auf den Kopf. Damals stöberte der Südafrikaner im Internet und stieß auf eine Seite, die ihn sofort begeisterte. Dort konnten sich Mitglieder über ihre Reiseerlebnisse in der ganzen Welt austauschen, eigene Reiseberichte einstellen, Hotels bewerten und Urlaubsfotos hochladen - und dafür bekamen sie sogar Geld. Es dauerte nicht lange, bis van Eck mit Berichten über sein Heimatland die ersten Euro verdiente. Ein halbes Jahr später kündigte er seinen Job als Manager in einem Hotel in Moorreesburg bei Kapstadt. Seitdem schreibt van Eck hauptberuflich Reisekritiken im Internet.

Das Web 2.0, das Mitmach-Internet, bei dem sich jeder einbringen und Informationen anderen zur Verfügung stellen kann, erlebt derzeit einen Boom. Dutzende sogenannter Reise-Communities sind entstanden, bei denen Leute, die gerne reisen, ihre Informationen austauschen. Überall im Netz entstehen neue Foren, jüngst zum Beispiel Tripsbytips.de und Tripflip.de. Schon etwas länger online sind Trivago.de, Tripadvisor.de, Travello.com und Yabadu.de.

Selbstreinigung durch das Wissen der Masse

Um möglichst viele Bewertungen zu erhalten und somit Nutzer auf die Seite zu locken, bieten immer mehr Portale ihren Mitgliedern eine Vergütung für das Einstellen ihrer Informationen an. "Wir schütten fünfzig Prozent der Einnahmen an die Mitglieder unserer Community aus", sagt Malte Siewert, Geschäftsführer von Trivago, einer der größten deutschsprachigen Reise-Communities im Netz, über die auch der Südafrikaner van Eck sein Geld verdient. Die Philosophie dahinter ist einfach: Über seine Urlaubserlebnisse schreiben kann jeder, der übers Internet mit der Außenwelt verbunden ist. Da ist es völlig egal, in welchem Land er lebt. "Unser Konzept ist eine Mischung aus dem demokratischen Wikipedia-Prinzip mit Selbstreinigung durch das Wissen der Masse und einem Business-Modell, bei dem die Mitglieder beteiligt werden", sagt Siewert. "Das macht die Erstellung einer derart großen Anzahl von Daten überhaupt erst möglich."

Auf der Seite, die seit 2005 online ist, befinden sich mittlerweile mehr als 150 000 Hotelbewertungen, 1,6 Millionen Fotos und Informationen zu 50 000 Ausflugszielen, dazu kommt ein Hotelpreisvergleich mit rund 270 000 Häusern weltweit. Derzeit verbringen jeden Monat etwa 55 000 Mitglieder durchschnittlich 20 000 Stunden damit, Trivago mit Inhalt zu füllen. Sie verfassen Reiseberichte, Reiseführer, Bewertungen und Reisetipps, stellen Fotos ein und kümmern sich um die Administration. Insgesamt neun Mitgliedsstufen gibt es. Die Höhe des Verdienstes richtet sich nach dem Aufwand. Alle zwei Monate wird ausgeschüttet. "Wer sehr aktiv ist, kann damit sehr gutes Geld verdienen", sagt Siewert. In seiner Community gebe es mittlerweile beinahe alles, vom Banker über den Polizisten bis zum Hartz-IV-Empfänger.

Acht-Stunden-Tag im Netz

Tatjana Wied ist seit drei Jahren dabei. Zunächst arbeitete sie in jeder freien Minute für die Community, berichtet sie. "Jetzt, da das Kind da ist, nur noch acht Stunden in der Woche." Immerhin bringt es die junge Frau aus Hünstetten-Limbach im Taunus so auf einen Umsatz von 2000 Euro im Jahr.

Es ginge ihr dabei hauptsächlich um den Spaß, sagt Wied. Beim Südafrikaner van Eck sehen die Motive anders aus. Über die Community verdient er bis zu 500 Euro monatlich. "Das sind umgerechnet 5000 Rand", sagt der 45-Jährige. "Dafür muss ich in Südafrika ganz schön lange arbeiten." Rund acht Stunden am Tag ist van Eck dafür im Netz. Vor allem der schwache Wechselkurs des Rand gegenüber dem Euro mache die Arbeit derzeit attraktiv, sagt er.

Manche verdienen nur wenige Cent

Doch Trivago ist längst nicht die einzige Community, in der sich aktive Mitglieder ein Zubrot verdienen können. Auch das Bad Homburger Reiseportal Travelsumo.de, eine Meta-Suchmaschine für den Preisvergleich von Flügen, Hotels, Mietwagen und Pauschalreisen, ermöglicht es registrierten Nutzern seit März, "Urlaubstaschengeld" zu erwirtschaften. Derzeit werden monatlich 2222 Euro ausgeschüttet, die die Mitglieder, die Reiseinformationen einstellen, unter sich aufteilen. Aufgrund der Anzahl von derzeit mehreren hundert aktiven Mitgliedern übersteigt der Gewinn allerdings nur selten ein paar Euro. "Unsere besten Scouts liegen derzeit bei etwa 70 Euro im Monat, andere dagegen nur bei wenigen Cent", sagt Travelsumo-Geschäftsführer Michael Frahm.

Im Gegensatz zu Trivago, wo sich fast alles um Hotels dreht, spezialisiert sich Travelsumo auf Pauschalreisen. Auch ausgefallenere Angebote wie Flusskreuzfahrten und manchmal auch ganz spezielle Reisen wie Programme für Dialyse-Patienten finden sich auf der Seite. Die Scouts suchen günstige Angebote aus dem Internet zusammen, um diese dann den anderen Nutzern zu präsentieren. Der auszuschüttende Betrag soll mit der Community wachsen. "Später, wenn das Portal so viele User hat, dass es für Werbekunden interessant wird, ist auch angedacht, die Scouts an den Werbeeinnahmen zu beteiligen", sagt Frahm.

Nettes Zubrot für Studenten

Auch die Mitglieder der vor einem Jahr gestarteten Reise-Community Tagyourplace.com können mit ihren Reiseberichten Geld verdienen. Jeder User hat dort die Möglichkeit, kostenlos kurze Berichte, Bilder und Reisevideos anderer Mitglieder anzusehen. Kostenpflichtig dagegen sind die ausführlicheren Berichte mit mehreren Fotos und Videos. Für sie zahlt der Nutzer je nach Umfang zwischen 50 Cent und 2,50 Euro.

"Sechzig Prozent davon erhält der Autor. In drei Monaten kommen da bei einigen Usern schon mal 50 bis 100 Euro zusammen", sagt Jana Wroblewski von Tagyourplace. Gerade für junge Leute, die sich ihr Auslandsstudium finanzieren wollten, sei das ein nettes Zubrot. Ihr Guthaben können sich Community-Mitglieder ab 50 Euro entweder bar ausbezahlen lassen oder mit Leistungen wie Handy-Downloads und der Nutzung anderer Reiseberichte verrechnen.

Auch Informationen aus der Nähe gefragt

Wer bei den Reise-Communities Geld verdienen möchte, der muss keinesfalls weit reisen. Auch Informationen aus der unmittelbaren Umgebung sind gefragt.

Weiß jemand ein gemütliches Stadthotel in Hamburg? Wer kennt ein freundliches Restaurant in Berlin? "Alle Informationen finden bei uns Platz", sagt Malte Siewert von Trivago. Das internationale Umfeld ist dabei sehr wichtig. Erst jüngst lancierte sein Portal neben der deutschen, der englischen, italienischen, spanischen, französischen, schwedischen und polnischen auch eine griechische Seite.

Und so eine Community schreibt jede Menge lustige Geschichten. So kennen sich die meisten Mitglieder untereinander oft bereits seit Jahren: der Deutsche den Engländer, der Engländer den Spanier, der Spanier wiederum den Deutschen. "Das ist das Schöne daran, dass man überall in der Welt Freunde findet", sagt Tatjana Wied. Die Hünstetterin ist in der Trivago-Hierarchie mittlerweile auf Stufe acht von neun vorgerückt. "Weil ich von Anfang an dabei bin und mich hochgearbeitet habe." Große Illusionen macht sich die Hausfrau trotzdem keine. "Reich wird man nicht", sagt sie. "Aber es ist ein wunderbares Hobby mit einem schönen finanziellen Nebeneffekt."



Text: F.A.S.
Bildmaterial: REUTERS

FAZ.NET Suchhilfe
F.A.Z.-Archiv Profisuche