Von Volker Mehnert
20. Juni 2008 Das Wandern brauchen die Österreicher nicht neu zu erfinden. Weil sich aber herausgestellt hat, dass allein zwanzig Millionen Deutsche gelegentlich oder regelmäßig die Wanderstiefel schnüren und dass außerdem die Anhänger des Wanderns immer jünger werden, haben sie sich eine sommerliche Kampagne ausgedacht, die ausschließlich auf Wanderer und deren unterschiedliche Ansprüche zugeschnitten ist. Birgit Koller-Hartl, Direktorin der Österreich Werbung in Deutschland, gibt darin sogar das Versprechen für einen perfekten Wanderurlaub ab.
Damit das auch klappt, soll sich der potentielle Österreich-Wanderer erst einmal selbst klassifizieren. Dazu findet er im Internet ein Wanderportal mit einem launigen Wandertypentest. Wer sich auf dem kurzen Fragebogen für eine tägliche Wanderzeit von vier Stunden entscheidet und auf gute Wegbeschilderung sowie exzellente Einkehrmöglichkeiten Wert legt, wird bei der Auswertung als Schmankerljäger eingeordnet, der am liebsten gemächlich in den Alpen unterwegs ist und sich gern von einer Brettljause oder einem Käsekeller vom geraden Weg durch die Berge abbringen lässt.
Sind Sie ein Ehrgeizler oder ein Schmankerljäger?
Entscheidet man sich für sechs Stunden Wanderzeit bei ebenfalls guter Verpflegung, dann ist man ein Ehrgeizler, der schon mal einen Gipfel erklimmen möchte, aber auf nicht übermäßig anspruchsvollen Pfaden, an denen auch entsprechende Einkehrmöglichkeiten liegen sollten. Wem bei acht und mehr Wanderstunden am Tag Verpflegung und Beschilderung nicht so wichtig erscheinen, der gilt als zacher Hund und verbindet anspruchsvolles Gipfelstürmen gern mit ein paar Kletterpartien oder einer Fahrt mit dem Mountainbike. Wer ankreuzt, dass er im Urlaub mit Kindern unterwegs ist, wird als Familienwanderer eingestuft, bei dem Spiel, Spaß und erlebnisreiches Entdecken der Natur im Mittelpunkt stehen.
Hinter diesem humorvoll unterlegten Selbsttest verbirgt sich dann aber doch ein höchst praktischer Nutzen. Denn für jeden Wandertyp werden rund ein halbes Dutzend Routenvorschläge genannt, die dem jeweiligen Anspruch gerecht werden sollen. Für den zachen Hund zum Beispiel empfiehlt sich Nervenkitzel auf Klettersteigen im Tannheimer Tal. Für den Familienwanderer dagegen kostengünstiger Bergurlaub im Bregenzerwald, und für den Schmankerljäger schlägt das Portal Almjause und Haubenküche im Salzburger Land oder Meditation am Arlberg vor. Wer sich eher an Regionen als am eigenen Können orientieren möchte, kann sich auf der Internetplattform auch durch die österreichischen Bundesländer klicken und auf deren Seiten vielfältige Routenvorschläge einsehen.
Hütten und Hotels
Begleitet wird die Kampagne von achtunddreißig österreichischen Hotels mit drei oder vier Sternen, die dem Zusammenschluss der Europa Wanderhotels angehören. Diese haben sich voll und ganz auf die Bedürfnisse von Wanderern eingestellt. Die Besitzer der Familienbetriebe sind in der Regel selbst passionierte Wanderer und Bergsteiger und unternehmen mit ihren Gästen gelegentlich Ausflüge. Jedes der Hotels verfügt über eine Infothek mit Büchern und Kartenmaterial. Busse oder Taxis stehen für kostenlose Transfers zur Verfügung - das Auto kann in der Garage bleiben. Unter dem Motto Schenk wos G'scheits kann man auch Gutscheine für einen Wanderurlaub erwerben und verschenken.
Und schließlich können sich Wanderer im Internet in einem gesonderten Forum nicht nur über ihre Erfahrungen austauschen, sondern auch unter den Mitnutzern besonders harte Wanderrouten anfragen oder eine Bergzicke zum Mitwandern suchen. Beteiligen kann man sich auch an der Abstimmung Mei liabste Hütt'n - auf dass der perfekte Wanderurlaub im kommenden Jahr noch weiter perfektioniert wird.
Information: Als umfassende Einstiegsplattform für den Wanderer in Österreich dient die Internetseite www.austria.info/wandern. Weitere Auskünfte sind über die Hotline 0180/2101818 oder bei der Österreich Werbung, Telefon 030/21914 80, erhältlich.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa